Der Landflucht entgegenwirken und ein Dorf neu beleben – das ist die Vision der Dorfschmiede Gutenstein.

Gutenstein war ein kleines, eher verschlafenes Dorf im Piestingtal, etwa eine Stunde südlich von Wien. Vor etwa 2 Jahren haben Theresa Mai vom Unternehmen Wohnwagon und eine handvoll weitere motivierte Menschen beschlossen, nicht nur den Firmensitz, sondern auch den Lebensmittelpunkt nach Gutenstein zu verlegen. Damit einher ging auch gleich die Vision der Dorfschmiede. Sie wollen damit das Vorzeigemodell für Dörfer der Zukunft werden.

„Wir möchten lebendige Räume schaffen, nicht nur zum Wohnen sondern zum Leben, in denen Kultur, Gesundheit, Handwerk, Landwirtschaft und Bildung zu einem vernetzten Gesamtkonzept zusammenfinden, das auf lokalem Austausch und Kooperation beruht.“, heißt es auf der Webseite der Genossenschaft, deren Zweck die Entwicklung von nachhaltigem Lebensraum ist.

Mit der Firma Wohnwagon war der erste Schritt gemacht, ein Unternehmen, und somit Arbeitsplätze aus der Stadt aufs Land zu verlegen. Dazugekommen sind inzwischen die Verwurzelt Gemüsegärtnerei, und noch so einige andere kleine und größere Unternehmen. Dadurch werden regionale Wertschätzungskreisläufe reaktiviert oder neu aufgebaut.

Was ist die Dorfschmiede eigentlich?

„Die Dorfschmiede dient als Plattform, um Ideen für lebendige und nachhaltige Projekte im Dorf zu verwirklichen.“ Sie ist im Kern die Organisation, die alles zusammenhält und vernetzt. Welche neuen Unternehmen werden benötigt? Welche Angebote kommen von den Genossenschaftsmitgliedern? Welche Veranstaltungen gibt es, die das Leben im Dorf wieder ein bisschen mehr ankurbelt und die Kommunikation untereinander unterstützt? All das wird über die Dorfschmiede als Sprachrohr geleitet.

Die Verwurzelt Gemüsegärtnerei ist eines der Unternehmen, die aufgrund des Projektes Dorfschmiede nach Gutenstein gesiedelt ist. – Photocredit: dorfschmiede.net

Außerdem wurde im Zuge der Ansiedlung auch der alte und verlassene Gutensteinerhof gekauft. Er dient als Co-Working Space, Autarkie-Shop, Veranstaltungs- und Seminarort, bietet Gästezimmer, und in Zukunft hoffentlich auch eine stark in das Gemeinschaftlseben eingebunene Gastronomie.

Dorfbelebung und Kreisläufe erhalten ist nachhaltig

Die Idee der Gründerinnen und Gründer der Dorfschmiede Gutenstein ist es, nicht ein abgeschlossenes Ökodorf oder eine Kommune zu gründen. Stattdessen wollen sie sich aktiv im bereits bestehenden Dorf einzugliedern, Verbindungen aufbauen und durch gestärkte Kreisläufe näher zusammenwachsen, und auch neue Menschen und Betriebe anlocken.

Auch eine Waldläuferbande als naturbezogene Kinderbetreuung gibt es bereits in Gutenstein. – Photocredit: dorfschmiede.net

Wenn die Menschen weniger weit pendeln müssen, und stattdessen im Wohnort auch ihre Arbeitsstelle haben, kann beim Auto gespart werden. Wenn Lebensmittel lokal produziert werden, die dort dann auch Abnehmer finden müssen diese nicht durch das halbe Land oder sogar den halben Kontinent transportiert werden. Und das sind nur ein paar der sehr vielschichtigen Gründe, warum dieses Unterfangen ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit ist.

Wer ist derzeit involviert?

In der Genossenschaft sind nicht nur die Gründer und sonstigen zugezogenen Unternehmer involviert. Auch Menschen, die bereits davor in Gutenstein gewohnt haben, aber auch Menschen, die (noch?) gar nicht dort wohnen, aber Teil der Gemeinschaft sein wollen sind ebenfalls Mitglied des Zusammenschlusses. Jede und jeder die/der beitragen will ist herzlich willkommen.

Was ist das Ziel?

Ein wesentlicher Kern der Dorfschmiede ist es Wirtschafts-, Energie-, Nahrungs- und sonstige Kreisläufe auf regionaler Ebene zu schließen. Es geht darum, Unternehmen und auch Einzelpersonen, die sich in der Gegend niederlassen möchten zu unterstützen, zu vernetzen, und in das Dorfgeschehen einzubinden. Das Ziel von all dem ist es, wieder mehr Verbindung zu allen Aspekten des Lebens zu bekommen, und den Lebensmittelpunkt auf allen Ebenen wenn möglich am selben Ort zu haben.

Gemeinsam kochen ist ein Kern fürs Zusammenwachsen. Darum ist es wichtig, dass die Gastronomie jemand übernimmt, der im Herzen für die Gemeinschaft lebt. – Photocredit: dorfschmiede.net

Was ist schon alles entstanden?

Neben dem Kauf des Gutensteinerhofes vor zwei Jahren hat sich schon viel getan. Die Gründung einer Waldläuferbande, damit Kinder ihre Umgebung nochmal ganz neu kennenlernen, sowie die Verwurzelt Gemüsegärtnerei sind nur ein paar der Projekte, die sich seit der Entstehung der Genossenschaft in Gutenstein entwickelt haben.

Zusätzlich haben sich sowohl ein Möbeltischler, der die Möbel für Wohnwagon herstellt, als auch zwei weitere Tischler in Gutenstein angesiedelt. Die fokussieren sich auf Dinge wie Selbermachen, Reparieren oder generell die Holzarbeit als Handwerkskunst. Auch Physiotherapeuten, Keramiker und andere Künstler sind inzwischen dem Ruf gefolgt. Durch die Ansiedlung diverser Unternehmer wurden auch weitere Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Und es ist noch viel mehr geplant.

Das aktuelle große Projekt ist die Renovierung des alten Gasthauses durch rein regionale Unternehmen.

Mitmachen

Nicht nur wer in der Gegend von Gutenstein wohnt, oder mit dem Gedanken spielt, sich dort niederzulassen, kann die Genossenschaft kontaktieren, und entweder als Mitglied oder auch loser Kontakt mit einsteigen. Dies kann etwa fürs Netzwerken, oder auch nur fürs gemeinsame Kuchenbacken sein.

Für alle, die sich zwar nicht aktiv beteiligen wollen, aber dennoch begeistert sind von dem Projekt und möglicherweise sogar darin investieren möchten, gibt es auch die Möglichkeit, beim Vermögenspool der Dorfschmiede einzusteigen.

Fazit

Dieses neue Projekt ist ein sehr spannender Ansatz, die Frage zu erforschen, wie wir ganz bewusst Dörfer wieder neu beleben können. Und zwar bewusst auch auf wirtschaftlicher Ebene regional zu denken und doch die Offenheit zu ermöglichen, dass jeder kommen kann und nicht sofort in eine Gemeinschaft voll eingebunden sein muss, wie es etwa in den meisten Gemeinschaftswohnprojekten der Fall ist. Er nimmt einen größeren Teil des Drucks von Gemeinschaften, dass alle Aspekte funktionieren müssen, und verteilt die Verantwortlichkeit und Zuständigkeit stärker.