»Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.« 1. Mose 2,15 Der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren ist…

»Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.«
1. Mose 2,15

Der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren ist eine der Kernaufgaben der christlichen Kirche

Der „Grüne Hahn“ ist eine Initiative der evangelischen Kirche Deutschlands, die sich zur Aufgabe macht, endlich nach 2.000 Jahren einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung auch für die Kirche einzuführen. Bisher hat die Kirche keinerlei Anstalten gezeigt, diese Aufgabe zu erfüllen, sondern sich genau wie alle „Ungläubigen“ skrupellos am Raubbau der Schöpfung beteiligt. Erst als andere, nichtkirchliche Organisationen, wie Greenpeace, die Grünen oder Attac immer mehr aufdeckten, wie sehr die Natur geschädigt, Menschen ausgebeutet werden und der Kirche die Mitglieder davonlaufen, besinnt sie sich ihrer Verantwortung. Bisher galt die völlig falsch verstandene Version des „dominum terrae“, die Auffassung, eine Herrschaft auszuüben, die keine Rechenschaft schuldet (Genesis 1,28: „Macht Euch die Erde untertan“).

Karl Marx hatte bereits Ende des vorletzten Jahrhunderts ein anderes Verständnis dieser Herrschaft über alle belebte und unbelebte Natur: „Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Nationen zusammengenommen sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, haben sie als boni patres familias (gute Familienväter) den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“ (MEW, Bd. 25, S. 784)

Glaubwürdig, Nachhaltig, Wirtschaftlich, neue Maximen der Kirche

Die Kirche verfügt in Deutschland über rund 110.000 Gebäude, davon etwa 5.000 Heime aller Art und 400 Krankenhäuser. Daneben gehören ihr 575.000 Hektar Ackerland und 150.000 Hektar Wald. Nach vorsichtigen Schätzungen, die die Planungsagentur/Energie des W.I.N. (Wirtschafts-Informations-Netzwerk für Nachhaltige Entwicklung – www.win-energy.eu) aufgestellt hat, sollten alle Restmassen des Ackerbaus auf den kircheneigenen Flächen, die Bioabfälle aller Einrichtungen und das Rest- und Pflegeholz der Wälder ausreichen, um alle Gebäude und Einrichtungen der Kirche zu beheizen und so viel Strom zu erzeugen, dass dieser entweder nach dem neuen EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) 2012 eingespeist oder eigenhändig verkauft der Kirche Einnahmen von mindestens 1,5 Mrd. Euro jährlich sichert. Dabei ist die Einsparung fossiler Energieträger zur Beheizung nicht eingerechnet. Stattdessen aber werden lieber neue Ölheizungen angeschafft – so geschehen zum Beispiel in 2010 in Trittau (bei Hamburg) – trotz ausführlicher und eingehender Beratung zu nachhaltigen und wirtschaftlicheren Alternativen.

Die Kirche könnte als Vorreiter – ein paar hundert Jahre zu spät – den nachhaltigen Weg der Schöpfungsbewahrung beschreiten und dabei noch sehr wirtschaftlich handeln. Bisher beschränkt sich die Arbeit allerdings darauf, die Probleme den Mitgliedern der Kirchenkreise und Gemeinden bewusst zu machen und gegebenenfalls selbst Handlungsratschläge zu erteilen. Das Potenzial, das die Kirche – also jede Gemeinde – hat, wird dabei in keiner Weise auch nur erwähnt, schon garnicht ausgenutzt..

Weitergabe des Feuers, statt Bewahrung der Asche

Der Papst beschwört auf seiner Deutschlandreise die ursprünglichen Werte des christlichen Glaubens, was in der heutigen Zeit sicher richtig ist. Doch vergisst er dabei selbst diese Werte, insbesondere das Bewusstsein, die Schöpfung bewahren zu müssen zu beherzigen. Gerade die katholische Kirche hat leider – besonders mit undurchsichtigen Geschäften der sogenannten Vatikanbank – eine unrühmliche Rolle gespielt. Statt also nur zu appellieren, zu ermahnen, sollte die Kirche, egal welcher Organisationsform, aktiv werden, anfangen nachhaltig zu wirtschaften. Zu sehr klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander, zu weit scheinen die „Stellvertreter Gottes auf Erden“ von ihrem Schöpfer entfernt. Das beschreibt leicht ironisch eine Geschichte, die unter amerikanischen Indianern gern erzählt wird:

Ein Medizinmann kommt zu einer Audienz beim Papst und erblickt auf dessen Schreibtisch ein reich verziertes weißes Telefon. „Das ist die direkte Verbindung zu Ihm“, erklärt der Papst. „Oh“, sagt der Medizinmann. „Darf ich mal…“. „Oh, bitte“, antwortet der Papst, „aber fasse dich kurz, es ist ja ein besonderes Ferngespräch“. Der Medizinmann verzichtet daraufhin lächelnd.

Bei dem Gegenbesuch im Reservat erblickt der Papst im Tipi des Medizinmannes auch ein weißes, allerdings recht schlichtes Telefon, mit starken Gebrauchsspuren. „Ist das etwa…“, wendet er sich an den Medizinmann. „Oh ja“, antwortet dieser. „Es ist. Du kannst auch ruhig anrufen, es ist ein Ortsgespräch“.

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