Die alles entscheidende Frage für die Zukunft des Lebens ist die Energiefra­ge. Ohne Energie gibt es kein Leben, keinen Fortschritt, keinen Wohl­stand und keine Überwindung des Hungers. Doch die heutigen…

Die alles entscheidende Frage für die Zukunft des Lebens ist die Energiefra­ge. Ohne Energie gibt es kein Leben, keinen Fortschritt, keinen Wohl­stand und keine Überwindung des Hungers. Doch die heutigen Energiequellen gehen in den nächsten Jahrzehnten allesamt zu Ende. Hinzu kommt, dass Kohle, Gas und Öl den Treibhauseffekt verursachen, Atomkraftwer­ke gefährlich sind und niemand weiß, was mit den nuklearen Abfällen geschehen soll. Also brauchen wir so rasch wie möglich den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerba­re, umweltfreundliche, ewig vorhandene und dazu noch preiswerte Energiequellen.       

Bei diesem dringend notwendigen Umstieg gab es in den letzten Jahren größere Fort­schritte, als allgemein bekannt ist. Wir Jour­nalisten haben über diese positiven Entwick­lungen bisher einfach zu wenig berichtet. Kaum jemandem ist beispielsweise bewusst, dass das Bundesland Schleswig-Holstein schon in absehbarer Zeit mehr Ökostrom produzieren wird, als alle seine Bürger zu­sammen verbrauchen. Kaum jemand weiß, dass es schon so genannte „grüne Städte“ gibt, deren Stadtwerke bereits heute aus­schließlich erneuerbare Strom im Angebot haben, zum Beispiel die Großstädte Kassel und Nürnberg in Deutschland. München ist die erste Millionenstadt Europas, die ab 2025 nur noch Ökostrom produziert und anbietet – als Mix aus Sonne, Wind, Erwärme, Wasserkraft und  Biogas.

 Ich weiß, worüber ich schreibe. Denn wir ha­ben seit 18 Jahren zwei Solaranlagen auf un­serem Hausdach in Baden-Baden. Eine pro­duziert Wärme mit der Sonne und die ande­re Solarstrom. Auf einem Altbau aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts gewin­nen wir damit doppelt so viel Strom wie eine durchschnittliche deutsche Familie ver­braucht. Und ich kann Ihnen versichern, dass uns die Sonne in diesen 18 Jahren noch nie eine Rechnung geschickt hat. Für die nächs­ten Wochen ist zusätzlich eine Pellet-Anlage bestellt – Holzpellets sind gespeicherte Son­nenenergie. Wir sind dann komplett ener­gieautonom und nutzen zur Strom- und Wär­megewinnung ausschließlich umweltfreund­liche Energie ohne Treibhausgase zu produ­zieren. Und die Sonne wird noch etwa fünf Milliarden Jahre die Energie zur Verfügung stellen, die alle Menschen auf dieser Erde ins­gesamt benötigen.           

Eigentlich gibt es gar kein Energieproblem, wenn wir uns nur ein klein wenig intelligen­ter verhalten würden als bisher. Denn die Sonne schickt uns jeder Sekunde unseres Hierseins 10.000-mal mehr Energie als zur­zeit alle Menschen verbrauchen. Die Lösung des Energieproblems steht am Himmel. Wa­rum aber stehen die meisten deutschen Dä­cher noch völlig ungenutzt in der Gegend he­rum? Warum mehmen wir das Angebot von oben so wenig an? Warum holen wir Öl aus Arabien, Gas aus Sibirien und Uran aus Aus­tralien, aber die heimische Sonne, den hei­mischen Wind, die heimische Erdwärme, die heimische Wasserkraft und die heimische Bioenergie nutzen wir kaum?         

Der Freiburger Solararchitekt Rolf Disch hat bereits 60 Häuser gebaut, die allein mit So­laranlagen doppelt so viel Strom produzieren wie die Bewohner benötigen. Das ist für je­den umsetzbar: Jedes Haus kann in Zukunft seinen Energie selbst organisieren. Millionen Hausbesitzer, Landwirte, Handwerker und der Mittelstand sind die Träger der künftigen umweltfreundlichen, autarken Energiever­sorgung. Der hundertprozentige Umstieg auf Erneuerbare Energie wird in Deutschland zu einer Million neuer Arbeitsplätze führen und in der Europäischen Union sogar zu fünf Mil­lionen Stellen. Für Österreich würden das immerhin 100.000 neue Arbeitsplätze bedeuten.  Das hat eine Berechnung der Europäischen Kommission in Brüssel erge­ben. Neue Energie bedeutet viele neue Ar­beitsplätze. Worauf warten wir also noch?     

Uns stehen alle Möglichkeiten offen: Eine Studie der Universität Osnabrück hat bei­spielsweise ergeben, dass sich Städte wie Os­nabrück oder Münster ihren Privatstrom zu 72 Prozent über die Sonne besorgen können. Die meisten deutschen Dörfer erreichen so­gar einen Wert von 100 Prozent, weil es auf dem Land mehr Dachflächen gibt als in Städ­ten. Die ersten Kommunen stellen Solarka­taster ins Internet, über die Bürger sich infor­mieren können, ob ihr Hausdach für Solar­energie geeignet ist oder nicht. Und das Ganze bedeutet Gewinn und nicht Verzicht: Denn die Sonne schickt keine Rechnung. Sie liefert uns die Energie als Geschenk des Himmels. Die alten, herkömmlichen Energieträger jedoch werden immer teurer, weil sie rasch zu Ende gehen.    

Österreich ist erneuerbar. Deutschland ist erneuerbar. Europa ist er­neuerbar. Die Welt ist erneuerbar. Es gibt kein einziges Land auf dieser Erde, das sich nicht zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie ver­sorgen kann. Darum: Bürger, zur Sonne, zur Freiheit! Anna Holzamer kann noch hoffen. Wenn wir schnell handeln. Jetzt! 

© Franz Alt | www.sonnenseite.com

Foto: Fotolia.com | SADEQ

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