Leben  

Profis am Wort: Der 48-er Tandler

Altwaren mit neuem Wert.

Der 48-er-Tandler

Seit knapp einem Jahr betreibt die MA48 in der Siebenbrunnenfeldgasse/Ecke Einsiedlergasse mit dem 48-er-Tandler einen Altwarenmarkt der besonderen Art, der so ganz und gar nicht als Stöberladen daherkommt. Wie es zu der Idee kam, und woher die Waren stammen, erklärt Ulrike Volk von der MA48 im Interview.

Wie wurde die Idee zum 48-er-Tandler geboren?

Abfallvermeidung ist eines unserer Kernthemen. Ganz neu ist die Idee ja nicht. Schon  seit 1988 gab es im 22. Bezirk einen Laden, in dem abgegebene Altwaren verkauft wurden. Der glich aber eher einem Flohmarkt mit Wühlkisten. Von diesem Image wollten wir beim 48-er-Tandler bewusst wegkommen. Das Konzept, den Re-Use zu fördern, stammt von EU-Vorgaben und ist auch im Wiener Abfallvermeidungsprogramm festgeschrieben.  

Was steckt hinter der Idee?

Wir wollten das Re-Use-Konzept einem möglichst breiten Publikum näherbringen. Dabei wollen wir alle ansprechen: junge Leute ebenso wie ökologisch und sozial offene Menschen, aber auch solche, die von sich aus nicht unbedingt auf einen Flohmarkt gehen würden, weil sie denken, alte Waren seien nicht so schön. Deshalb sind wir auch in eine zentrale Lage übersiedelt und haben das Innendesign hip und ansprechend gestaltet, um die Waren in möglichst gutem Licht zu präsentieren.

48-er-Tandler

48-er-Tandler

Wie kommt das Konzept an?

Das Konzept ist voll und ganz aufgegangen. 750 bis 850 Kunden kommen pro Tag in den 48-er-Tandler. Da wurlt’s richtig! Und alle haben glückliche Gesichter!

Woher stammen die Waren?

Aus dreierlei Quellen: Wir haben alle Mistplätze mit Tandlerboxen ausgestattet, wo die Leute alte, aber noch schöne Gegenstände abgeben können. Das ist die Hauptkomponente. Weitere Gegenstände stammen aus dem Fundservice der MA48, also z.B. Räder, Scooter, Regenschirme, die abgegeben, aber nie abgeholt wurden. Die dritte Quelle sind nicht mehr benötigte Gegenstände aus den Einrichtungen der Stadt Wien.

Was wird alles angeboten?

Eigentlich alles bis auf Lebensmittel, Hygieneprodukte und Dinge wie Matratzen. Wir haben Geschirr, Elektrogeräte, die wir überprüfen lassen und die wir mit einem Jahr Garantie weiterverkaufen, Spielsachen, CD, Kleinmöbel. Besonders gefragt sind derzeit Plattenspieler und Schallplatten. Auch ein alter Klavierflügel war schon mal dabei. Jedes einzelne Stück hat Charakter. Das Spannende ist ja, dass man nie weiß, was kommt. Deshalb lohnt es sich auch, öfter vorbeizuschauen!

Was passiert mit den Einnahmen?

Der Erlös kommt karitativen Zwecken zugute. Sachspenden gehen außerdem an karitative Einrichtungen, etwa an die Gruft oder ans Integrationshaus.

Welche Philosophie steht hinter dem 48-er-Tandler?

Der Tandler verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu andern Altwarenhändlern. Unser Fokus liegt auf der Abfallvermeidung. Auch Schülergruppen versuchen wir, diesen Ansatz über Führungen näher zu bringen.  Uns ist wichtig, dass sich ein Bewusstsein verbreitet, dass man nicht gleich alles wegwerfen muss, was man selber nicht mehr braucht, sondern überlegt, ob es vielleicht jemand anderer noch brauchen könnte. Zum Ausdruck gebracht wird das übrigens durch unseren eigenen 48-er-Tandler-Song, an dem viele Mitarbeiter der MA48 mitgewirkt haben:

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Quelle: Energieleben Redaktion
Foto: MA 48 / Christian Houdek

 

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Energieleben Redaktion, 01.07.2016
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