Seestadt Aspern | © Michael Anranter - Flickr
Seestadt Aspern | © Michael Anranter - Flickr
Zu beginn stellen wir dir die ersten beiden Innovationen vor.

Es war einmal vor etwa zwei Jahrzehnten, da wurde das Internet gesehen als der Anfang vom Ende der Stadt: Das Globale Dorf wurde ausgerufen, ganz nach McLuhan, und das Netz wäre der notwendige Kitt, der alles zusammenhält und ermöglicht. Vom Ende der Bürotürme war die Rede, Tele- und Heimarbeit war das Schlagwort in aller Munde.

Erfüllt hat sich manches, aber der Rückzug aufs Land und ins Grüne fand nicht statt; die Städte wachsen rasch weiter, der Anteil der Landbevölkerung schmilzt. Die große Herausforderung für die Stadt des 21. Jahrhunderts ist das angemessene und intelligente Absorbieren der Neuankömmlinge: so, dass die limitierten Ressourcen der Stadt ideal, ohne Verlust genutzt werden.

Das Weltwirtschaftsforum hat im Oktober 2015 eine Liste von 10 Innovationen für die Stadt präsentiert, die diese Anforderungen erfüllen. Hier stelle ich die ersten beiden vor.

1. Verschieden nutzbarer Raum

Re-Programmable Space © World Economic Forum 2015

Die weltweite Stadtbevölkerung wird von 4 auf fast 7 Milliarden wachsen in den nächsten 30 Jahren; das heißt, dass in den nächsten 30 Jahren die Kapazitäten der Städte fast verdoppelt werden muss. Für die dafür notwendige Infrastruktur ist weder die Zeit noch das Geld vorhanden.

Kurz: Jede Stadt hat zu wenig Platz zur Verfügung, um allen Anforderungen seiner Bevölkerung gerecht zu werden. Mit dem schnellen Wachstum urbaner Räume würde alles dichter und gedrängter. Ein Ausweg ist es, vorhandene Flächen nicht mehr ausschließlich einer Tätigkeit zu widmen, sondern so flexibel zu gestalten, dass die gleiche Fläche für eine möglichst große Bandbreite an Beschäftigungen genutzt werden kann, auch für solche, die noch unbekannt sind. Schon genutzte Flächen müssen in ihrer Nutzung überdacht und angepasst werden, dazu zählen auch Straßen: New York drängt seit längerem Straßen zurück und vergrößert Gehsteige und Plätze. Melbourne hat in den letzten 30 Jahren für 86 Hektar kaum genutzter Straßen neue und bessere Nutzungen gefunden.

Waternet: Das Internet der Rohre

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Jeder weiß, wie wichtig eine ausgezeichnete Trinkwasserversorgung ist. Die Probleme sind absehbar: Schätzungen zufolge könnte bis 2030 die Nachfrage nach Trinkwasser das Angebot um bis zu 40% übersteigen. Dagegen akzeptieren Wasserversorger einen durchschnittlichen Leitungsverlust von 20–25%, einige sogar bis zu 50%. Um das klarzustellen: die Hälfte des Wassers, das oben reinrinnt, kommt unten aus der Leitung. Der logische Schluss: eine Minimierung der Leitungsverluste könnte den Großteil der gestiegenen Nachfrage wett machen.

Diese Minimierung sollen intelligente Wassermanagement-Systeme gewährleisten: Zukünftig sollen Sensoren in den Rohren konstant den Wasserfluss und die -menge überwachen, cloud-basierte Lösungen die Rohre mit dem Internet der Dinge vernetzen, um einen vorausschauenden Umgang mit den verschiedenen Wasserquellen zu ermöglichen und die tatsächlich verfügbare Menge Wasser ideal an den augenblicklichen Bedarf anzupassen. Damit wäre auch eine Früherkennung von Schwachpunkten oder Leitungsproblemen möglich.

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