Technische Standards sind die kleinen, unsichtbaren Helfer, die unsere modernen Gesellschaften am Laufen halten. Unbemerkt helfen sie, dass ein Zahnrad ins andere greifen kann und beispielsweise riesige Containerschiffe in wenigen…

Technische Standards sind die kleinen, unsichtbaren Helfer, die unsere modernen Gesellschaften am Laufen halten. Unbemerkt helfen sie, dass ein Zahnrad ins andere greifen kann und beispielsweise riesige Containerschiffe in wenigen Stunden be- und entladen werden können oder elektrische Geräte in Wien genauso gut funktionieren wie in Bregenz, Berlin oder Brüssel, nämlich mit Wechselstrom.

Dass alles für uns heute selbstverständlich ist, gründet auf einem erbitterten Kampf zwischen zwei Ikonen der Industriellen Revolution. Vor der Erfindung des Transformators war es eine schier unüberwindliche Hürde, den Strom vom Ort seiner Erzeugung etwa in Wasserkraftwerken in die Städte, und somit in die Häuser der Upper Class zu bringen.

1890 startete deshalb der New Yorker Finanzadel einen Wettbewerb: 100.000 Dollar für den Erfinder, der es schafft, die Stadt zu elektrifizieren. Eine Herausforderung, die Thomas Edison gerne annahm, arbeitete er doch schon seit 1878 daran, elektrisches Licht in die Welt zu bringen. Sein Konzept baute auf der Kohlefadenlampe auf, die er 1880 patentieren ließ und die er zu installieren plante. Sie arbeitete besonders gut mit 110 Volt Gleichstrom.

Edisons Kontrahent, der Industriemagnat George Westinghouse, erkannte schnell die Schwachstelle des Konzepts, nämlich die mangelhaften Transporteigenschaften von Gleichstrom. Um seine Ankündigung, ganz New York, Newark und Boston innerhalb weniger Monate zu elektrifizieren, umsetzen zu können, musste Edison nicht nur Kabel verlegen, sondern dampfbetriebene Generatoren und Dynamos dezentral über die ganze Stadt verteilen. Während Edison alle paar hundert Meter, und damit praktisch in jedem Häuserblock teure und aufwändige Generatoren bauen ließ, um ein dezentral gespeistes Stromnetz aufzuziehen, forschte und investierte Westinghouse in die Wechselstromtechnik. 1886 schaffte es Westinghouse, Wechselstrom aus einem Wasserkraftwerk verlustfrei fast zwei Kilometer in die nächste Stadt zu transportieren.

In den folgenden Jahren bauten Westinghouse und Edison ihre Elektrizitätsnetze weiter aus und deckten sich gegenseitig mit Klagen und spektakulären PR-Kampagnen ein. 1888 schaffte es Westinghouse den jungen Nicola Tesla auf seine Seite zu ziehen. Dieser hatte zuvor, höchst erfolgreich, für Edison gearbeitet, sich aber im Streit von ihm getrennt. Westinghouse kaufte Tesla das Patent auf den Wechselstrommotor für $60.000 plus einer Gewinnbeteiligung ab. Mit diesem Schritt wollte sich Westinghouse Marktanteile in der Industrie sichern. In Zukunft sollten Teslas Wechselstrommotoren Industriemaschinen antreiben.

In Teil Zwei erfahren Sie, wie Edison nicht nur „über Leichen ging“, um Westinghouse zu diskreditieren, was dem Wechselstrom schließlich zum Durchbruch verhalf und wie der Stromkrieg unsere heutige Infrastruktur geprägt hat.

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