Ernährung  

Problemfrucht Avocado

Avocados sind gesund und vielseitig – ihre negativen ökologischen Auswirkungen sind aber leider nur wenigen bekannt.

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich Avocados liebe! Sie sind so vielseitig verwendbar und wirklich gesund. Auch meine Kinder essen sie gerne, pur, aufs Brot oder als gesundes Schokomousse verpackt. Kürzlich habe ich aber gehört, dass der Avocado-Boom katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt hat, und habe daher mal recherchiert.

Ein paar Avocado-Fakten

Zuerst aber kurz ein paar Fakten zur Avocado: die birnenförmige „Butterfrucht“ enthält sehr viel Fett, nämlich die gesunde Variante mit reichlich ungesättigten Fettsäuren. Avocados wachsen in tropischen (und subtropischen) Gebieten auf immergrünen Laubbäumen die riesig werden können. Die Frucht (eigentlich eine Beere) selbst kann klein wie eine Birne, aber auch groß wie ein Kindskopf werden, wobei die großen Sorten nicht so gut lagerfähig sind. Das ist für den weltweiten Handel aber sehr wichtig, da Avocados nicht am Baum reifen. In der Natur fallen sie hart und unreif auf den Boden und reifen erst dort nach. Für den Handel werden sie direkt vom Baum gepflückt und noch unreif verschickt. In vielen Geschäften gibt es dann sowohl harte, unreife Avocados, als auch weiche, reife Früchte. Leider ist es allerdings oft so, dass die „reifen“ innen schon schwarze, also ungenießbare Stellen aufweisen. Dies liegt an der falschen Lagerung und Reifung in vielen Geschäften. Besser ist es also, unreife Avocados zu kaufen und diese daheim richtig reifen zu lassen. Wie das geht?

Richtige Lagerung und Reifung der Avocado

Eine feste Avocado wird – am besten gemeinsam mit einem Apfel – in eine Papiertüte oder Zeitungspapier gewickelt und bei normaler Zimmertemperatur gelagert. Das Reifegas Ethylen im Apfel fördert bekanntlich die Reifung sämtlicher Früchte, so auch der Avocado. Je nach ursprünglichem Reifegrad kann es zwischen zwei und zehn Tagen dauern, bis die Frucht bereit zum Verzehr ist. (In Mitteleuropa dauert diese Reifung im Allgemeinen maximal fünf Tage)

Achtung: schneidet man eine Avocado auf, reift sie nicht mehr nach! Man sollte daher sicher sein, dass sie richtig reif ist, bevor man sie aufschneidet. Wie man das erkennt? Das ist je nach Sorte unterschiedlich. In Mitteleuropa gibt es meistens Avocados der Sorten „Fuerte“ und „Hass“. Fuerte Avocados haben eine fast glatte, grüne Schale und schmecken sehr mild. Sie sollten bei leichtem Druck etwas nachgeben, und die Schale sollte keine schwarzen Stellen aufweisen. Hass Avocados schmecken würziger und die Schale ist genoppt. Außerdem wird diese Schale mit zunehmender Reife schwarz. (Tipp: keine komplett dunkle Frucht kaufen, da man ja nicht weiß, wie lange sie schon schwarz ist, und ob die Frucht innen nicht vielleicht schon überreif, also ungenießbar, ist!) Eine reife Avocado kann man übrigens problemlos noch bis zu 3 Tage im Kühlschrank lagern – durch die Kühlung wird die Reifung gestoppt.
 

Gesunde Avocado

Wie schon erwähnt enthält die Avocado viele gesunde Fette, sie ist sogar die fettreichste Frucht überhaupt (gemeinsam mit der Olive). Außerdem enthält sie eine große Menge an lebenswichtigen Vitaminen, wie zum Beispiel Vitamin A, Alpha-Carotin, Beta-Carotin, Biotin und Vitamin E. 

