Der Weg nach Kyoto uneben, die Route nach Kopenhagen zu steinig, Mexico City und Durban noch vor uns. Ein Teil der internationalen Lösung liegt freilich nicht nur am multilateralen Parkett…

Der Weg nach Kyoto uneben, die Route nach Kopenhagen zu steinig, Mexico City und Durban noch vor uns. Ein Teil der internationalen Lösung liegt freilich nicht nur am multilateralen Parkett der Diplomatie, sondern auf den heimischen Baustellen. Denn um eine Reduktion der Emissionen zu erreichen, bieten energieeffiziente Bauweisen und thermische Sanierung eine Vielzahl von Möglichkeiten. Derzeit wird in Österreich rund ein Prozent der Bestandsbauten saniert, bis 2020 möchte man auf drei Prozent kommen.

Das Regierungsprogramm hält diesbezüglich fest, dass bis 2020 alle dringend notwendigen sanierungsbedürftigen Gebäude zu sanieren sind und langfristig eine lückenlose thermische Sanierung des österreichischen Gebäudebestandes der Jahre 1945-1980 angestrebt wird.

Im Jahr 2009 hat die österreichische Bundesregierung deshalb rund 100 Mio. EUR für die thermische Sanierung, die eine Hälfte für den privaten, die andere Hälfte für den gewerblichen Bereich, aufgelegt. Tatsächlich scheinen die gesetzten Maßnahmen eine positive Wirkung gezeigt zu haben, wobei über die Höhe und die bisherig nur einmal erfolgte Auszahlung der Fördermittel Diskussionen entbrannt sind. Dennoch, die rezenten Diskussionen zeigen, dass man über eine Wiedereinführung nachdenkt. Auch die Zahlen belegen eine positive Resonanz. So berichtet der Standard, dass das Geld für Private binnen zehn Wochen vergeben war und deshalb später noch einige Millionen vom Betriebe- in den Privathaushalte-Topf umgeschichtet wurden. Insgesamt standen so für den „Sanierungsscheck“ für private Haushalte knapp 61 Millionen Euro zur Verfügung. In Summe wurden rund 14.000 Häuser saniert. Die Hälfte der Projektanträge stammten aus den beiden Bundesländern Niederösterreich (27,3 Prozent) und Oberösterreich (24,6 Prozent), danach folgten die Steiermark (12,5 Prozent), Kärnten (11 Prozent), Tirol (7 Prozent), Salzburg (6,1 Prozent), Burgenland (4,8 Prozent), Vorarlberg (4,6 Prozent) und Wien (2,1 Prozent).

Auch für die Unternehmen dürfte sich das Sanierungspackage gelohnt haben, denn so die WKÖ, acht von zehn Unternehmen wünschen sich eine Wiederauflage des Programms, wobei die Aktion künftig längerfristig angelegt sein sollte.

Das WIFO hält konkrete Energiekennzahlen zur Sanierung bereit. Die Studien zeigen, dass bei Ein- und Zweifamilienhäusern, insbesondere bei einer thermischen Sanierung des Gebäudebestandes bis 1960, hohe Energieeinsparpotenziale zu verzeichnen sind. Für den Gebäudebestand von 1900-1945 rechnet man mit einer Einsparung von 287 kWh/(m².a), bei den genannten Gebäuden der Jahre 1945-60 sind es 310 kWh/(m².a) und für 1961-1980 mit 183 kWh/(m².a). Ausgangspunkt für die errechneten Potenziale ist eine thermische Gesamtsanierung, bei der die Fassadensanierung (bei Wohnhäusern getrennt nach Fenstertausch und Dämmung der Fassade inkl. Sockel), die Dämmung der Kellerdecke und die Dämmung des Dachs bzw. der oberen Geschoßdecke vorgenommen wird. In Summe ergäbe sich inklusive der Sanierung von Bürogebäuden ein Einsparpotenzial von 5,9 Mio. t CO2 pro Jahr. Immerhin rund 7% des durch Österreich im Jahr 2007 emittierten CO2.

Für den Standort, so das WIFO, hat der Einsatz der 100 Mio. Euro an Fördergeld Investitionen von rund 650 Mio. Euro ausgelöst. Gleichzeitig seien im Krisenjahr 2009 rund 7.000 Arbeitsplätze gesichert worden, Zahlen, die durch das Lebensministerium bestätigt werden.

In Summe herrscht auch auf der politischen Bühne weitgehende Einigkeit darüber, dass die thermische Sanierung Wirtschaftsimpulse schafft und Arbeitsplätze sichern und schaffen kann. Über Höhe und Dauer der Förderprogramme ist man sich schon weniger einig.

Text:
Florian Beer, 2010

Bild:
Quelle: © Thorben Wengert / PIXELIO, www.pixelio.de

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