Thomas Alexander - Fotocredit: Wien Energie
Thomas Alexander - Fotocredit: Wien Energie
Thomas Alexander ist Projektmanager der Abteilung PV-Anlagen bei Wien Energie. Im Interview spricht er über aktuelle PV-Projekte und darüber, warum PV-Anlagen auf Agrarflächen keine Bodenversiegelung darstellen.

Thomas Alexander ist Projektmanager der Abteilung PV-Anlagen bei Wien Energie. Er beschäftigt sich intensiv mit den Rahmenbedingungen von PV-Anlagen und hat die Abteilung von Beginn an mit aufgebaut. Seit 20 Jahren beschäftigt ihn das Thema der Erneuerbaren Energien. Im Interview spricht er über aktuelle und zukünftige PV-Projekte von Wien Energie und darüber, warum PV-Anlagen auf Agrarflächen keine Bodenversiegelung darstellen.

Metro stattet seine Dächer mit PV-Anlagen aus. Wie weit ist der Ausbau schon fortgeschritten?

Wien Energie und Metro haben einen österreichweiten Rahmenvertrag abgeschlossen, um die Großmärkte mit PV-Anlagen auszurüsten. Gerade wird der dritte Standort in Wiener Neustadt realisiert, zwei weitere in Simmering und in Klagenfurt sind bereits in Betrieb. Neun weitere Standorte sollen in den nächsten Jahren noch dazukommen – drei pro Jahr.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Das Unternehmen möchte seine Märkte mit Solarstrom versorgen. Da passt das Modell von Wien Energie sehr gut hinein. Wir bieten dem Kunden ein Susi-Sorglos-Paket an, bei dem er vom ersten Tag an eine Einsparung erfährt: Wir übernehmen die Projektentwicklung, Realisierung, die Betriebsführung und auch den Abbau nach Außerdienststellen der Anlage. Bei Metro ist der Strombedarf vor allem für die Kühlanlagen groß. Daher wird der Strom vorwiegend vor Ort verbraucht, ein geringer Teil wird dann ins Netz eingespeist.

Ein weiteres Wien Energie-Projekt ist die Agrar-PV. Was ist das?

Bei dem Projekt geht es um die Doppelnutzung von landwirtschaftlichen Flächen. Also darum, dass Agrarflächen, die mit PV-Analgen versehen sind, weiterhin für die Landwirtschaft genutzt werden. Begonnen hat das Projekt vor zwei Jahren im Zuge unserer hausinternen Innovations-Challenge, bei der wir das Thema eingereicht haben. Im Herbst 2019 haben wir auch schon eine Pilotanlage in Guntramsdorf in Betrieb genommen. Dort steht nun eine Versuchsanlage mit vertikal – gleich einem Raumteiler – aufgestellten bifazialen Modulen, die ca. 24 Megawattstunden produziert. Die Module produzieren beidseitig Strom und sind in der Nord-Süd-Achse ausgerichtet, damit sowohl die Vormittags- als auch die Nachmittagssonne optimal genutzt werden und gleichzeitig zwischen den Reihen landwirtschaftliche Fahrzeuge den Boden bearbeiten können.

Die Agrar-PV-Anlage - Fotocredit: Wien Energie
Die Agrar-PV-Anlage – Fotocredit: Wien Energie

Was ist der Hintergrund des Agrar-PV-Projekts?

Österreich hat ein sehr ambitioniertes Ziel: Bis 2030 sollen lt. Regierungsprogramm 27 TWh aus erneuerbaren Strom produziert werden. Davon sollen 11 TWh aus Photovoltaikstrom stammen. Um dieses Ziel zu erreichen, können wir alle Dächer mit PV-Modulen belegen und erreichen nicht einmal die Hälfte des Ziels. Darum ist es notwendig auch Freiflächen mit PV-Anlagen zu nutzen. Die Botschaft die die Agar-PV vermittelt ist: PV-Anlagen versiegeln keine Flächen und Freiflächen profitieren durch Photovoltaik. 

Wie wird dieser Flächenkonflikt denn gelöst?

