Die Cleantech Zukunft kommt. Bleibt die Frage, wie weit wir auf einen Zug, der bereits ordentlich Tempo aufgenommen hat, noch aufspringen können? Die Verheissungen des Marktes und die Analyse von…

Die Cleantech Zukunft kommt. Bleibt die Frage, wie weit wir auf einen Zug, der bereits ordentlich Tempo aufgenommen hat, noch aufspringen können? Die Verheissungen des Marktes und die Analyse von diversen Studien machen eines klar: Die Jobzukunft ist clean und green. Die österreichische Politik jedenfalls hat das Thema bereits für sich entdeckt und will damit Perspektiven für den heimischen Arbeitsmarkt eröffnen.

Klappe, die erste
162.986 Beschäftigte wies die österreichische Umweltwirtschaftsbranche im Jahr 2008 auf. Rechnet man den Handel mit Umweltgütern und –technologien ein, ergibt sich ein Anteil der Umweltwirtschaft an den österreichischen Erwerbstätigen von rund 5%. Somit arbeitet einer von 20 Österreicher im Green Jobs Bereich. Besonders beschäftigungsintensiv ist dabei der Bereich des Boden- und Grundwasserschutz. Dieses Segment beinhaltet unter anderem Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft. Es folgen die Bereiche Abfallbehandlung und –vermeidung sowie die Abwasserbehandlung. Soweit zu den nüchternen Fakten und dem Status quo.

Szenenwechsel
Mit Ende April 2010 waren rund 250.000 Personen in Österreich als arbeitslos gemeldet. Personen mit Lehrabschlüssen zählen dabei zu jenem Bildungsstand, der am meisten von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Bis Ende März 2010 haben rund 175.000 Personen mit Unterstützung des Arbeitsmarktservice eine Arbeit aufgenommen. EUROSTAT wies für März 2010 einen Wert von 4,9% für die Arbeitslosenquote Österreichs aus. Damit liegt Österreich nach den Niederlanden (4,0%) auf dem zweiten Platz innerhalb der Europäischen Union. Die Aussichten am Arbeitsmarkt wurden in den letzten Tagen allerdings getrübt. Im Rahmen der geplanten Konsolidierung des österreichischen Finanzhaushaltes wurden Einsparungen bei Schulungen und Kursen des AMS kolportiert. Angesichts der Tatsache, dass im April 81.050 beim AMS Schulungen besuchten, ein beunruhigendes Faktum.

Schnitt.
Wie Analysen des Kompetenzzentrums für Umwelt- und Energietechnologie zeigen, benötigt die heimische Cleantech-Branche Generalisten und umsetzungsorientierte Fachkräfte, um die Effektivität und Effizienz von Abläufen bestmöglich gestalten zu können. Ebenso spielen die Erfassung von energietechnischen Kennzahlen, Energieeffizienzüberprüfungen und Anlagenoptimierung sowie die Bewertung von Produktionsprozessen nach ökologischen und ökonomischen Kriterien für die zukünftige Auswahl der MitarbeiterInnen durch die Unternehmen eine Rolle. Die Umweltwirtschaft sucht Facharbeiter im Bereich Solarthermie und Photovoltaik ebenso wie im Abfall- und im Windkraftbereich Als Quereinsteiger haben Elektrotechniker und HTL-Absolventen, FH-Absolventen der Ökoenergietechnik sowie Absolventen der TU und der Boku gute Jobchancen.

Totale. Letzte Einstellung
Gedankenexperimente haben etwas verblüffend Subversives an sich. Vor allem dann, wenn sie von einflussreichen Personen geäußert werden. Insofern ist das nachstehende Experiment subtilst harmlos: Bis 2020 will man in Österreich rund 100.000 neue Green Jobs schaffen. Ein ambitioniertes Vorhaben. Wenn – so manche Zahlen aus der Branche erlauben förmlich keine andere Vorstellung – das weltweite Wachstum anhält, werden sich unsere Volkswirtschaften auf die unterschiedlichen grünen Technologiebereiche quasi automatisch umstellen, bei der Energieeffizienz angefangen, bis hin zu elektrischen Mobilität.
Zurück zum Ausgangspunkt. Wie mutig ist die bewusste Akzentuierung von Schulungsprogrammen der Arbeitsvermittlungsstellen auf Umwelt- und Energietechnologie? Wie mutig wäre es trotz Sparmaßnahmen den Fokus auf Schulungen mit Cleantech-Schwerpunkt zu legen? Wie realistisch ist es das erwartete Wachstum der Branche mit den Zahlen der in Kurs befindlichen Arbeitsplatzsuchenden zu referenzieren? Welchen Erfolg hätte eine radikale Zuwendung der Schulungsmaßnahmen auf Umwelt- und Energietechnologie?

Fragen über Fragen: Fest steht – und hier ist den ExpertInnen der Arbeiterkammer beizupflichten – dass das grüne Beschäftigungswachstum nur durch die nachhaltige Gestaltung der Arbeitsplätze erreicht werden kann. A-typischen Beschäftigungsverhältnisse das Wort zu reden, ist deshalb wenig probat. Vielmehr müssen wir uns die Rahmenbedingungen schaffen, die vollwertige Arbeitsplätze gewährleisten können.

Text:
Florian Beer, 2010

Bild:
Quelle: © Beate Klinger / PIXELIO, www.pixelio.de

2 Kommentare

  1. Ich glaub, es steht ausser Zweifel, dass „Green Jobs“ ein spannendes Segment auf den Arbeitsmarkt der Zukunft sein werden. Vielleicht noch stärker, als man sich das heute vorstellen kann. – Das allerdings hat mit der Art der Beschäftigungsverhältnisse relativ wenig zu tun. Vollzeitbeschäftigung mit „grün“ zu verquicken, ist reines Wunschdenken der AK.

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