Eine Autobahn, die E Lkw während der Fahrt lädt? In den USA ist das jetzt Realität.

Die Vision einer Straße, die Elektrofahrzeuge während der Fahrt mit Energie versorgt, ist einen entscheidenden Schritt näher an die Realität gerückt. Forschende der Purdue University und das Indiana Department of Transportation (INDOT) haben erstmals einen realen Autobahnabschnitt vorgestellt, der einen schweren Elektro‑Lkw kabellos lädt, während er mit Autobahngeschwindigkeit unterwegs ist. Die Testfahrten gelten als technologischer Durchbruch und als möglicher Wendepunkt für die Elektrifizierung des Schwerverkehrs.

Ein 400‑Meter‑Abschnitt mit großer Wirkung

Der neu eröffnete Testabschnitt in Indiana ist rund 400 Meter lang und mit Kupferspulen ausgestattet, die in die Fahrbahn eingelassen wurden. Diese erzeugen ein magnetisches Feld, das ein im E-Lkw verbauter Empfänger in elektrische Energie umwandelt. Die Technologie basiert auf dem Prinzip der induktiven Energieübertragung, das man von kabellosen Smartphone‑Ladegeräten kennt, allerdings in einer völlig neuen Leistungsdimension.

Laut Purdue wurde das System so entwickelt, dass es stabil bei Autobahngeschwindigkeit funktioniert und künftig mehrere hundert Kilowatt übertragen können soll. Damit wäre es erstmals möglich, auch schwere Nutzfahrzeuge während der Fahrt mit nennenswerter Leistung zu versorgen.

Ein Meilenstein für den elektrischen Güterverkehr

Die Forschenden betonen, dass der Testabschnitt nicht nur ein technisches Experiment ist, sondern ein skalierbares Modell für künftige Fernverkehrsstraßen. Gerade im Schwerverkehr gelten Reichweite, Ladezeiten und Batteriegewicht als zentrale Hürden der Elektrifizierung. Dynamisches Laden könnte diese Probleme entschärfen:

  • Kleinere Batterien würden ausreichen, weil Fahrzeuge unterwegs nachladen.
  • Ladepausen ließen sich reduzieren oder ganz vermeiden.
  • Netzbelastungen könnten sinken, da weniger Schnellladevorgänge nötig wären.
  • Logistikprozesse würden planbarer, weil Energieversorgung in die Strecke integriert ist.

Für die USA ist der Testabschnitt der erste seiner Art. Weitere Pilotstrecken sind bereits in Planung.

Technologie mit globaler Relevanz

Die Purdue University sieht in dem Projekt einen „entscheidenden Schritt hin zu elektrifizierten Highways“. Die Forschenden betonen, dass das System kosteneffizient skalierbar entwickelt wurde, ein wichtiger Punkt, wenn ganze Autobahnabschnitte elektrifiziert werden sollen.

Auch international wird der Durchbruch aufmerksam verfolgt. Europa experimentiert ebenfalls mit induktiven Straßen, allerdings meist im urbanen Umfeld oder auf Testgeländen. Ein realer Autobahnabschnitt für schwere E-Lkw ist bislang einzigartig.

Ausblick

Der Test in Indiana zeigt, dass induktives Laden im Schwerverkehr nicht länger Zukunftsmusik ist. Die Technologie funktioniert und sie funktioniert unter realen Bedingungen. Bis zu einem flächendeckenden Einsatz wird es zwar noch dauern, doch der erste Schritt ist gemacht. Für die Energiewende im Güterverkehr könnte dieser Durchbruch ein entscheidender Baustein werden.


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Bild: Purdue University photo/Kelsey Lefever