Österreich ist ein Exportland. Das ist in der Tat nichts Neues, gilt aber umso mehr für die heimische Umweltwirtschaftsbranche. An die 70 Prozent Exportquote wurden im Jahr 2008 verzeichnet. Einzelne…

Österreich ist ein Exportland. Das ist in der Tat nichts Neues, gilt aber umso mehr für die heimische Umweltwirtschaftsbranche. An die 70 Prozent Exportquote wurden im Jahr 2008 verzeichnet. Einzelne Unternehmen in spezifischen Technologiebereichen, so z.B. in der Photovoltaikbranche, weisen einen Anteil von über 90 Prozent auf. Wie bereits in mehreren Artikeln angeklungen, zeigen die globalen Cleantech Wachstumsprognosen aufwärts. Dennoch gilt es für heimische Betriebe sich nicht vorbehaltslos auf die Zukunftsmärkte zu stürzen, sondern eine Vielzahl von Sicherheitsaspekten (Patente, IPR – Schutz geistigen Eigentums, etc.) zu reflektieren.

Die heimische Umwelt- und Energietechnologiebranche besticht durch ihr umfassendes Produkt- und Serviceportfolio. In einzelnen Marktsegmenten zählen österreichische Unternehmen zu Weltmarktführern. Entsprechend hoch sind die Aufwendungen für F&E und Investitionen zur Steigerung des Innovationspotenzials. Wie diverse Untersuchungen zeigen, liegen die Cleantech-Märkte mit Zukunftspotenzial unteranderem in Süd-Ost Asien, China, Russland und Indien den sogenannten BRIC Staaten. Laut UNO-Welthandelsdaten ist der Anteil der Exporte von Umwelttechnologien in diese Region dreimal so hoch wie der Anteil der Warenexporte insgesamt. Positive Aussichten für die heimischen Cleantech Innovatoren also.

Wie Experten betonen und auch Gespräche mit Wirtschaftstreibenden zeigen, ist es bei all den Verheißungen auch wichtig die Konsequenzen eines Markteintritts mit zu reflektieren. Wie facheinschlägige Veranstaltungen zeigen, stehen Umwelttechnologien und Erneuerbare Energie im Interesse von Wirtschaftsspionageaktivitäten. Deshalb ist die Sensibilisierung in diesem Wirtschaftssegment von besonderer Relevanz, entpuppen sich denn so manche Geschäftskontakte als plumpe Versuche des Abkupferns oder Übervorteilens.

Vorweg gilt es eine Gefährdungsanalyse zu erstellen, die unter Einbeziehung von Profis im Exportgeschäft passieren sollte. An Expertise mangelt es in Österreich nicht. Angefangen bei den Vertretern des Wirtschafts- und Finanzministeriums, der WKÖ und ihrer Außenwirtschaftsorganisation, der ICC Austria – der internationalen Handelskammer in Österreich, einer Vielzahl auf Fragen des internationalen Handelsrechts spezialisierten Kanzleien etc.. Die Gefährdungsanalyse soll die Betriebe erstens grundlegend sensibilisieren und zweitens, die triviale Feststellung zutage fördern, dass das Exportgeschäft durchwegs lukrativ sein, ebenso aber zum Schaden eines Unternehmens gereichen kann.

Auch Fragen des Outsourcings sollte man entsprechend mit reflektieren. Denn Produkte und Dienstleistungen nicht im ureigensten Wirkungsbereich eines Unternehmens zu fertigen oder anzubieten, bedeutet, dass betriebsinternes Wissen zumindest ansatzweise weitergegeben und kommuniziert werden muss. Der Abfluss von Know-how kann hierbei nicht ausgeschlossen werden.

Ein Schritt um auch die Mitarbeiter eines Unternehmens auf die Gefahren von Informationsabfluss und der Verletzung von IPRs aufmerksam zu machen kann dadurch begegnet werden, den Informationsschutz in der Unternehmensphilosophie zu verankern, Sicherheitsverantwortliche zu installieren und Mitarbeiter an Sicherheitskonzepten zu beteiligen. Auch das Führen von Sicherheitsgespräche z.B. regelmäßigen Mitarbeitergesprächen nach Auslandsreisen oder nach sensiblen Kontakten kann helfen den Exporterfolg auf Schiene zu bringen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung leistet hier ebenso Aufklärungsarbeit, wie das Expertenwissen der österreichischen Vertretungen im Ausland und unserer Handelsdelegierten.

Neben Spionageaktivitäten gibt es eine weitere Reihe von marktschädigenden Praktiken. Nach Schätzungen der ICC und der Weltzollorganisation machen Produktfälschungen bis zu 7 % des weltweiten Warenhandels aus – dies bedeutet über $ 600 Mrd. Umsatzeinbußen für die Produzenten. Eine unglaubliche Summe, betrachtet man das derzeitige Marktvolumen im Cleantech Bereich, das bei rund 1,4 Billionen EUR liegt.

Dem Erfolg österreichischer Betriebe im Ausland soll dennoch nichts im Wege stehen, oft reicht die Sensibilisierung zur gesteigerten Aufmerksamkeit. Die erfolgreiche Gestaltung von Vertrags- und Geschäftsbeziehungen im Ausland wird uns daher auch für den Cleantech Bereich weiterhin begleiten und die Erfolgsstory von Umweltwirtschaft made in Austria prolongieren.

Text:
Florian Beer, 2010

Bild:
Quelle: © Oliver Haja / PIXELIO, www.pixelio.de

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