Australien hat 2025 eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt: Die Großhandelspreise für Strom sind auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen. Während viele Regionen weltweit mit steigenden Energiekosten konfrontiert waren, zeigt…

Australien hat 2025 eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt: Die Großhandelspreise für Strom sind auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen. Während viele Regionen weltweit mit steigenden Energiekosten konfrontiert waren, zeigt sich in Australien ein gegenteiliger Trend. Der Grund: ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien und Batteriespeicher.

Ein Energiesystem im schnellen Wandel

Australien hat sein Stromsystem in den vergangenen Jahren grundlegend umgebaut. Laut Daten des Thinktanks Ember hat sich die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen seit 2019 mehr als verdoppelt.

Parallel dazu ist die fossile Stromproduktion seit 2019 um 21 % zurückgegangen. 2025 erreichte das Land einen wichtigen Meilenstein: Erstmals stammte mehr Strom aus erneuerbaren Quellen als aus fossilen.

Damit zählt Australien zu den Ländern mit der schnellsten Transformation im Stromsektor weltweit.

Sinkende Großhandelspreise in allen großen Bundesstaaten

Die starke Zunahme von Solar- und Windkraft sowie der Ausbau von Batteriespeichern haben die Preisentwicklung spürbar beeinflusst. 2025 sanken die Großhandelspreise in den vier größten Strommärkten Australiens im Durchschnitt um 11 % gegenüber dem Vorjahr.

Einige Beispiele:

  • Queensland: –15 %
  • New South Wales: –13 %
  • Victoria: rund 75 $/MWh
  • South Australia: rund 89 $/MWh

Im nationalen Durchschnitt lagen die Preise 2025 bei unter 92 $/MWh – der niedrigste Wert seit 2021.

Warum die Preise fallen

Mehr Solarstrom zur Mittagszeit und wachsende Speicherkapazitäten sorgen dafür, dass teurere fossile Kraftwerke seltener eingesetzt werden müssen. Batteriespeicher können Überschüsse aufnehmen und später wieder abgeben, was Preisspitzen dämpft und die Netzstabilität verbessert.

Für Energieversorger bedeutet das: geringere Betriebskosten. Diese könnten – mit zeitlicher Verzögerung – auch bei Haushalten und Unternehmen ankommen.

Noch kein direkter Effekt auf Haushaltsrechnungen

Wie in vielen Ländern dauert es, bis sinkende Großhandelspreise in den Endkundentarifen sichtbar werden. Australien bildet hier keine Ausnahme: Trotz der Preisrückgänge im Großhandel haben Haushalte 2025 noch keine deutliche Entlastung gespürt.

Mit weiterem Ausbau von Solar- und Speicherkapazitäten könnte sich das jedoch ändern.

Internationale Einordnung: Österreich und Deutschland im Vergleich

Ein Blick auf die Großhandelspreise zeigt, wie sich Australien im internationalen Umfeld positioniert.

Australien (2025)

  • 92 $/MWh (≈ 85 €/MWh)

Deutschland (2025)

  • ca. 88 €/MWh

Österreich (2025)

Damit liegt Australien inzwischen auf einem ähnlichen Preisniveau wie zentraleuropäische Märkte, obwohl das Land gleichzeitig einen der weltweit schnellsten Umstiege auf erneuerbare Energien vollzieht.

Warum diese Entwicklung international Beachtung findet

Australien gilt seit Jahren als eines der Länder mit der höchsten Solarverbreitung – sowohl auf Dächern als auch in großen Solarparks. Die aktuellen Preisentwicklungen werden daher weltweit genau beobachtet. Sie zeigen:

  • Ein hoher Anteil erneuerbarer Energie kann Strompreise senken, wenn Netze und Speicher mitwachsen.
  • Batteriespeicher werden zum zentralen Baustein moderner Energiesysteme.
  • Schnelle Systemtransformationen müssen nicht zwangsläufig zu dauerhaft höheren Kosten führen.

Für Wien Energie und andere europäische Versorger ist Australien ein spannender Referenzfall: Der dortige Ausbau von Photovoltaik und Speichern zeigt, wie sich erneuerbare Energien auf Preisstrukturen auswirken können – und welche Rolle Infrastruktur, Marktmechanismen und Flexibilität dabei spielen.


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