Aus alten Windrad-Gondeln entstehen Tiny Homes. Blade-Made zeigt, wie Kreislaufwirtschaft sichtbar und bewohnbar wird.

Windenergie gilt als eine der saubersten Energieformen. Doch die Rotorblätter und Gondeln von Windrädern bestehen aus Verbundmaterialien, die schwer recycelbar sind. Weltweit stehen tausende Turbinen vor dem Ende ihrer Lebensdauer und die Frage, wohin mit den massiven Bauteilen, wird drängender.

Die Idee: Ein Zuhause in der Gondel

Das niederländische Designstudio Blade-Made, gegründet von Architekt Jos de Krieger (Superuse), hat ein radikales Konzept umgesetzt: Ein Tiny Home aus einer ausgedienten Windrad-Gondel.

  • Das Bauteil: Die Gondel ist das „Herz“ einer Windkraftanlage – ein stromlinienförmiger Korpus, der Generator und Getriebe beherbergt.
  • Die Transformation: Statt auf der Deponie zu landen, wurde die Gondel zu einem kompakten Wohnraum umgebaut.
  • Dimensionen: Rund 10 Meter lang, 4 Meter breit und 3 Meter hoch – genug Platz für eine kleine Wohnung.

Innenleben: Minimalistisch und nachhaltig

Das Tiny Home, auch „Nestle“ genannt, überrascht mit einem warmen, minimalistischen Innenraum:

  • Materialien: Holzverkleidungen schaffen eine wohnliche Atmosphäre.
  • Raumaufteilung: Schlaf- und Wohnbereich, kleine Küche und Dusche.
  • Energieeffizienz: Dank der ursprünglichen Isolierung der Gondel ist das Haus bereits gut gegen Witterung geschützt.
  • Zusatz: Eine kleine Solaranlage sorgt für Stromversorgung.

Blade-Made: Portfolio und Projekte

Blade-Made verfolgt einen Design-First-Ansatz: Ausgediente Rotorblätter und Gondeln werden direkt als Material genutzt, ohne energieintensive Zersetzung. Das spart Ressourcen und macht Kreislaufwirtschaft sichtbar im öffentlichen Raum.

Portfolio-Beispiele:

  • Blade Bench – Sitzgelegenheiten aus Rotorblatt-Segmenten, bereits in mehreren niederländischen Städten installiert.
  • Blade Bridge – kleine Brücken aus stabilen Flügelteilen, die urbane Infrastruktur ergänzen.
  • Blade Barrier – urbane Abgrenzungen und Schutzwände, etwa als Lärmschutz oder Spielfeldbegrenzung.
  • Spielplätze & Sportanlagen – Klettertürme, Basketballplätze und Skateparks aus Rotorblättern.
  • Tiny Homes – wie das Gondel-Haus, das als Pilotprojekt für modulare Wohnformen dient.

Projekte:

  • In Rotterdam wurden bereits öffentliche Sitzmöbel und Spielgeräte aus Rotorblättern umgesetzt.
  • In Dänemark entstand ein Sportplatz mit Basketballkörben und Tribünen aus Flügelteilen.
  • Erste internationale Kooperationen mit Energieunternehmen wie Vattenfall zeigen, dass die Idee skalierbar ist.

Mehr als ein Designexperiment

Das Tiny Home ist nicht nur ein architektonisches Statement, sondern ein Beweis für Kreislaufwirtschaft:

  • CO₂-Reduktion: Wiederverwendung spart bis zu 90 % Emissionen gegenüber Neubau mit Beton oder Stahl.
  • Symbolkraft: Das Projekt zeigt sichtbar, wie aus „Abfall“ ein wertvoller Lebensraum entstehen kann.
  • Skalierbarkeit: Größere Gondeln könnten künftig sogar Studentenwohnungen oder modulare Siedlungen ermöglichen.

Zukunft aus alten Flügeln

Das Tiny Home von Blade-Made ist mehr als ein kurioses Architekturprojekt. Es ist ein sichtbares Zeichen für nachhaltige Innovation: Windräder, die einst Strom lieferten, können künftig auch Wohnraum schaffen. Damit wird Kreislaufwirtschaft nicht abstrakt, sondern mitten im Alltag erlebbar.


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Bild: Blade-Made