Ernährung  

Profis am Wort: Biovermarkter Thomas Anderl

Thomas Anderl über sein Unternehmen und die Zukunft der Lebensmittel.

Thomas Anderl

Thomas Anderl vermarktet seit 30 Jahren regionale Produkte aus biologischem Anbau. Verkauft werden die Produkte an sechs Standorten in Wien.

Wie kam es dazu, dass Sie Biovermarkter wurden?

Das ganze hat eine 30-jährige Geschichte. Wir studierten damals an der BoKu in Wien und begannen, uns mit biologischer Landwirtschaft zu beschäftigen. Gemeinsam haben wir ein Bauernhaus gepachtet, wo wir 40 Kühe gemolken haben und ein paar Sonderkulturen hatten. Die Vermarktung ging über eine Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, BERSTA. Wir waren die Vermittler zwischen den Wiener Konsumenten und den Waldviertler Bauern. Daraus hat sich dann die Idee der Arge Rosenauerwald entwickelt, in der regionale Produkte von kleinen Bio-Bauern vertrieben werden.

Welchen Mehrwert bringt das Konzept den Kunden?

Der Mehrwert liegt einerseits in der regionalen Qualität – wir haben eine tolle Lebensmittelqualität. Andererseits landet die Wertschöpfung direkt beim Bauern – ungebremst und unverzweigt. Das ist der Motor unserer Entwicklung. Und das wird immer wichtiger. Das steht ganz im Gegensatz zu den Bioprodukten, die im Großen entstehen, die weltweit eingekauft werden.

Wer sind Ihre Kunden?

Wir haben einen regelrechten Flow in der Zusammensetzung unserer Kunden. Zum Teil ist das ein generationenübergreifender Prozess – auch die Kinder unserer Kunden kaufen wieder bei uns ein. Das ist sehr dynamisch. Wir machen keine Werbung, und das ganze entwickelt sich dennoch.

Haben Sie Expansionspläne?

Nein, Wachstum war nie unser Thema. Wir sind gewissermaßen die Antithese zum Wachstum. Wir haben derzeit sechs Standorte, das reicht, wir sind wirklich groß genug. Wenn, dann würden wir uns eher verkleinern.

Was wünschen Sie sich für die Lebensmittel der Zukunft?

Was ich mir wünsche, wäre ein Zurück zu kleinen Strukturen und zu regionalen Produkten. Dass der Hochleistungslebensmittelbetrieb zurückgeht, der ja mit seinen denaturierten Lebensmittel für viele Probleme sorgt, wie zum Beispiel für Allergien. Aber ich habe keine Hoffnung, dass die Entwicklung in diese Richtung geht. Ich denke, dafür ist es zu spät. Dafür müsste sich in der internationalen Geldwirtschaft Wesentliches ändern. So lange diese Mächte bestimmend und die Länder nicht Herr über sich selbst sind, sondern unter dem Einfluss der Großkonzerne agieren, wird sich aber nichts ändern. Und ich sehe auch keinen Widerstand.

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Quellen:
Text: Energieleben Redaktion
Foto: Thomas Anderl

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Energieleben Redaktion, 11.03.2016
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