Die Diskussion über Treibstoff vom Acker oder aus der Steckdose geht an der Realität vorbei. Die Fixierung auf das Elektromobil ist vielleicht für die Energiewirtschaft interessant, eine Umsetzung für alle…

Die Diskussion über Treibstoff vom Acker oder aus der Steckdose geht an der Realität vorbei. Die Fixierung auf das Elektromobil ist vielleicht für die Energiewirtschaft interessant, eine Umsetzung für alle Fahrzeuge wird aber Generationen brauchen – wenn diese Vision überhaupt umsetzbar ist.

42 Millionen PKW und 4,5 Millionen LKW und Busse in Deutschland an der Steckdose?

Von den rund 42 Millionen PKW in Deutschland sind 60 Prozent Gebrauchtwagen, mit einem Alter bis zu 10 Jahren und mehr, sowie rund 40 Prozent Neuwagen, mit einem Alter bis zu 3 Jahren. Bei den Bussen und LKW ist die Nutzungsdauer und die Fahrleistung erheblich länger, der Umsatz an Fahrzeugen also in längeren Zeiträumen zu sehen. Besonders dann, wenn ein Fahrzeug grundsätzlich teurer wird, als es zurzeit der Fall ist, ist mit einer noch längeren Nutzungdauer zu rechnen. Ob und wann es also möglich sein wird, den gesamten Fahrzeugbestand auf Elektroantriebe umzustellen, ist eine sehr unsichere Prognose. Wann aber auch ausreichend elektrischer Strom vorhanden ist, um all diese Fahrzeuge permanent mit Energie zu versorgen ist eine weitere unsichere Annahme. Vorsichtige Schätzungen gehen von einem Zeitraum von mindestens 50 Jahren aus. Bis dahin würde also weiterhin in großem Stil fossiler Treibstoff getankt. Dabei ist das Problem der LKW noch gar nicht ernsthaft bedacht worden. Es braucht also noch Konzepte, wie ein 30Tonner mit einem Elektromotor eine Tagesfahrleistung von bis zu 1000km erreichen kann.

Treibstoff vom Acker ist ein Reizwort

Wie bei allen anderen Fragen zu der Energiewende reicht es bei weitem nicht aus, wenn die Politik einen Rahmen vorgibt und es dem freien Markt überlässt, diesen sinnvoll zu nutzen. Wie bei der Strom- und Wärmeerzeugung breitet sich ein chaotischer Wildwuchs aus, der eine schnelle Entwicklung eher blockiert, als ermöglicht. Der Markt kann ohne ein vernünftiges Gesamtkonzept überhaupt nichts richten.
Der Umsatz von Treibstoff aus Biomasse (Pflanzenöl, Biodiesel, Bioethanol) ist in Deutschland in den letzten Jahren rückläufig und erreicht nicht einmal 10Prozent der Gesamtmenge. Der Grund ist die unsinnige Diskussion, ob lieber Futtermittel oder Biosprit vom Acker kommen sollen. Die Futtermittel, die bei uns angebaut werden, sind ohnehin in der Masse ausschließlich für die Tiermast bestimmt und nicht für den menschlichen Gebrauch. Ein Umdenken in der Landwirtschaft, die Umkehr zu einer bäuerlichen, statt einer industriellen Landwirtschaft ist längst überfällig. Hierdurch werden sich Probleme einer falschen Nutzung der 17 Millionen Hektar Ackerflächen in Deutschland schnell erledigen. Infolge des absurden Umgangs mit Nahrungsmitteln, der gigantischen Überproduktion für die Mülltonne oder den Export mit Hilfe von Steuermitteln sowie der Bodenzerstörung durch die konventionelle Landwirtschaft muss also auch unbedingt über den Anbau nachwachsender Rohstoffe nach einer umfassenden Bestandsaufnahme nachgedacht werden.

