Es begann mit dem Öl, mit einer Vereinbarung, die dem Autofabrikanten Henry Ford von John D. Rockefeller aufgezwungen wurde, die neuen Motoren für das Ford T-Modell mit Benzin zu betreiben,…

Es begann mit dem Öl, mit einer Vereinbarung, die dem Autofabrikanten Henry Ford von John D. Rockefeller aufgezwungen wurde, die neuen Motoren für das Ford T-Modell mit Benzin zu betreiben, anstatt mit Ethanol.

Das Ölzeitalter, die letzte industrielle Revolution, begann mit einer Machtdemonstration der Banken. Mit Gewalt wurde durchgesetzt, dass der Absatz für den neuen Energierohstoff Erdöl für alle Zeiten gesichert wird. Da in der Familie Rockefeller das Ölmonopol und wichtige Banken versammelt waren, konnte dafür gesorgt werden, dass die einsetzende Entwicklung in ihrem ureigenen Interesse verlief. Öl wurde nun zuerst als der universelle Treibstoff, sodann zur weiteren Energiegewinnung und zuletzt auch noch als Grundstoff in der chemischen Industrie scheinbar unersetzlich.

Die Entwicklung des Verkehrs wurde nun zu Gunsten des Individualverkehrs gesteuert. Der öffentliche Nahverkehr, in seinen Anfängen noch auf Basis von Kohle im Schienenverkehr, und mit Elektroantrieb im Straßenverkehr wurde immer mehr vernachlässigt und dort,  wo möglich auch auf den Einsatz von Öl umgestellt.

Die Industrialisierung beendet die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung

Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde um 1795 für die Forstwirtschaft geprägt, wo er im Grunde schon seit dem 16. Jahrhundert angewendet wurde. Es dürfe nur soviel Holz eingeschlagen werden, wie auch wieder nachwachse, sodass der Waldbestand nachhaltig „erhalten“ bleibe.

Bei der Nutzung von Kohle in jeder Form wurde dieses Gesetz bereits ignoriert, wie dann auch anschließend bei der Nutzung der anderen fossilen Rohstoffe. Mit den immer größer werdenden Industriebetrieben entstanden Öl fressende Dinosaurier, die die weitere Entwicklung der Zivilisation im negativen Sinne nachhaltig bestimmten.

Parallel dazu entwickelte sich die individuelle Motorisierung zu einem der wichtigsten Industriezweige, gefolgt von einer Versiegelung der Landschaft in nie dagewesener Form. Die Macht der Konzerne und der Banken, die den Handel und den Verbrauch mit dem neuen Rohstoff bestimmten wurde so groß, dass sie somit auch die Politik entscheidend beeinflussen konnten.

Der Kunde ist nicht mehr der König, der Bürger nicht mehr das Volk

Dieser neue Feudalismus hat den eigentlichen Nutznießer all dieser Entwicklungen, den Menschen zum Konsumenten auf der einen und Humankapital auf der anderen Seite degradiert. Werbung und Politik „massierten“ dem Volk ein, das diese Entwicklung nur zu seinem Wohle, für eine bessere, saubere, lebenswerte Zukunft sei, in deren Mittelpunkt nur das Wohl der Verbraucher stehen werde.

Bereits zum Anfang des gewaltigen Sprungs der Industrialisierung nach dem zweiten Weltkrieg entlarvte der kanadische Philosoph Marshall McLuhan diese Seelenmassage in seinem 1967 erschienen Buch „das Medium ist (die) Massage“ (the Medium ist the Message). Der Gipfel dieser Entwicklung ist, dass alsbald in den Industriestaaten ein „Verbraucherschutz“ eingerichtet werden musste. Der Kunde muss also geschützt werden vor den Produkten, die eigentlich zu seinem Wohlergehen beitragen sollten. Allein dieser Umstand entlarvt das System vollständig.

Nachhaltiger Verbraucherschutz ist die Abschaffung der Großindustrie

Das Problem um die Jahrhundertwende 2000 war, dass das globale System der multinationalen Konzerne und der zugehörigen Banken bereits so verwoben ist, dass ihr Sturz ganze Staaten mit in den Ruin getrieben hat. Der Staat, also der Bürger, erscheint hilflos, muss mit Steuermitteln, also mit seinem Geld, dafür sorgen, dass die ihn so schädigenden Banken und Konzerne am Leben bleiben. Globale Banken- und Wirtschaftskrisen wechseln sich nun ab, wobei die Macht und der phantastische Gewinn der Großen und Mächtigen zunehmend wächst, während die Not und die Last der Bevölkerung immer größer wird. Vor diesen Schäden hat auch kein Verbraucherschutzministerium schützen können, und wollen?

