Sind Bio-Produkte automatisch nachhaltig?

Ich sage ‚nein‘ und erkläre hier, warum.

Letzten Sommer besuchte ich eine Freundin, die derzeit nicht in Österreich lebt. Sie ist überzeugte Vegetarierin (wie auch ich) und versucht, der Umwelt zuliebe so vegan wie möglich zu leben. Davon abgesehen, erledigt sie ihre Lebensmitteleinkäufe fast ausschließlich in Biomärkten. Klingt alles sehr vorbildlich. Wir machten in diesem Sommer einen Ausflug in eine kleine Stadt und beim Durchschlendern durch die Altstadt entdeckten wir einen kleinen Bioladen. Aus Neugier und sich andeutendem Hunger gingen wir hinein und jede besorgte eine Kleinigkeit zu essen. Meine Freundin entschied sich für einen Bio-Apfel. Das fand ich eine gute Idee und wollte es ihr gleichtun, bis ich vor der Kiste mit den Äpfeln stand und das Schild las, das Auskunft über das Herkunftsland gab. Neuseeland. Als ich meine Freundin darauf ansprach, meinte sie, darauf hätte sie gar nicht geachtet und biss in ihren Bio-Apfel. Aus Neuseeland.

Mythos #4: Biologisch ist in jedem Fall nachhaltig

Mit der kleinen Anekdote möchte ich aufzeigen, dass ein Bio-Label nicht automatisch bedeutet, dass die Lebensmittel unbedenklich, gesund oder gar nachhaltig sind. Denn ein Stück Bio-Obst aus Übersee zu kaufen, ist bei weitem nicht besser als zu einem Stück herkömmlichem Obst aus der Region zu greifen.

Besonders deutlich wird das bei Früchten, die schon während des Anbaus sehr viele Ressourcen verbrauchen, wie zum Beispiel die Avocado. Als ich auf diese Info stieß, ließ ich innerlich einen klagenden Schrei los. Avocados zählen nämlich definitiv zu meinen Lieblingsnahrungsmitteln, aber vor dem Hintergrund des Wissens um deren Ressourcenverbrauch schmecken sie nur mehr halb so gut und kommen mir deshalb nur noch ganz selten in die Wohnung.

Fazit

Biologische Produkte einzukaufen, ist grundsätzlich eine gute Sache. Häufig sind sie von ausgesprochen guter Qualität, sowohl Lebensmittel als auch Hygieneartikel oder andere Dinge, die im Alltag gebraucht werden. Vom Bio-Label jedoch auf Nachhaltigkeit zu schließen, ist in manchen Fällen ein Fehler. Auf einige Produkte mag es zwar zutreffen – Beispiele wären komplett biologisch abbaubare Wattestäbchen in Bioqualität, Naturseifen oder Bio-Lebensmittel aus der Region – aber eben nicht auf alle. Wichtig wäre also, zu überlegen, um welches Produkt es sich handelt, woher es kommt, wofür es verwendet wird und welche Folgen seine Verwendung hat. Das Abwägen dieser Überlegungen ist viel eher eine Richtschnur dafür, ob etwas zu einem nachhaltigen Lebensstil passt als ein Bio-Label.

Über Lisa

The Green Bowl ist ein Food- und Lifestyle-Blog aus Wien. Seit 2014 schreibt Lisa dort über gesunde vegetarische und pflanzenbasierte Ernährung, natürliche Körperpflege, Nachhaltigkeit und Zero Waste. Sie nutzt den Blog als Plattform dafür, Kreativität in Küche und Alltag, fotografischen Versuchen und Gedanken rund um eine bewusste Lebensführung freien Lauf zu lassen und mit anderen Menschen zu teilen. Das Anliegen hinter The Green Bowl lässt sich also grob und teils im übertragenen Sinn so zusammenfassen: echt, ehrlich, grün.

Bildrechte: Lisa Kirchgatterer/The Green Bowl

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