In dieser Woche erhielt die Welt ein verspätetes Ostergeschenk: Einen neuen Vertrag über atomare Abrüstung. Seine Einhaltung wird sogar überprüft. Nach acht Jahren abrüstungspolitischer Ignoranz durch Präsident George W. Bush…

In dieser Woche erhielt die Welt ein verspätetes Ostergeschenk: Einen neuen Vertrag über atomare Abrüstung. Seine Einhaltung wird sogar überprüft. Nach acht Jahren abrüstungspolitischer Ignoranz durch Präsident George W. Bush ist das ein Erfolg.

Mehr noch: Es ist das stärkste abrüstungspolitische Signal seit dem Ende des Kalten Krieges vor 20 Jahren. Die Welt wird etwas sicherer.

Es könnte sogar sein, dass der neue atomare Abrüstungsvertrag, den die Präsidenten Obama und Medwedew in Prag besiegelt haben, einen politischen Neubeginn zwischen den beiden  Atom-Giganten einleitet.

Der neue Vertrag sieht vor, dass die Atomsprengköpfe beider Seiten um etwa ein Drittel und die Trägersysteme um etwa 50 % reduziert werden. Damit herrscht künftig tatsächlich atomwaffentechnische Parität zwischen Moskau und Washington. Der unbelehrbare Bush Junior wollte die uneinholbare Überlegenheit der USA, auch als Atommacht. Obama hingegen verzichtet auf  uneingeschränkte atomare Dominanz und Arroganz.

Natürlich hätte das Ergebnis optimaler sein können. Die übrig bleibenden  Atomwaffen reichen immer noch aus, um die Menschheit zehnmal zu vernichten. Aber noch vor 14 Monaten schien selbst das jetzige Resultat noch wie eine Utopie. Nun aber ist es Realität. Der Frieden wird etwas berechenbarer. Beide Präsidenten mussten Rücksicht auf ihre jeweiligen Hardliner und Betonköpfe nehmen.

Obama ist von seinem „Traum einer Welt ohne Atomwaffen“ noch weit entfernt

Aber dieser Vertrag schafft neues Vertrauen zwischen den nach wie vor wichtigsten und zugleich gefährlichsten Atommächten unseres Globus. Wenn dieses Vertrauen nun weiter wachsen kann, dann erst ist der Kalte Krieg wirklich zu Ende, weil dann erst wird die eigentliche Abrüstung und werden die eigentlich mutigen Einschnitte in die atomaren Arsenale beginnen können.

Die Abrüstung der Großen ist die Voraussetzung  für die künftige Abrüstung der kleineren Atommächte wie Indien, Pakistan oder Israel und der atomaren Möchtegern-Mächte wie Nordkorea oder Iran. Atomare Abrüstung und atomare Vernunft kann nur einfordern, wer selbst abrüstet und zwar viel mehr als bis jetzt vereinbart.

Wer gar den Schmuggel von Atomtechnik und die Weitergabe von Atombomben-Knowhow ernsthaft verhindern will, der muss weitere Abrüstungsschritte unternehmen. Wenn illegaler Handel von Atomtechnik künftig effektiver bestraft wird, kann die Bombe in der Hand von Terroristen vielleicht noch verhindert werden. Und dies dient nicht nur der Sicherheit der USA und Russlands, sondern der ganzen Welt.

© Franz Alt 2010| www.franzalt.de

Foto: whitehouse.gov