Sonne Tanken - © Barbara Eckholdt / pixelio.de
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Wer sind die »Early Adopters« bei Elektrofahrzeugen? Wer kauft zuerst und welche Überlegungen liegen dieser Kaufentscheidung zugrunde? Das Fraunhofer-Institut hat im Rahmen einer umfassenden Studie versucht, das Kaufpotential für Elektrofahrzeuge in Deutschland zu bestimmen.

Das Elektroauto ist seit heuer endgültig am Markt angekommen. Die Angebote reichen vom Stadtfahrzeug bis zur ausgewachsenen Limousine. Um die von der Politik gesetzten Ziele im Bereich der Marktdurchdringung von Elektroautos zu erreichen, fehlt es aber noch an einer klar umgrenzten Zielgruppe, welche die Autos aus den Schauräumen auf die Straße bringt.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat sich in einer unlängst veröffentlichten Studie (Volltext) der Frage angenommen und scheints wenig erstaunliches festgestellt: Die potentielle Erstkäuferschicht sind gut ausgebildete Männer zwischen 40 und 50, mit überdurchschnittlich gutem Verdienst und hoher Technikaffinität. Interessanter ist da, dass sie eher auf dem Land oder in einer Vorstadt leben, in Mehrpersonenhaushalten mit Kindern. Städter scheinen im Rahmen der Studie als Zielgruppe weniger von Bedeutung, als dies das Marketing der Autohersteller in letzter Zeit suggeriert hat; Städter haben längst ihre enge Bindung zum Auto verloren  und die wirtschaftlichen Vorteile des Elektroautos greifen vollends erst bei hohen Laufleistungen.

Wirtschaftliche Vorteile durch reduzierte Betriebskosten spielen konsequenterweise bei der Kaufentscheidung für Elektroautos auch nur eine geringe Bedeutung. Sie werden im Augenblick noch nicht als wirtschaftlich wahrgenommen; Die Anschaffungskosten werden durchwegs als zu hoch angesehen. Als Kaufanreiz wirksame Alleinstellungsmerkmale des Elektroautos gelten unter den Befragten eher die positive Umweltwirkung, wie auch das gute Beschleunigungsverhalten von Elektroautos. Die heutigen Mehrkosten des Elektroautos liegen mehrheitlich aber noch über dem von Early Adopters als akzeptabel wahrgenommenen Aufpreis.

Neben der beschriebenen Erstkäuferschicht wurden als weitere mögliche Käufergruppen ausgemacht: ältere, berufstätige Männer über 50 mit hoher Technikaffinität, sowie gutsituierte Personen im Ruhestand.

Generell gilt: je „normaler“ Elektroautos werden, umso bedeutungsloser wird das Technikinteresse als mögliches Kaufmotiv und umso stärker wird die Gewichtung des Umweltaspektes im Betrieb von Elektroautos.

Wie sieht der aktuelle Besitzstand von Elektroautos in Österreich aus?

Neben den im April 2012 zugelassenen 1155 batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen stellt die überwiegende Zahl an Autos mit alternativem Antrieb der Benzin-Hybrid, der die Liste anführt mit 6510 Zulassungen vor Erdgas-Fahrzeugen mit 1629 Zulassungen. Die erstmals für 2011 ausgewiesenen Diesel-Hybrid-Autos spielen im Moment noch eine Nebenrolle, mit 96 zugelassenen Fahrzeugen. Alle Zahlen nehmen sich aber im Verhältnis zur Gesamtzahl der Benzin und Diesel-betriebenen Fahrzeuge von 3.999.446 äußerst gering aus. (Daten: Statistik Austria)

* Sonstiges: Flüssiggas, Erdgas, bivalenter Betrieb und kombinierter Betrieb (Hybrid). Getrennte Ausweisung erfolgt ab 2010.

2 Kommentare

  1. Antwort: Natürlich kaufen Frauen Autos. Und natürlich wollen Frauen Energie sparen. Aber statistisch gesehen sind in dieser Studie Frauen in der Gruppe der Early Adopters unterrepräsentiert; jene Gruppe, die als allererste neue Technologien kaufen und einsetzen – wie eben Elektroautos. Statistisch gesehen sind Frauen daher in Bezug auf den Neukauf von Elektroautos weniger risikofreudig als Männer.

    In Bezug auf das Umweltbewusstsein sagt die Studie: „Zudem ist nach den Hinweisen verschiedener Studien damit zu rechnen, dass die Umweltorientierung in der deutschen Bevölkerung weiter zunehmen wird (siehe z. B. BMU 2010). Zunehmend dürften deshalb auch Frauen, die tendenziell eine höhere Umweltorientierung (siehe BMU 2010), aber ein geringeres Technikinteresse als Männer aufweisen (vgl. de Haan & Peters, 2005; Knie et al., 1999), zu den Elektroautokäufern gehören.“

    Daher: Hat am Anfang das Interesse an neuen Technologien Vorrang beim Erwerb von Elektroautos, wird dieses Interesse als Haupterwerbsgrund zunehmend vom Umweltbewusstsein abgelöst werden. Und damit wird sich das Geschlechterverhältnis schnell wieder der statistischen Normalität annähern.

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