Dieser Konflikt besteht in Wahrheit nicht. Dass Flächen, auf denen PV-Anlagen stehen, veröden oder gar versiegelt werden, ist ein Vorurteil. Vielmehr entsteht ein Mehrwert. Baut man PV-Anlagen auf Brachflächen, steigt dort die Biodiversität. Es siedeln sich zusehends Insekten, Heuschrecken und sogar Vögel an. Davon profitiert der Landwirt zum Beispiel auf angrenzenden Ackerflächen. Möchte man die Wiesen als Futtermittel nutzen, können Schafe die Mahd übernehmen. Möchte man intensive Landwirtschaft betreiben werden die Reihen so angeordnet, dass entweder unter oder neben den Modulen der Boden bewirtschaftet werden kann.

Welche Vorteile hat die Agrar-PV noch?

Die PV übernimmt u.a. die Funktion eines Windschutzgürtels. Sie schützt Böden vor Austrocknen und Erosion, und gewinnt bei fortschreitendem Klimawandel besonderes an Relevanz. Je nach Doppelnutzung herrscht unter der PV-Anlage das blühende Leben!

Wien Energie ist österreichweit der größte Solarbetreiber. Was bedeutet das konkret?

Unser PV-Portfolio das wir in den letzten Jahren errichtet haben, haben wir im Jahr 2019 verdoppelt. Im Jahr 2020 werden wir den Ausbau wiederum annähernd verdoppeln. Diese Ausbaukurve soll fortgesetzt werden, bis wir im Jahr 2030 600 Megawatt erreichen. Wir haben einen entscheidenden Bonus: Als Österreichs größer Energieanbieter gestalten wir die Transformation des Energiemarktes mit und setzt uns darüber hinaus dafür ein, dass Wien weiterhin zu den lebenswertesten Städten gehört.

Die PV-Anlage am Haus des Meeres - Fotocredit: Wien Energie
Die PV-Anlage am Haus des Meeres – Fotocredit: Wien Energie

Welche Projekte sind in naher Zukunft geplant?

Es gibt eine ganze Reihe von großen, schönen Projekten, die wir sukzessive eröffnen und in Absprache mit den Vertragspartnern bekanntgeben werden. Im Moment kann ich leider nicht über ungelegte Eier reden. Wir arbeiten jedenfalls mit Partnern zusammen, die sehr an Nachhaltigkeit und am Öko-Aspekt interessiert sind.

Für die Umsetzung dieser Projekte ist ja auch innovative Technik im Einsatz. Welche?

Ein Beispiel ist die Anlage, die Wien Energie vor kurzem am Haus des Meeres installiert hat. Dort sind bifaziale Module im Einsatz. Diese haben den Mehrwert, dass sie auch das Licht verwerten können, das über der Rückseite aufgenommen wird. In diesem speziellen Fall soll durch die nach oben reflektierende Umgebung ,wie z.B. der Terrasse, einen Mehrertrag von 10 Prozent bringen. Nach einem Jahr Betrieb werden wir sagen können, ob dieser auch tatsächlich erreicht wird. Am Haus des Meeres bringen diese Module zusätzlich einen ästhetischen Vorteil mit sich. Sie sind semi-transparent und man kann sie daher von der Unterseite bewundern, wenn man seinen Kaffee bald wieder auf der Dachterrasse im Café Sharky bei traumhafter Aussicht genießt. Der Vorteil von bifazialen Elementen ist generell, dass sie vielseitig einsetzbar sind. Auf einer Wiese etwa bringt die Blühphase von weißen Blumen viel mehr Reflexionen, die dann in Strom umgesetzt werden kann.

Welchen Stellenwert hat Innovation bei Wien Energie?

Wien Energie ist generell sehr visionär und richtungsweisend unterwegs. Wir haben uns vom Energieversorger zum Energiedienstleister entwickelt. Regelmäßig werden Innovation-Challenges abgehalten. Mitarbeiter, Start-Ups und Innovation-Hubs werden eingeladen daran teilzunehmen. Ausgewählte Ideen und Projekte mit Potential werden unterstützt und bekommen eine Bühne. Daraus entstanden schon eine Reihe an tollen Projekten, Produkten und Beteiligungen. Insofern ist Wien Energie nicht nur am Puls der Zeit, sondern treibt ihn aktiv in die Höhe.

Quelle: Energieleben Redaktion

Foto: Wien Energie


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