Menschen brauchen Wasser zum Leben, stammen aus dem Wasser und bestehen zum allergrößten Teil daraus. Seit etwa 10.000 Jahren siedeln wir am Wasser und sollten gelernt haben, mit ihm zu…

Menschen brauchen Wasser zum Leben, stammen aus dem Wasser und bestehen zum allergrößten Teil daraus. Seit etwa 10.000 Jahren siedeln wir am Wasser und sollten gelernt haben, mit ihm zu leben. Stattdessen haben wir unser Leben auch zu einem Kampf gegen das Wasser gemacht?

Seit der Sintflutlegende „trutzt der Mensch dem Blanken Hans“

Als die Menschen begannen, ihr nomadisches Leben langsam aufzugeben, ließen sie sich an Flüssen nieder und begannen in ersten Siedlungen Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Dieses geschah in den ersten – bisher bekannten – Siedlungsgebieten am Nil und im „Zweistromland“ zwischen Euphrat und Tigris offenbar in einem noch harmonischen Verhältnis mit dem Wasser. Dieses überschwemmte regelmäßig die Felder, was den Bauern durchaus willkommen war, weil diese jährlichen Fluten ihren Äckern wertvolle Sedimente brachten und erst für reiche Ernten sorgten. In allen bekannten Quellen aus der Anfangszeit der Siedlungsgeschichte wird ähnliches berichtet. Selbst im frühen Europa lebten die Menschen noch in einer relativ gut funktionierenden Symbiose mit der Umgebung, der so genannten Natur, deren Teil wir nun einmal sind. Dass diese sich nicht beherrschen lässt, ist den Menschen eigentlich seit Millionen Jahren bekannt.

Seit allerdings Menschen beginnen, Grund und Boden ihr Eigentum zu nennen und das in der Nähe der frühen Verkehrswege, der „Leben spendenden“ Gewässer, wird der wechselnde Wasserstand zu einem Problem. Auch die bis zum Ende des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung noch halbnomadischen Germanen begannen nach der Christianisierung feste Siedlungen zu errichten, weil ihre – nunmehr von der Kirche inthronisierten – Landesherren ihre zugewiesenen Gebiete bewirtschaftet haben wollten. Sümpfe wurden trocken gelegt, Flussläufe begradigt, Deiche errichtet, alles Land zu einer Wirtschaftszone erklärt. Nun war der Fluss, war das Meer, das Lebenselixier Wasser zum Feind geworden.

Die Flut wird zum Kostenfaktor der Wirtschaft

Der Kampf gegen die Fluten, ob an den Flüssen oder am Meeresstrand ist seit fast 1.000 Jahren verloren. Trotzdem wollen Menschen diese Niederlage nicht einsehen, siedeln weiter am Strand und an Flussufern. Das alljährliche Hochwasser der Flüsse wird umso mehr als „Katastrophe“ wahrgenommen, je größer der materielle Schaden ist. Bereits im Juli 1342 bewies das „Magdalenenhochwasser“ in ganz Mitteleuropa, genau wie im Jahre 2002 und nun in 2013, bei gleicher Wetterlage, dass es wenig Sinn hat, „zu nah am Wasser zu bauen“.

Damals kamen noch über 6.000 Menschen in den Fluten ums Leben. Ähnlich verhielt es sich im Januar 1362 an der deutschen Nordseeküste, als die „Zweite Marcellusflut“ weite Ufergebiete, einschließlich des  sagenhaften Marktflecken Rungholt verschlang. Seitdem „trutzt der Friese dem Blanken Hans“.

Die Wasserstände der damaligen Überflutungen waren allerdings noch weit unter denen der heutigen Fluten. Noch konnten sich die Flüsse in weite Flussauen und Polder ausbreiten. Je mehr dann aber die Flüsse und Küsten eingedeicht wurden, desto höher stieg Jahr um Jahr der Flutpegel und damit oft der Schaden in den Siedlungen. Die Flüsse lassen sich nun einmal nicht vorschreiben wo und in welchem Maße sie Wasser führen wollen.

Wer zwingt Menschen „zu nah am Wasser zu bauen“?

Dass Menschen ihre Häuser so dicht wie möglich an Ufern errichten, widerspricht jeder Erfahrung und zeugt von fehlender Intelligenz. Dass diese Menschen dort sogar ausharren, nachdem ihnen der Fluss regelmäßig ihr Hab und Gut raubt, grenzt an Masochismus. Die Realität, die eigene Erfahrung wird bewusst ignoriert und die – sicher bedauernswerten – Geschädigten werden dann auch noch von den „nicht geschädigten“ im trockenen Hinterland nach Kräften unterstützt. Besonders skurril wirken noch Weigerungen von Landwirten, ihre Wiesen oder Felder als Überflutungsflächen „zu opfern“, wo doch dieser Flutschaden gegenüber den allgemeinen Schäden absolut marginal ist.

Das irrationale Verhalten der Menschen ist jedoch letztlich ein weiterer Beweis dafür, dass sie mit ihrem eigenen „Lebenssystem“, das ein Wirtschaftssystem ist, völlig überfordert sind. Sie wissen seit mindestens 4 Milliarden Jahren verlässlich, dass sie nur „überleben“ können, wenn sie ein absolut harmonisches Verhältnis mit ihrer jeweiligen Umgebung herstellen. Alle anderen Kräfte auf diesem Planeten, ob Mikroben, Wetter oder eben das Wasser sind stärker als der homo sapiens. Dieser kann zudem nur in einer funktionierenden sozialen Gemeinschaft überleben.

All dieses Grundwissen eines jeden Organismus blendet der Mensch in den „zivilisierten Hochkulturen“ aus und glaubt, er könne über all diese Kräfte herrschen. Hier steht also Glauben gegen Wissen, Dummheit gegen Gewissheit.

Es ist Ultimo, um wieder ein harmonisches Verhältnis mit der Umgebung herzustellen

Das Wirtschaftssystem, das seit kurzem – 1.000 Jahre sind in der Geschichte des homo sapiens ein Wimpernschlag – den gesamten Globus zu einem Wirtschaftsgut erklärt hat, hat auf allen Gebieten sichtbar versagt. Es hat die Umgebung – die sogenannte Natur, oder Umwelt – zerstört, die meisten Menschen zu Sklaven gemacht. In diesem Jahrhundert scheint es allerdings an den Punkt zu kommen, an dem diese „Hochkultur“ sich verabschieden muss. Sie wird dabei möglicherweise nicht einmal ihre – sinnvollen – Errungenschaften aufgeben müssen, nur die kollektive Ignoranz gegenüber ihrem Planeten, ihrer „Mutter Erde“ und der blinde Glauben an ein egoistisches und völlig unsinniges Wirtschaftssystem müssen umgehend verschwinden.

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