Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht vielerorts von der Wirtschaftsleistung umwelttechnischer Leitmärkte berichtet wird. Ein Trend, der nicht zuletzt aufgrund der medialen Verarbeitung der Ereignisse in Kopenhagen und bereits…

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht vielerorts von der Wirtschaftsleistung umwelttechnischer Leitmärkte berichtet wird. Ein Trend, der nicht zuletzt aufgrund der medialen Verarbeitung der Ereignisse in Kopenhagen und bereits davor in Kyoto, für die Zukunft anhalten wird. Die Vorstellung einer klimapolitischen Apokalypse, die in Filmen ehemaliger US-Präsidentschaftskandidaten ebenso thematisiert wird, wie in den Sonntagsreden der heimischen Politiker, hat damit Einzug in die Wohnzimmer der ÖsterreicherInnen gehalten. Erst in den Köpfen der Bevölkerung angekommen – so die weitverbreitete, idealisierte Meinung – würde sich sowohl das Verhalten der Einzelpersonen, hin zu einer „karbonneutralen“ Gesellschaft, als auch das Gesamtumfeld zum Wohle aller verbessern. Soweit der mediale Spin.

In der Tat liest sich die Geschichte vom Wachstum der Umwelt- und Energietechnologiebranche wie das Drehbuch einer „Brave Sustainable World“. Eine eingehende Recherche kann diesen ersten Eindruck nicht widerlegen, ja untermauert sogar den Cleantech-Hype. Ein Trend, der – so scheint es zumindest – durchwegs positive Folgen zeigt. Ob Elektromobilität, Energieeffizienz oder nachhaltige Wasserwirtschaft, um nur einige Leitmärkte zu nennen, Wachstum ist überall zu verzeichnen. Allen Technologien und Innovationen ist die Verbesserung der Umwelt und ein verantwortungsvollerer Umgang mit den vorhandenen Ressourcen zu eigen. Wahrlich ein Faktum, das wohl noch immer Diskussionen hervorruft, die kritischen Stimmen allerdings marginal erscheinen lässt.

Ein Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Branche sind nicht nur die hoffnungsvollen Erwartungen des Marktes, sondern auch die Verkaufszahlen der letzten Jahre. Österreich partizipiert am positiven Wachstum der Branche. Zahlen des BMVIT für die Vergleichszeiträume 2007/2008 zeigen, dass allein der heimische Photovoltaikmarkt um 121% gewachsen ist. Ähnliche Entwicklungen, wenngleich mit niedrigeren Zuwächsen, zeigen das Solarthermie- und Wärmepumpensegment. „Waste to energy“ Technologien, thermische Sanierungen oder die unterschiedlichen Segmente der Biomasseeinzelöfen stimmen in den erfolgreichen Chor ein.

Eine Studie der Statistik Austria, die im März des heurigen Jahres veröffentlicht wurde, belegt den Trend wissenschaftlich. Die österreichische Umweltwirtschaft hat sich zu einem treibenden Wirtschaftszweig entwickelt. Mit einem Umsatz von 30 Milliarden Euro schließt die heimische Branche damit zu etablierten Leitindustrien, wie der Automobilbranche, auf. Dieser fast 11-prozentige Anteil am BIP, wird durch eindrucksvolle Beschäftigungszahlen gestützt. Mittlerweile arbeitet bereits einer von zwanzig Beschäftigten in der Branche, in Summe knapp 185.000 Personen. Setzt sich der positive Trend, der durch die Wirtschaftskrise in seinem Fortkommen auch das Cleantech-Segment gebremst hat, fort, rechnet man bis 2020 mit bis zu 75.000 neuen Green Jobs.

Aussichten, die nicht zuletzt aufgrund internationaler Studien, darunter auch eine Publikation des deutschen Umweltministeriums, bekräftigt werden. Bis zum Jahr 2020, ein Datum, das im Übrigen auch als Referenzwert für die Erreichung der EU-Klima- und Umweltziele auserkoren wurde, soll der Markt der Umweltindustrien auf 3.100 Milliarden Euro ansteigen.

