Technologie kann eine Kultur retten, aber auch vernichten. Es bedarf einer achtsamen Prüfung jeder neuen Erfindung, immer im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit und ohne das Primat der Ökonomie. Auch viele…

Technologie kann eine Kultur retten, aber auch vernichten. Es bedarf einer achtsamen Prüfung jeder neuen Erfindung, immer im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit und ohne das Primat der Ökonomie. Auch viele der neuen Ideen zur alternativen Energieerzeugung könnten eher Schaden, als zu helfen.

 

Ökologisch, Ökonomisch und Sozial, zu gleichen Teilen

 

Viele technische Neuerungen brachten alte, lange erfolgreich bestehende Kulturen aus dem Gleichgewicht und führten zu deren Untergang. Entweder, weil sie an sich großen Schaden anrichteten, wie heute all die chemischen Entwicklungen, die nicht mehr in den natürlichen Kreislauf passen, oder weil sie einfach bestehende soziale Strukturen zerstören, ohne diese adäquat zu ersetzen (http://www.zeit.de/2011/25/Technik-Zukunft).

Die Maya und die Khmer verließen sich auf ihr technisch perfektes, ausgeklügeltes Bewässerungssystem und scheiterten an der Bewältigung einer Klimaveränderung, die hoch technisierten Römer scheiterten an der Verwaltung ihres zu weit gewachsenen Weltreichs. Unsere gegenwärtige Zivilisation verbraucht bereits mehr natürliche Ressourcen, als unser Planet bieten kann. Gleichzeitig beten wir den Technikgott an, im naiven Glauben, dass jedes Problem mit dem Einsatz einer neuen Technologie bewältigt werden kann. Immer dann jedoch, wenn einer der drei Nachhaltigkeitsfaktoren vernachlässigt wird, kippt das System und scheitert zwangsläufig. Besonders gefährlich wird es immer dann, wenn eine Kultur zu sehr in bestehende Kreisläufe eingreift. Solange diese irgendwann von dem vorhandenen System – auf natürlich Weise – verdaut werden konnten, wurde ein Schaden langfristig behoben. Die Aborigines in Australien hatten die dort vorhandenen Urwälder nach ihrer Ankunft vor rund 75000 Jahren nach und nach niedergebrannt und das Land in eine Steppenlandschaft verwandelt. Flora und Fauna haben sich verändert und ein neues Ökosystem war entstanden, in dem die Menschen über 50000 Jahre in einer neuen Harmonie leben.

Nicht bewältigen lässt sich mit natürlichen Mitteln der gewaltige Berg aus Plastikmüll, der nicht nur riesige Deponien an Land füllt, sondern auch die Meere. Nicht bewältigt ist die Frage, wo und wie der Atommüll, radioaktiver Abfall lagern lässt. Im 21. Jahrhundert nun frisst ein aus dem Ruder gelaufenes Finanzsystem gnadenlos das Geld der Menschen, egal wo sie sich aufhalten. Millionen Menschen können nicht mehr von dem leben, was sie erarbeiten, obwohl eigentlich alles, was sie brauchen – noch – im Überfluss vorhanden ist.

 

Glauben und Wissen sollten im Gleichgewicht sein

 

Seit Beginn der Industriealisierung glauben viele Menschen, dass es immer wieder eine Technologie geben wird, die die vorhandenen oder entstandenen Probleme lösen wird. Sie verschieben die Rettung ihrer Zivilisation auf ihre Nachkommen. Gleichzeitig haben sie ein Wirtschaftssystem geschaffen, das offenbar nur weiter existieren kann, wenn es permanent wächst. Dieses Wachstum wird nur quantitativ

verstanden, die Menge der erzeugten Güter muss zunehmen. Ist der Markt gesättigt, muss eine neue Mode her, werden neue Produkte erfunden und die Produktion geht weiter. Dass dieses Wachstum irgendwann an Grenzen stoßen könnte, wird ignoriert.

Diesem Glauben, der schon wie ein Fetisch das Denken der Menschen vernebelt, steht aber bereits die Gewissheit gegenüber, dass dieses System zu einem Kollaps führen muss. Statt also mit dem Wissen, welches eigentlich seit Jahrtausenden vorhanden ist, dass jede Veränderung innerhalb des vorgefundenen Systems funktionieren muss, die Natur der Maßstab ist und nicht unsere technologischen Möglichkeiten unsere Welt zu gestalten, greifen wir skrupellos in die natürlichen Kreisläufe ein. Immer wieder werden wir sodann durch die Naturgewallten daran erinnert, wie ausgeliefert wir ihnen sind. Taifune, Tsunamis, Erdbeben und Überschwemmungen im Landesinnern richten umso größere Schäden an, je mehr wir glauben, sie beherrschen zu können. Wir haben bereits den größten Teil unserer Welt in eine künstliche, eine Kulturlandschaft verwandelt. Unsere Wirtschaft stellt seit Jahrzehnten viel zu viele Güter her, wovon die Abfallberge zeugen. Ihre Produkte sind nicht auf Haltbarkeit, auf Qualität gestaltet, sondern auf möglichst schnellen Verbrauch, schnellen Verschleiß. Das muss nicht so sein (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wie-unternehmen-ohne-wachstum-ueberleben-wollen-a-832260.html).

 

Wir sind keine Nomaden mehr

 

Offenbar haben wir Menschen in unseren Genen noch den Glauben der Nomaden, die wir ja zu Beginn unserer Eroberung der Welt waren, dass wir schon einen anderen Ort finden werden, wenn uns der jetzige Standort nicht mehr ernähren kann. Allerdings haben wir schon damals gewusst, dass es sinnvoll ist, den letzten Lagerplatz in einem Zustand zu hinterlassen, aus dem er sich regenerieren kann. Dies haben wir ein paar Millionen Jahre lang gemacht, der Radius war regional begrenzt. Seit gerade knapp 10000 Jahren sind wir sesshaft geworden und versuchen an einem Ort zu leben. Das verlangt noch mehr Rücksicht. Unseren Radius haben wir auch bereits auf den gesamten Erdball ausgedehnt. Weiter geht es nun auch hinter dem Horizont nicht mehr. Das Wissen um die Notwendigkeit, uns mit der vorgefundenen Mitwelt einzurichten ist vorhanden. Trotzdem scheint da noch der alte Glauben zu sein, dass wir sogar diesen Ort, unsere alte Welt verlassen können, um an einem anderen Ort, auf einem anderen Planeten zu siedeln. Besonders intelligent ist das nicht. Wir wissen es besser.

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