Der größte Gesundheitsnutzen der Avocado besteht darin, dass besonders viele fettlösliche Nährstoffe aus anderen, bei der selben Mahlzeit verzehrten Nahrungsmittel absorbiert werden können. Bei einem grünen Smoothie sind dies zum Beispiel meist Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E, Vitamin K, Alpha-Carotin, Beta-Carotin, Lutein, Lycopin, Zeaxanthin und Calcium. Diese werden um 50 bis 100 Prozent besser absorbiert, wenn die wertvollen Fette aus der Avocado vorhanden sind. 

Auch schon angesprochen habe ich die große Flexibilität in der Küche: Avocados passen in Smoothies und Salate, zu Fleisch und Fisch, aufs Brot und können sowohl pikant als auch süß zubereitet werden. In der veganen Küche eignen sie sich auch in vielen Rezepten als Butter- oder Eiersatz. Kein Wunder also, dass sie so beliebt sind!

Gute Nährstoff- aber schlechte Umweltbilanz

Durch die Globalisierung kennt man die tolle Avocado nun weltweit: in den vergangenen Jahren wurden jährlich rund fünf Millionen Tonnen geerntet! Das ganze Jahr über bekommt man die Frucht nun rund um den Globus zu kaufen, im Reformhaus ebenso wie beim Discounter, und nur wenige kennen die Schattenseiten der Produktion. 

Aufgrund der hohen Nachfrage werden natürlich immer mehr Avocado Bäume gepflanzt, obwohl die Pflanze verglichen mit anderen Nutzpflanzen sehr anspruchsvoll ist – finanziell gesehen zahlt es sich aus. Wo das Klima passt, zum Beispiel in Mexico, werden dafür auch andere Wälder, in diesem Fall Pinienwälder, abgeholzt. Das hat teilweise fatale Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. Doch nicht nur das, auch für den Wasserhaushalt der Region und damit das gesamte Ökosystem. Denn rund 1000 Liter Wasser fließen in die Aufzucht von gerade einmal einem Kilogramm Avocados, also etwa zweieinhalb Früchten. Eine Plantage verbraucht doppelt so viel Wasser wie ein dichter Pinienwald. Zum Vergleich: ein Kilogramm Tomaten kommt im globalen Durchschnitt mit etwa 180 Litern Wasser aus, ein Kilogramm Salat mit etwa 130 Litern. Mal ganz abgesehen vom langen Transportweg und dem damit verbundenen hohen CO2 Ausstoß, ist unser hoher Avocado-Konsum also tatsächlich sehr schlecht für die Welt! Worauf also ausweichen, wenn man, wie ich, Avocados liebt?

Alternativen zur Avocado

Wie wäre es zum Bespiel mit Humus oder Melanzani Paste (Baba Ganush) aus der orientalischen Küche? Oder Tzatziki. Auch Süßkartoffeln ersetzen in manchen Rezepten die Avocado ganz gut. Und Guacamole? Kann man zum Beispiel auch aus Brokkoli herstellen, nennt sich dann „Brokkomole„.

Jaja ich weiß, wie jeder Ersatz werden die genannten Vorschläge eine Avocado natürlich nie zu 100% ersetzen können. Ich möchte auch nicht gänzlich auf meine geliebte Avocado verzichten. Verwendet man allerdings wenigstens ab und zu Alternativen, hat man schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht! Ich werde also den Avocado Konsum meiner Familie auf jeden Fall einschränken. Macht ihr mit? (Auch andere beliebte Nahrungsmittel wie Quinoa, Datteln und Kokosöl haben leider ihre Schattenseiten, doch dazu ein anderes Mal mehr.)

Quellen:
http://www.lvz.de/Sonntag/Top-Thema/Gut-fuer-mich-schlecht-fuer-die-Welt
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/avocado.html
http://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend/

Fotos:
Beitragsbild: Designed by Freepik
Bild im Text: Brenda Godinez, Unsplash

Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform und hat 2015 auch ein Kochbuch  zum Thema „Clean Eating“ geschrieben.

Ulli, 28.04.2017
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