Derzeit wird das Weltmarktvolumen auf 1.400 Milliarden Euro geschätzt, wobei zwei Drittel dieser Summe den Leitmärkten Energieeffizienz und nachhaltige Wasserwirtschaft zu zuordnen sind. Es folgen umweltfreundliche Energien und Energiespeicherung sowie Rohstoff- und Materialeffizienz und nachhaltige Mobilität.

Neben den globalen Zahlen lassen sich für die österreichische Umwelttechnikindustrie ebenso positive Indikatoren festmachen. Wie WIFO-Berechnungen zeigen, verzeichnete die Branche zwischen 2003 und 2007 jährliche Wachstumsraten von mehr als 12 Prozent, jeweils bei Umsatz und bei den Exporten. Der Standort Österreich profitiert dabei in erheblichem Maße von der steigenden Nachfrage im internationalen Umfeld. Belegt wird dieser Trend durch die Exportquoten der heimischen Betriebe. Mehr als zwei Drittel der Umsätze werden im Ausland erzielt, wobei den EU-15 Ländern als Absatzmarkt eine herausragende Rolle zukommt.

Aus dieser Position heraus und um das Wachstum weiter vorantreiben zu können, hat sich die österreichische Branche deutlich forschungsintensiver als vergleichbare Wirtschaftssegmente aufgestellt. Laut WIFO wies die Sachgüterzeugung im Jahr 2007 eine durchschnittliche Forschungsintensität von 2,2 Prozent auf, während die Umwelttechnikindustrie beinahe dreimal soviel in F&E, rund 6,5 Prozent, investierte.

Die von der österreichischen Bundesregierung präsentierte Energiestrategie, europäische Regulative und völkerrechtliche Abkommen werden den Markt auch in Zukunft zusätzlich stimulieren. Aus dem Neusprech des Cleantech-Wachstums kann damit ein neuer Wirtschaftszweig entstehen, der die Verbindung von Arbeitsplatzschaffung und –sicherheit mit Lebensqualität verbindet.

Nicht zu verhehlen gilt es in diesem Zusammenhang, dass das Fortkommen von Umwelt- und Energietechnologie maßgeblich durch bestehende öffentliche Förderregime geprägt ist. In Zeiten gekürzter Ressortbudgets und in Aussicht gestellter Ausbaupläne bei unterschiedlichen Technologien, ein nicht unwesentlicher Diskussionspunkt.

Was die Zukunft bereithält, ist die Tatsache, dass sich auch das private Finanzierungssegment vermehrt einbringen wird können, denn das Geschäft mit grünen Technologien bietet zukunftsträchtige Perspektiven. International operierende Investmenthäuser haben die Zeichen der Zeit bereits frühzeitig erkannt und sind längst in die Branche mit innovativen Finanzierungsinstrumenten eingestiegen.

Eine Weiterentwicklung der heimischen Unternehmen der Umweltwirtschaft bleibt aber nicht zuletzt von unserem eigenen, persönlichen Verhalten abhängig. Wie wohl das ressourceneffiziente und umweltfreundliche Bestreiten unseres Lebensalltags ein substanzieller Schritt in diese Richtung ist, so sehr hängt das Fortkommen von der Bereitschaft zur Kooperation ab. Wir müssen unser unternehmerisches und persönliches Handeln hin zu einem kooperativen Lebensstil weiterentwickeln. Konkurrenzdenken und „Friendly Fire“ trüben nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, sondern verschlechtern auch unsere Position am internationalen Markt. Das Bekenntnis zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe wird damit zu einem Erfolgfaktor bei der Etablierung von Cleantech made in Austria am Heim- und auf ausländischen Zielmärkten.

Text:
Florian Beer, 2010

Bild:
Quelle: © Joujou / PIXELIO, www.pixelio.de

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*