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Glycerin in Naturkosmetik

Der Einsatz von Glycerin in Kosmetik wird sehr kontrovers diskutiert. Immer wieder werden dem Inhaltsstoff vieler Kosmetikprodukte auch negative Eigenschaften (austrocknend, macht Pickel, etc.) zugeschrieben. Nachdem auch in Naturkosmetik sehr oft Glycerin zu finden ist, habe ich Frau Heike Käser, eine unabhängige Spezialisten in Sachen Naturkosmetik zu diesem Thema befragt. Hier eine kurze Zusammenfassung des Interviews.

Was genau ist Glycerin und wie ist seine Wirkung?

Chemisch betrachtet ist Glycerin ein sogenannter 3-wertiger Alkohol. Ganz korrekt heißt es eigentlich Glycerol bzw. 1,2,3-Propantriol – die Endung »-ol« verweist auf die Stoffgruppe »Alkohol«, der es angehört.

Glycerin weist primär zwei Funktionen auf: Erstens gilt es als Humectant, das sind Substanzen, die Feuchtigkeit im Produkt selbst halten und es so vor dem Austrocknen schützen. Zum anderen ist es ein hydratisierender Rohstoff, der das im Produkt enthaltene Wasser bindet und auf der Haut festhält.

Das Besondere an Glycerin ist, dass es nach dem Auftragen tiefer in die Hornschicht eindringen und nicht so leicht ausgewaschen werden kann wie andere hydratisierende Rohstoffe. Auf diese Weise mindert es die austrocknende und irritative Wirkung von Tensiden und Emulgatoren. Deshalb finden Sie in Reinigungsprodukten wie Duschgelen oder Shampoos meist größere Mengen an Glycerin.

Glycerin in Naturkosmetik macht die Haut elastischer, weicher und schützt sie vor Austrocknung. Voraussetzung dafür ist eine übliche Einsatzkonzentration von nicht über 10%. Höhere Anteile können in der Tat austrocknend wirken. Eine natürliche Grenze ergibt sich durch seine haptische Klebrigkeit und niemand wird Glycerin in Mengen einsetzen, die austrocknend wirken.

Ein Grund, warum es gerne eingesetzt wird, ist ganz sicher auch seine Reizlosigkeit: Glycerin ist ein ausgezeichnet dokumentierter kosmetischer und pharmazeutischer Rohstoff mit einer langjährigen »Anwendungshistorie«, der viele positive kosmetische Eigenschaften aufweist.

Pflanzlich oder konventionell. Wie wird Glycerin hergestellt?

Konventionelles Glycerin ist zum großen Teil ein synthetisches Produkt, das aus Propen, einem Abfallstoff bei der Erdölverarbeitung gewonnen wird. Dass das für Mensch und Umwelt nicht gut ist erklärt sich von selbst.

Pflanzliches Glycerin hingegen entsteht bei der Spaltung pflanzlicher und tierischer Fette. Die Aufbereitung von Glycerin in pharmazeutische Qualitäten ist sehr aufwändig, und dies macht Pharma-Glycerin deutlich teurer, auch wenn es aus konventionell erzeugten Ausgangsprodukten stammt.

Bio-Glycerin schließlich, der bevorzugte Rohstoff für Naturkosmetik stammt aus Pflanzen aus kontrolliert-biologischem Anbau. Hier liegt der Preis naturgemäß deutlich höher.

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BioBella Stranzl, 29.07.2011
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