Das Christentum hat den Menschen von der Natur getrennt, die Natur damit „ökonomisiert“. Das eigentliche Paradies, die „himmlische Steppe“ wurde zum Garten Eden, einem Garten also, der als Nahrungs- und…

Das Christentum hat den Menschen von der Natur getrennt, die Natur damit „ökonomisiert“. Das eigentliche Paradies, die „himmlische Steppe“ wurde zum Garten Eden, einem Garten also, der als Nahrungs- und Rohstoffquelle dem Menschen dienen soll. Paradeisos (griech.) leitet sich aus dem avestischen „pairi-daeza“ ab und bedeutet „umgrenzter Bereich“. Im sumerischen bedeutete der „Garten Eden“ (Guan Eden) eben noch „Rand der himmlischen Steppe“, also der aus der sonstigen Natur, zu der der Mensch sich noch zählte, in der er mit und von der Mitwelt sorgenfrei lebte, abgegrenzte Bereich. Inzwischen hat nun der Mensch diesen auf mindestens 75% der Fläche seines Planeten ausgebreitet, genau genommen natürlich 100%. Spätestens nun ist er zwangsläufig wieder zum – nunmehr bestimmenden – Teil der Natur geworden.

Geologen, Männer, die auf den Boden starren

Die Geologie, eine unserer zahllosen Wissenschaften, klassifiziert die Zeitalter dieses Planeten nach den Ablagerungen, den erkennbaren Schichten im Boden. Danach leben wir heute noch im Zeitalter des „Quartär“, das allerdings bereits vor 2,6 Millionen Jahren anfing. Eine Unterkategorie ist hier das „Holozän“, welches vor 11.700 Jahren, nach der letzten Eiszeit begann. Immerhin haben sie erkannt, dass in den letzten Jahrhunderten die Bodentemperatur – gegenüber dem Mittelwert der letzten 2,6 Millionen Jahre um 3 Grad und der CO2-Gehalt der Atmosphäre um 30 Prozent zugenommen haben. Noch nicht betrachtet haben sie die Luftschichten über sich, in deren äußerstem Rand sich bereits tausende Tonnen Eisenschrott ansammeln, den die Menschen dorthin befördert haben. Daher wird der Ruf, auch der Archäologen immer lauter, nun endlich das Zeitalter des Menschen, das Anthropozän auszurufen (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/anthropozaen-debatte-um-neues-geologisches-zeitalter-durch-menschen-a-987349.html).
Die Archäologie kennt immerhin – als Forschung der Kulturen – die Frühgeschichte, als Fortsetzung der Eisenzeit und in dieser befänden wir uns – noch – in dem Zeitalter der Völkerwanderung; angesichts der Flüchtlingsströme und der anhaltenden Landflucht eine zutreffende Beschreibung.

Ökonomen, Männer, die auf Kurstafeln starren

Die Antipoden zu den Wissenschaftlern, die die Schichten der Erde deuten, sind die Ökonomen, die dafür sorgen, dass diese gründlich durchwühlt, über 3000 Meter tiefe Löcher gegraben oder ganze Schichten abgetragen werden, weil für diese der gesamte Planet ein Spekulationsobjekt ist, mit allem, was darauf „kreucht und fleucht“. Die globale Wirtschaft sorgt auch dafür, dass von den Tiefen der Ozeane bis in die Schichten der Atmosphäre die Spuren ihres Wirkens auf Millionen Jahre ablesbar sein werden. Es wird also Zeit, dass auch diese Fachleute sich zusammenschließen, die Grenzen ihrer Fachbereiche überschreiten und anerkennen, dass nun einmal der Mensch diesen Planeten komplett „übernommen“ hat. Die Ökonomie muss lernen, dass ihre Akteure untrennbarer Teil dieses Organismus Erde sind und die Geologen müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Mensch nun einmal die gesamte Oberfläche verändert hat. Selbst auf dem Gipfel des höchsten Berges – und dem Weg dorthin – muss schon für eine Müllabfuhr gesorgt werden und eine Fläche von der Größe Australiens ist komplett versiegelt, mit Asphalt und Beton. Jeder Quadratmeter des Planeten ist in irgendeiner Form in den Kalkulationstabellen der Spekulanten verzeichnet. Auch dieser Unfug muss sofort ein Ende haben (http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/02/anthropozaen-planet-der-menschen).

Natur und Mensch sind eins

Die Periode dieser beispielhaften Zerstörung ist so kurz, dass sie in den Zeiträumen, in denen Geologen denken, nicht wahrnehmbar ist. Ihre Auswirkungen haben allerdings weitreichende Konsequenzen. Soll also nicht in dieser Mini-Millisekunde der Evolution der Lebensraum auf der Erde komplett zerstört werden, müssen endlich alle „Wissenschaften“ ihre Eitelkeiten über Bord werfen, die Realität zur Kenntnis nehmen und den Planeten ganzheitlich betrachten. Sie werden dann bemerken, dass sie auch Teil des Systems, dieses Organismus sind. So wie die „neue Medizin“ seit genau so langer Zeit den Menschen in zahllose Teile zerlegt „behandelt“, obwohl es nun mal ein einziger Organismus ist, der auch nur als Ganzes und auch nur im Zusammenhang, in der Interaktion mit seiner Mitwelt betrachtet und kuriert werden kann, muss die gesamte Wissenschaft zusammenarbeiten und denken.
Dieser Planet, alles was sich in ihm und auf ihm befindet, ja sogar der Rest dieses Weltalls besteht aus dem gleichen Material, dem gleichen Grundbaustein. Auch wenn dieser „Ur-Lego-Stein“ in Myriaden Varianten zusammengesetzt ist, so wirken diese noch immer nach der gleichen Regel aufeinander und miteinander, wie der Urstoff zu Beginn dieser Zeit. Wird das harmonische Gleichgewicht so gestört, dass die einzelnen Teile es nicht rechtzeitig wieder herstellen können, wird der Stau an Energie sich mit Gewalt „entladen“. Dies beobachten und beschreiben Wissenschaftler in ihren Einzelzellen immer wieder. Nun müssen sie endlich zusammenkommen, um festzustellen, dass sie alle das gleiche Phänomen nur aus vielen verschiedenen Winkeln gesehen und beschrieben haben.
Das Anthropozän ist das Zeitalter des Lebens, liebe Geologen, und noch nicht versteinert. In ihm erkennen die Teile des Systems sich selbst, untereinander und finden eine dauerhafte Balance – solange ihnen auf diesem Planeten noch die Gelegenheit gegeben ist.

http://www.hkw.de/de/programm/projekte/2014/anthropozaen/anthropozaen_2013_2014.php
http://www.nationalgeographic.de/reportagen/anthropozaen-das-zeitalter-des-menschen

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