Opes Solar Mobility baut in Deutschland eine eigene Fabrik für robuste, leichte Solarmodule, die speziell für Nutzfahrzeuge entwickelt wurden.

Seit Jahren taucht die Idee immer wieder auf: Fahrzeuge mit Solarzellen auszustatten (Vehicle Integrated PV, VIPV), um Energie direkt während der Fahrt zu erzeugen. Doch wirklich durchgesetzt hat sich das Konzept bisher nicht. Zu teuer, zu wenig Leistung, zu empfindlich für den Alltag. Ein deutsches Unternehmen will das ändern und trifft damit genau den Nerv der Zeit.

Ein neuer Anlauf: Opes Solar Mobility baut eine Fabrik für Fahrzeug‑PV

In Zwenkau bei Leipzig ist eine neue Produktionsstätte entstanden, die zeigt, wie ernst das Thema inzwischen genommen wird. 12.000 Quadratmeter, 120 Arbeitsplätze, vollautomatisierte Fertigung – Opes Solar Mobility setzt auf industrielle Maßstäbe statt auf Nischenlösungen.

Das Ziel: Photovoltaikmodule, die speziell für Nutzfahrzeuge entwickelt wurden. Also für Transporter, Busse, LKW und Kühlauflieger – Fahrzeuge, die täglich viele Stunden unterwegs sind und einen hohen Energiebedarf haben.

Warum die Technologie jetzt funktioniert

Die Module von Opes unterscheiden sich deutlich von klassischen flexiblen Solarpanelen:

  • Matrix‑Design: Die Zellen sind wie Mauersteine angeordnet. Das macht das Modul weniger anfällig für Verschattung.
  • Kontaktierung ohne Lötbändchen: Statt Metallbändern kommt ein hochleitfähiger Spezialklebstoff zum Einsatz. Das reduziert Verluste und erhöht die Robustheit.
  • Bis zu 30 % mehr Leistung im Vergleich zu herkömmlichen flexiblen Modulen.
  • Vibrations‑ und schlagfest, waschstraßenfest und für große Temperaturunterschiede ausgelegt.

Damit wird fahrzeugintegrierte PV (VIPV) erstmals wirklich alltagstauglich und wirtschaftlich.

Wie viel Energie bringt das? Mehr als man denkt

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Transporter mit rund 800 Watt PV‑Leistung kann laut Messungen bis zu 9 % Kraftstoff sparen. Das liegt daran, dass Nebenverbraucher wie Kühlung, Klimaanlage oder Ladegeräte direkt mit Solarstrom versorgt werden.

Noch beeindruckender wird es bei LKW‑Aufliegern:
Bis zu 5 Kilowatt passen auf das Dach eines Trailers – das entspricht einer kleinen Einfamilienhausanlage.

Das Fraunhofer ISE sieht ein enormes Potenzial:
70 Gigawatt fahrzeugintegrierte PV in Europa wären langfristig möglich. Pro Fahrzeug könnten 10–15 % CO₂ eingespart werden.

Warum das gerade jetzt relevant ist

Mehrere Trends spielen VIPV in die Hände:

  • Steigende Energiepreise machen jede eingesparte Kilowattstunde wertvoll.
  • Strengere EU‑CO₂‑Vorgaben für Nutzfahrzeuge erhöhen den Druck auf Flottenbetreiber.
  • Elektrifizierung im Schwerlastverkehr schreitet voran, aber die Ladeinfrastruktur wächst langsamer.
  • Kühltransporte haben einen besonders hohen Energiebedarf.

Kurz gesagt: Jede zusätzliche Energiequelle zählt.

Wo VIPV heute schon sinnvoll ist

Die Technologie ist nicht als Ersatz für den Antrieb gedacht, sondern als Entlastung:

  • Kühlauflieger
  • Busse (Klimatisierung)
  • Paketlogistik
  • Reisemobile
  • LKW im Standbetrieb („Hoteling“)

Gerade im Standbetrieb kann Solarstrom Dieselgeneratoren ersetzen – ein großer Hebel für Kosten und Emissionen.

Wirtschaftlichkeit: Rechnet sich das?

Opes gibt an, dass sich die Module ab etwa drei Jahren amortisieren können – abhängig vom Einsatzprofil.
Für Flottenbetreiber ist das attraktiv, weil:

  • Kraftstoffkosten sinken
  • Batterien geschont werden
  • CO₂‑Ziele leichter erreicht werden
  • weniger Standzeiten durch leere Batterien entstehen

VIPV wird damit vom „Öko‑Gimmick“ zur betriebswirtschaftlichen Maßnahme.

Herausforderungen bleiben – aber sie sind lösbar

Natürlich gibt es offene Fragen:

  • Wie gut funktionieren die Module bei starker Verschattung?
  • Wie lassen sie sich in bestehende Flotten integrieren?
  • Welche Standards braucht es für Wartung und Reparatur?

Forschungsinstitute wie das Fraunhofer ISE arbeiten bereits an Testverfahren und Normen, um genau diese Punkte zu klären.

Ausblick: Kommt jetzt der Durchbruch?

Vieles spricht dafür. Die Technologie ist gereift, die Produktion wird günstiger, und der Druck zur Dekarbonisierung steigt. Wenn Fahrzeughersteller VIPV künftig direkt ab Werk integrieren, könnte daraus ein neuer Standard entstehen, ähnlich wie LED‑Beleuchtung oder Start‑Stopp‑Automatik.

Solarzellen auf Fahrzeugen waren lange ein Zukunftsversprechen. Jetzt könnten sie zu einem Baustein der klimafreundlichen Logistik werden.


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Bild: Opes Mobility