Teil zwei der Geschichte vom erbitterten Kampf der technischen Standards zwischen Thomas A. Edisons Gleichstrom und dem von George Westinghouse und Nikola Tesla präferierten Wechselstrom. Hier geht es zum ersten…

Teil zwei der Geschichte vom erbitterten Kampf der technischen Standards zwischen Thomas A. Edisons Gleichstrom und dem von George Westinghouse und Nikola Tesla präferierten Wechselstrom. Hier geht es zum ersten Teil.

Edison hielt, trotz der evidenten Nachteile, an seinem Gleichstrom-Konzept fest und begann das Wechselstromkonzept in der Öffentlichkeit als unsicher und gefährlich zu diskreditieren. Zum Beleg ließ Edison Tiere durch Wechselstrom töten.

Unrühmlicher Höhepunkt war die Tötung der Elefantendame Topsy im Vergnügungspark Coney Island. Der Tod des Tieres war nach mehreren für Menschen tödlichen Zwischenfällen beschlossene Sache.

Edisons Mitarbeiter stellten den Elefanten auf Metallplatten, an die sie Wechselstrom anlegten, und jagten 6.600 Volt durch den Dickhäuter. Ein eindrucksvoller und grausamer Angriff aufs Image der von der Konkurrenz vertretenen Technik.

Edisons Propagandavideo: „Electrocuting an Elephant“

In den Jahren 1893 bis 1895 schlug dennoch das Pendel endgültig in Richtung Wechselstrom und Westinghouse aus. Zuerst setzte sich Westinghouse in einem harten Bieterkampf mit Edison um die Elektrifizierung der Weltausstellung in Chicago 1893 durch. Edison gab sich jedoch nicht geschlagen und verbot Westinghouse, seine Glühbirne zu verwenden. Westinghouse und Tesla hatten 20 Wochen Zeit, einen Ersatz zu entwickeln und annähernd 300.000 Stück davon zu produzieren. Das Kunststück gelang, und dank tausender Glühbirnen wurde die Weltausstellung, die gleichzeitig Höhepunkt der 400-Jahr-Feiern zur Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus war, zu einem Lichtermeer, das sich 30 Millionen Menschen ansahen.

Der Stromkrieg schien entschieden, und auch der anfangs erwähnte New Yorker Geldadel zeigte sich überzeugt, dass der Wechselstromtechnik die Zukunft gehörte. Westinghouse bekam die ausgeschriebenen 100.000 Dollar und eröffnete 1896 ein Kraftwerk an den Niagarafällen. Zehn Turbinen erzeugten 50.000 PS, die Wechselstromdynamos antrieben. Der erzeugte Strom wurde auf 22.000 Volt transformiert und mit Überlandleitungen nach Buffalo transportiert. Dort strahlten Straßen, Geschäfte und Fabriken im neuen Licht.

Der Sieg im Stromkrieg machte Westinghouse zu einem, wie man heute sagen würde, „Global Player“ mit über 50.000 Angestellten. George Westinghouse konnte sich an der neuen Macht aber nicht sehr lange erfreuen. Die Weltwirtschaftskrise 1907 und das plötzliche Fälligstellen von Krediten durch Banken kosteten den Industriemagnaten sein Imperium. Er verlor die Kontrolle über seine Firmen.

Ironie des Schicksals: 1911 wurde Westinghouse vom „Institute of Electrical and Electronics Engineers“ die „Edison Medaille“ für sein Lebenswerk verliehen. Mit 360 Patenten blieb Westinghouse weit hinter Thomas Edison mit seinen 1093 Patenten zurück. Der wiederum soll seinem Sohn anvertraut haben, dass es sein größter Fehler war, nicht auf Wechselstrom umgestellt zu haben.

Ergebnis dieses Wettstreits der Giganten ist jedenfalls, dass wir seit hundert Jahren eine Infrastruktur betreiben, die uns zentral über Verteilerstationen an den unterschiedlichsten Kraftwerksformen hängen lässt und wir nicht über lokale dezentrale Stromversorgungseinheiten verfügen.

Aktuelle Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energieformen Solar, Wind und Geothermie, gekoppelt mit „Smart Grid“-Lösungen, könnten dieses Paradigma ins Wanken bringen. Private Solarzellen, die im Fall der Fälle auch Strom ins Netz einspeisen können, hätten Edison sicher gut gefallen.

Dieser Wettkampf, der erst im Nachhinein „Stromkrieg“ genannt wurde, war der erste Formatkampf, die erste Schlacht um eine wirtschaftliche Standardlösung, auf die noch viele folgen sollten.

Einige werden sich noch an den Wettstreit am Videosektor von VHS (JVC), Betamax (Sony) und Video 2000 (Philips) erinnern. Sind Ihnen noch weitere Formatkriege bekannt?

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