Stahl ist das Rückgrat unserer modernen Welt, doch seine Herstellung ist einer der größten Klimasünder.

In Indien zeigt nun eine Kooperation zwischen dem Stahlindustrie-Riesen Tata Steel und dem deutschen Start-up Kraftblock, dass die Lösung für saubereren Stahl in der Speicherung von extremer Hitze liegen könnte.

Die Zahlen sind gewaltig: Rund sieben bis neun Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto der Stahlindustrie. Während die Branche langfristig auf grünen Wasserstoff hofft, braucht es für die riesigen Bestandsanlagen sofortige Lösungen. Ein Pilotprojekt im indischen Jamshedpur zeigt nun, wie das funktionieren kann: mit einer Wärmebatterie, die „Abfall“ in wertvolle Energie verwandelt.

Das Prinzip: Hitze „einfangen“ statt verschwenden

Das Herzstück des Projekts ist ein thermisches Speichersystem des saarländischen Unternehmens Kraftblock. In der Sinteranlage von Tata Steel – dort, wo Eisenerz für den Hochofen vorbereitet wird – entstehen enorme Mengen an Abwärme. Normalerweise verpufft diese ungenutzt in der Atmosphäre.

Die Technologie von Kraftblock funktioniert wie ein gigantischer, hochbelastbarer Akku für Wärme:

  1. Laden: Heiße Luft aus dem Kühlprozess des Sinters (bis zu 500 Grad Celsius) wird durch den Speicher geleitet.
  2. Speichern: Ein spezielles, granulatartiges Material im Inneren des Speichers nimmt die Hitze auf. Das Besondere: Dieses Material besteht selbst zu einem Großteil aus Recyclingstoffen wie Schlacke.
  3. Entladen: Bei Bedarf wird die gespeicherte Energie genutzt, um Wasser für andere Prozesse im Werk zu erhitzen.

Beeindruckende Bilanz im Praxistest

Seit Mai 2025 läuft das System im Testbetrieb, und die ersten Ergebnisse übertreffen laut Kraftblock-CEO Martin Schichtel die Erwartungen. Das 20-Megawattstunden-System soll pro Jahr rund 22.000 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß von über 5.000 benzinbetriebenen Autos. Zudem ersetzt die Batterie jährlich etwa 110 Gigawattstunden fossiles Erdgas.

Warum das gerade jetzt so wichtig ist

Der Druck auf Stahlproduzenten wächst weltweit. Indien plant die Einführung eines eigenen Emissionshandels, und die EU erhebt mit dem Grenzausgleichssystem (CBAM) künftig Abgaben auf CO2-intensive Importe. Solche Technologien sind daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern sichern die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.

„Nicht jedes Stahlwerk wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett auf Wasserstoff umstellen können“, erklärt Martin Schichtel gegenüber Canary Media. „Jeder Schritt zur Effizienzsteigerung bei bestehenden Systemen ist daher extrem wertvoll.“

Ein Signal für die Schwerindustrie

Das Projekt in Jamshedpur ist ein „Leuchtturm“. Es beweist, dass Wärmespeicher im industriellen Maßstab funktionieren und wirtschaftlich ohne Subventionen betrieben werden können. Für die Dekarbonisierung der Industrie ist das ein entscheidender Baustein: Bevor wir mühsam neue grüne Energie erzeugen, sollten wir zuerst die Energie nutzen, die wir bereits haben und sie nicht einfach in den Himmel blasen.


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Bild: Kraftblock