Schon in dem ausgehenden neunzehnten Jahrhundert hatte der amerikanische Staat versucht mit verschiedenen „Anti-Trust-Acts“  eine derartige Monopolstellung einzelner Konzerne zu verhindern. In der heutigen UN-Vollversammlung sitzen mehr Vertreter der Nicht-Industriestaaten, als Vertreter der USA und Europas. Auch mächtige Regierungen, wie die der USA und der Europäischen Union könnten dem Treiben ein Ende bereiten, und Banken und die Multis einfach verstaatlichen. Der erste Schritt zu einer menschlichen und nachhaltigen globalen Entwicklung wäre damit getan.

Die 4. Revolution beginnt im Energiesektor, wie vor gut einhundert Jahren die Letzte

Ein besonders eindrücklicher Film des Dokumentarfilmers Carl A. Fechner beschreibt den Weg zu einer globalen Lösung. Der Film: „Die 4. Revolution“ lief immer wieder in den deutschen Programmkinos, der ARD und wird in Schulen gezeigt. Darin erklärt zum Beispiel der leider in 2010 verstorbene Träger des alternativen Nobelpreises Hermann Scheer (1944-2010) dass allein ein Anteil nachhaltig –  also aus regional genutzten regenerativen Quellen –  erzeugter Energie von 40% am Gesamtverbrauch die Energiekonzerne ruinieren wird.

Diese müssen in Zukunft, da sie längst an so gut wie allen Stadtwerken und alternativen Projekten beteiligt sind, lediglich die Aktien ihrer Anleger verwalten. Als Produzenten von und Händler mit Energie sind sie aus dem Wettbewerb geworfen. Ob sie die Chance bekommen, im Spiel zu bleiben und ihre Monopolstellung zu behalten, wird in diesen Tagen in Europa und den USA entschieden, wo die Regierungen unter dem Eindruck des Super Gaus der Atomkraft in Fukushima neue Energiekonzepte für die Zukunft diskutieren und entsprechende Gesetze verabschieden werden.

Offshore Windkraft und Desertec in der Sahara zementieren den Status Quo

Eine nachhaltig wirtschaftende Zivilisation kennt keine Großkonzerne, und keine Großindustrie die nur überleben kann, wenn der Ausstoß an Produkten unvernünftige Dimensionen hat und wenn der Mensch, der Kunde nicht im Zentrum des Interesse steht, sondern der Verbraucher. Ein Verbraucher, der also ein Produkt nicht sinnvoll nutzt, sondern es verbraucht, handelt nicht nachhaltig. Eine nachhaltige Industrie wirtschaftet nach dem Prinzip des Wiederbenutzens, in den Kreislauf zurückführend, nicht des Verbrauchens. Kleine und mittlere Betriebe werden über das ganze Land verteilt den Bedarf mit Produkten decken, die immer wieder repariert, deren Grundmaterial immer wieder neu eingesetzt werden kann.

Damit ist es nicht erforderlich, an Standorte von immensen Stromfressern Energie in Mengen zu transportieren. Der Bedarf an Energie kann im Rahmen vorhandener regionaler Netze vollständig gedeckt werden. Die letzte industrielle Revolution wird die Großindustrie abschaffen und damit den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung frei machen. Am Ende ist wieder der Mensch, der Kunde der König, der selbst bestimmt, was er braucht.

Das Problem der Energienutzung im Verkehr löst sich parallel von selbst

Die Auflösung gigantischer Industriezentren bringt den Sog der globalen Megazentren zum Erliegen. Der Bedarf an Arbeitsplätzen, die Arbeit wird wieder in der Fläche verteilt, Menschen können wieder dort wohnen, wo Arbeit zu finden ist. Der größte Teil des Verkehrs betrifft den Weg aus der Fläche in die Megazentren und den Transport von Gütern zwischen den Produktionsstätten und den Großstädten. Dieser Verkehr kann durch das neue nachhaltige Wirtschaftssystem auf ein Minimum reduziert werden. Das Energieproblem in diesem Sektor, wie auch die Frage nach neuen Antrieben für PKW und LKW reduziert sich ebenfalls.

Eine ganze Branche muss also völlig umdenken, ein Rückbau der Infrastruktur  gibt immense sinnvoll nutzbare Flächen frei. Herrmann Scheer, einer der Vordenker dieser für den Fortbestand der Menschheit auf diesem Planeten überlebenswichtigen Entwicklung wird es nicht mehr erleben, aber die letzte industrielle Revolution hat begonnen.

Comments are closed.