Wie Balkongärtnern freude macht: Für Alle, denen Gärtnern eigentlich zu anstrengend ist.

Meine Großmutter pflanzt bis auf Schnittlauch und Bärlauch keine essbaren Pflanzen an. Ihr Garten fokusiert sich auf Blumen. Ein zwei Obstbäume stehen versteckt hinterm Haus. Wenn man von der Terasse blickt, sieht man vornehmlich Rasen und akkorate Beete mit auf die Jahreszeit abgestimmter Blütenpracht. Sie liebt es, Bilder von ihrer Blütenpracht zu machen und als Postkarten zu verschicken. In der Gartensaison ist sie ständig mit Gartenarbeit beschäftigt. Unser Balkon steckt in diesem Aspekt noch in den Kinderschuhen. Beziehungsweise hat unsere WG gänzlich andere Ansprüche an den Balkon, als sie vielleicht meine Großmutter haben würde.

„Puhh so viel Zeit hab ich nicht“

Klar – Ins Gärtnern kann man sich hineinsteigern. Wer seine Pflanzen ganz genau hegen und pflegen will, kann schon viel Zeit damit verbringen. So lang dauert das aber meistens auch nicht. In meiner Wohngemeinschaft sind wir zu viert. Jede von uns studiert und gearbeitet wird auch noch nebenher. Unser Zeitplan ist somit schon sehr voll. Warum sollen wir also auch noch den Balkon gestalten?

Ganz einfach: Es macht Spaß. Wer die für sich passenden Pflanzen auswählt, hat eigentlich nicht zu viel Arbeit. Im Frühjahr habe ich integrierte Wasserspeicher in meine Pflanzenkübel eingebaut. Das war definitiv eine geniale Idee. So musste selbst an den heißen Tagen nicht ständig gegossen werden.

Kräuter sind generell anspruchslos und ihre Aromenvielfalt bereiten mir andauernd Freude. Kräuter wird es demnach auch in dieser Gartensaison auf unserem Balkon geben. Unter anderem hatten wir dreizehn verschiedene Basilikumpflanzen (Ocium). Im Gegensatz zu den Basilikumpflanzen aus dem Supermarktregal hatte jedes Samenkorn ausreichend Platz. Somit konnten sich buschige und reichtragende Pflanzen entwickeln. Auch hier gibt es eine ungemeine Vielfalt. Thymian und Basilikum mit einer starken Zitronennote, waren sicherlich meine Balkonlieblinge.

„Vom Blatt bis zur Wurzel“

Mir ist bei den von mir angebauten Pflanzen wichtig, dass sie in einem oder mehreren Aspekten essbar sind. Ich finde es ungemein spannend, den Kreislauf meiner Nahrung miterleben zu können. Die meisten Speisepflanzen warten nicht nur mit Köstlichkeiten auf, auch die Blüten haben häufig einen besonderen Charme. Im Gegensatz zu den Pflanzen im Supermarkt kann ich auch wirklich alles für die Küche verwenden. So kreiert Johannes Reisinger aus Petersilie (Petroselinum crispum) zahlreiche kulinarisch spannende Produkte. Sowohl Blätter, Wurzel und Schale der Wurzel finden Verwendung. Die Pressrückstände aus der Herstellung von Petersiliensäften werden getrocknet und zu einer Art Mehl verarbeitet. Ich freue mich schon in der kommenden Erntesaison selbst mit der optimalen Verwertung zu experimentieren.

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Was ich mir dieses Jahr für meinen Balkon wünsche:

Ich wünsche mir für meine Balkone eine Fülle aus Grün. Für dieses Jahr träume ich von mehr Rankpflanzen. Um den grünen Daumen zu schulen, kann aber auch schon ein kleines Balkonkästchen auf dem Fensterbrett ausreichen. Neben Kräutern, können hier zum Beispiel kleine Radieschen, Salat und Frühlingszwiebeln angebaut werden. Die kleingeschnittenen Blätter von Radieschen verleihen Dips eine wunderbare Frische und leichte Schärfe. Ich empfinde den Anbau von einigen Kräutern und Salaten, eigentlich als eine wunderbare Form der Bequemlichkeit. Wenn ich frische ausgefallene Kräuter brauche, muss ich nicht erst einkaufen gehen.

 

Bilder/Fotografin: Vera Kondratiuk  

Portrait 1

Die Freischnauzeköchin ist zum Bloggen über ihre Freude an der Fotografie von Essen gekommen. Seit 2013 gibt es ihre vegetarischen Rezepte online und Tipps zum (nachhaltigen) Leben in Wien. Die in ihrem Studium der Agrarwissenschaften erworbenen Erkenntnisse und ihre Erfahrungen als urbane Gärtnerin teilt sie gerne mit ihrer Leserschaft. Ihr Augenmerk richtet sie hierbei auf zukunftsweisende und umweltfreundliche Lösungen.

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