Sprit und Diesel aus Biomasse sind eine echte und schnelle Alternative

Man kann davon ausgehen, dass unsere Gas-Otto-Motoren ohne weiteres sofort – ggf. mit leichten Umrüstungen – wie in Südamerika und Skandinavien schon lange – mit Bioethanol gefahren werden können. Ebenso können die Dieselmotoren mit Pflanzenöl oder Biodiesel betankt werden. Hierbei reicht der Ertrag eines Hektars an Biomasse für eine PKW-Jahresfahrleistung.
Das Interessante an dieser Lösung ist, dass bei einer effizienten Nutzung der Biomasse bei der Treibstoffherstellung immer auch die Energie für die Wärme- und Stromversorgung eines Einfamilienhauses anfällt. Nutzt man zum Beispiel Biogas für den PKW, verbleibt bei einer Jahresfahrleistung von rund 25000km genug Gas für die Wärme- und Stromerzeugung des trauten Heimes, da ein Hektar Biogas für fast 70000km Fahrleistung ergibt.
Der Diesel-PKW mit Pflanzenöl oder Biodiesel betankt, kann aus dem Ertrag eines Hektars ebenfalls ein Jahr lang, oder rund 25000km fahren. Nutzt man die Reststoffe bei der Treibstoffherstellung in einer Biogasanlage, fällt so viel Biogas an, das damit das Häuschen ebenfalls ein Jahr mit Strom und Wärme versorgt werden kann.
Zu den maximal 8Millionen Hektar potenzieller Anbauflächen für nachwachsende Rohstoffe d.h. die 50 Prozent, die bisher für Nahrungsmittel überflüssig genutzt werden, kommt eine gleichgroße Menge an äquivalenter Bioenergie aus Reststoffen aller Art, rechnerisch also die Energie aus 16 Millionen Hektar.
Letztlich werden sicher nicht alle 42 Millionen PKW über 10000km im Jahr fahren, weshalb der Anteil der Verbrennungsmotoren, die mit Biomasse auch nachhaltig betankt werden können die 50 Prozentmarke erreichen könnte.

In jedem Fall ist eine sinnvolle Lenkung, ein Masterplan auch für den Verkehr erforderlich

So ohne weiteres kann also nicht der Gesamtbedarf an Treibstoff, Wärme und Strom nachhaltig generiert werden. Es braucht einen Masterplan, besonders wenn nachhaltige Kriterien gefordert sind. Die ländlichen Regionen können allerdings ohne weiteres mit Biomasse ihren gesamten Bedarf decken, erzeugen in der Regel sogar zumindest zu viel Strom, der dann den städtischen Bereichen zur Verfügung gestellt werden kann. Werden Städte zum Beispiel mit Erdwärme aus der Tiefe und der Verbrennung ihrer Abfälle beheizt und erzeugen nebenbei aus der Abwärme Strom, ist das Versorgungsproblem gelöst. Es fehlt nun noch an Treibstoff.
Werden alle Städte allerdings – wie es in vielen Stadtzentren längst Usus ist – komplett für den Verkehr mit Verbrennungsmotoren gesperrt, ist auch das Problem gelöst. In Städten sind nur noch Elektromotoren zugelassen, für den Individual- und den öffentlichen Nahverkehr. Pendler müssen – wenn sie überhaupt noch mit dem PKW anreisen – ihre Wagen in Park-und Ride-Plätzen an der Peripherie stehen lassen – kostenlos. In das Zentrum oder an ihren Arbeitsplatz gelangen sie dann mit ebenfalls kostenlosen Bussen oder Bahnen. Städter fahren mit ihrem Elektromobil in der Stadt umher. Reisen sind mit wesentlich günstigeren Bahnen zu unternehmen, oder notfalls mit einem Leihwagen mit Verbrennungsmotor. Hybridmotoren sind möglichst so ausgelegt, das sie innerstädtisch allein mit dem Elektroantrieb auskommen.

Utopia? Wohl eher notwendiges Ziel

Andere Lösungen werden unter den bisherigen Umständen kaum zeitnah zielführend sein. Ohne derartige Regelungen droht Anarchie und ein Verschieben der kompletten Energiewende in eine ferne Zukunft. Zu finanzieren sind auch die kostenlosen innerstädtischen und extrem verbilligten Überland-Bahnfahrten ohne weiteres aus den enormen Einsparungen der Einfuhr fossiler Brennstoffe. Öl, Gas und natürlich Uran müssen nicht mehr eingeführt werden. Sämtliche Energie wird von den Nutzern, den Kommunen vor Ort aus vorhandenen Rohstoffen hergestellt, endlich unabhängig von ausländischen Versorgern. Die gesamte Wertschöpfungskette befindet sich nun in der Hand der Bürger, zu sinnvoller Verwendung.
http://www.unendlich-viel-energie.de/de/detailansicht/article/4/biokraftstoffe-1.html

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