Cradle to cradle (von der Wiege zur Wiege) ist ein Projekt, das versucht, Nachhaltigkeit auf allen Ebenen des Lebens in der industriellen Zivilisation zu erreichen. Viele Konzepte zur Nutzung regenerativer…

Cradle to cradle (von der Wiege zur Wiege) ist ein Projekt, das versucht, Nachhaltigkeit auf allen Ebenen des Lebens in der industriellen Zivilisation zu erreichen.

Viele Konzepte zur Nutzung regenerativer Energien gehen in die falsche Richtung

Ingenieure, Projektentwickler und Investoren entwickeln und betreiben regenerative Energieanlagen ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, und das auch leider immer noch sehr kurzsichtig. So ist die Herstellung von Biogas mit konventionell angebautem Mais und der veralteten Rührtechnik in den Fermentern allenfalls für den Anlagenhersteller interessant. Der betreibende Landwirt geht ein unkalkulierbares Risiko ein.

Viel wichtiger ist aber, dass diese Technologie ökologischen Schaden anrichtet, abgesehen von dem Schaden für das Klima, insbesondere durch die Lachgasemissionen des konventionellen Maisanbaus. Der Anbau der Monokulturen schädigt das Ökosystem nachhaltig. Andere Konzepte, die sowohl ökonomisch, als auch ökologisch sinnvoll und in sich nachhaltig sind, haben es schwer, sich gegen eine fest etablierte Lobby, insbesondere aus Saatgut- und Agrochemieherstellern durchzusetzen. Der Mais, der in den Fermentern zu Biogas vergoren wird, wächst zwar wieder nach, aber das ist der einzige regenerative Beitrag dieser Konzepte.

Die Entsorgung verbrauchter Solarmodule ist immer noch ein Problem

Wie in der gesamten IT-Branche, schreitet auch die Effizienz der Photovoltaiktechnologie immer schneller voran. Oft werden daher ganze Solarparks schon vor dem Erreichen der Lebenszeit der bisher eingesetzten Module renoviert, durch Einbau effizienterer Module. Nur ganz wenige Hersteller nehmen bisher die ausgedienten Bauteile anstandslos zurück und geben vor, diese vollständig wieder zu verwenden.

Nachgewiesen wurde bisher nicht, dass kein Sondermüll entsteht, wenn die hochkompliziert aufgebauten Platten unbrauchbar geworden sind. In der Regel landen diese auf dem Sondermüll, werden sogar als Technologiemüll nach Afrika und Asien geflogen, wo sie von Kindern zerlegt werden, um eventuell abtrennbare wertvolle Rohstoffe zu erhalten.

Insofern kann die gesamte Solarbranche, mit ihrer bisherigen Technologie, nicht als nachhaltig bezeichnet werden, der Kreislauf von der Wiege – vom Rohstoff – zur Wiege – der Wiederverwertung – ist nicht geschlossen.

Windparks stellen oft einen Eingriff in Ökosysteme dar

 Einzelne Windräder, vielleicht noch in kleinen Gruppen, jedoch in einer Leistungsklasse, die sich in bestehende Mittelspannungsnetze integrieren lässt können durchaus sinnvoll sein. Gigantische Windparks an Land oder auf hoher See verändern die Landschaft und die dort heimischen Ökosysteme nachhaltig. Zusätzlich belastend sind die erforderlichen Hochspannungsleitungen, die die riesigen Strommengen transportieren müssen (https://www.energieleben.at/kraft%E2%80%93warme%E2%80%93kopplung-kwk-ist-die-losung-nicht-nur-windparks-im-meer/). Genau wie bei der Photovoltaik ist hier zu bemängeln, dass der Wirkungsgrad lausig ist, da nur eine Energieart, nämlich Strom hergestellt wird, die dazu noch nicht regelbar ist, sondern vollständig von der Sonnenscheindauer oder der Windstärke abhängig ist. Zudem ist der Bedarf an Strom im Gesamtenergiebedarf mit gerade 21% so gering, dass er viel sinnvoller als Beiprodukt bei einer nachhaltigen Wärmeproduktion (50% des Gesamtbedarfs) erzeugt werden sollte.

Geschlossene Kreisläufe können in allen Bereichen erreicht werden

Professor Dr. Braungart hat ein Kreislaufsystem entwickelt – oder besser nachvollziehbar skizziert – das entweder einen geschlossenen natürlichen Kreislauf beschreibt, also die Rückführung von Ressourcen ermöglicht, oder einen geschlossenen Nutzungskreislauf bei dem einmal hergestellte Materialien immer wieder, auch in anderer Form genutzt werden können, ohne dass Abfall entsteht (http://epea-hamburg.org/index.php?id=69&L=4).

Zahlreiche Hersteller haben sich von seinem Institut beraten lassen und die Ideen aufgegriffen. So kann man kompostierbare Textilien oder vollständig wieder verwendbare technische Geräte erwerben, die einmal hergestellt, das Ökosystem kaum noch belasten. Wenn die Textilien auch noch aus nachwachsenden Rohstoffen gewebt wurden, mit Naturfarben gefärbt, mit Accessoires versehen, die ebenfalls aus natürlichem Material sind, ist der Kreislauf wirklich geschlossen (http://www.zeit.de/2010/18/Recycling-mode).

Nachhaltige Produktion eröffnet ganz neue Märkte

Eine Umstellung auf eine Produktionsweise, die diesen Kreislauf ermöglicht, muss eine neue industrielle Revolution nach sich ziehen. Weder in der Textil-, der Metall-, noch der Chemieindustrie im großtechnischen Maßstab können nachhaltige Kreislaufsysteme eingeführt werden. Diese sind nur in mittelständischen Betrieben umsetzbar, mit einem  entsprechenden Personleinsatz. Dieses jedoch ist genau der Bereich der globalen Wirtschaft, der flexibel agieren kann und  ohnehin den größten Teil der Wirtschaftsleistung erbringt.

Hier ergeben sich neue Tätigkeitsbereiche, Märkte mit extremem Wachstumspotenzial und einer Chance für die gesamte Volkswirtschaft. Allein durch die bisher immer noch machtvolle Lobby der globalen Konzerne wird die zum Überleben auf diesem Planeten zwingend erforderliche Wende in der Industriepolitik behindert. Da die lobbyabhängige Politik hier nicht regulierend eingreifen wird, ist der Konsument gefragt, der ohnehin eigentlich das letzte Wort hat. Das wiederum verlangt eine fortschrittliche Bildungspolitik, eine umfassende Aufklärung über den Schaden, der durch die bisherige Produktions- und Lebensweise verursacht wird und über die Möglichkeiten eines Umlenkens durch Kaufverweigerung, beziehungsweise durch Erwerb nachhaltig erzeugter und nachhaltig zu entsorgender oder wieder zu verwendender Produkte.

Dass dieses für die Konsumenten nicht unbedingt eine Einschränkung des gewohnten Lebensstils mit sich bringen muss, sondern sogar die Lebensqualität erhöhen kann muss die Erfahrung zeigen. Menschen begreifen derartige Mechanismen erst, wenn sie sie „be-greifen“, erfassen, erleben, anfassen können.  

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*