Ein gutes Auto hält ein Menschenleben lang, lässt sich immer einfach reparieren. Der Beweis waren unsere Autos der 50er und 60er Jahre, die alten Amischlitten auf Kuba und sind die…

Ein gutes Auto hält ein Menschenleben lang, lässt sich immer einfach reparieren. Der Beweis waren unsere Autos der 50er und 60er Jahre, die alten Amischlitten auf Kuba und sind die Landrover in Cameron Highlands in Malaysia. Ein Wechsel alle drei Jahre ist grober Unfug und eine Verschwendung von Ressourcen, Energie und Geld – abgesehen von den unendlichen Schrottbergen.

 

Über 7000 Fahrzeuge mit einem Alter von mindestens 50 Jahren

 

Autos, in denen nicht etwaige Elektronikbauteile eine Reparatur möglicherweise ausschließen, können durchaus weit länger als 50 Jahre ihre Dienste leisten, ein Amerikaner fährt seinen alten Volvo inzwischen auch schon mehr als 1 Million Kilometer weit. Auf Malaysia brauchen die Bauern in den Bergen (Cameron Highlands) zuverlässige Fahrzeuge, mit denen sie auch nach dem Monsun ihren Hof erreichen, ihre Waren jederzeit transportieren und Reparaturen notfalls selbst erledigen können. Die von den Engländern 1963 zurückgelassenen Geländewagen erfüllten genau diesen Zweck. Seitdem werden diese – originalgetreu – auch in einer kleinen Fabrik weiter gebaut, etwa 350 Stück im Jahr. Die alten Exemplare sehen zwar abenteuerlich aus, man achtet nun mal nicht auf Schönheit, aber sie fahren halt.

Im Autoland Deutschland hingegen gilt es schon als Makel, wenn der Wagen vor der Garage älter als drei Jahre ist. Etwa 36,6 Millionen PKW (bei 80 Millionen Einwohnern) sind in Deutschland zugelassen. Das ist eine Ausstattung von 102,5 Prozent der Haushalte. Davon sind über 40 Prozent Neuwagen und knapp 58 Prozent gebraucht, der Rest sind Leasingfahrzeuge. Jeder deutsche Haushalt ist dabei mit 27.000 Euro permanent verschuldet (Quelle: Statistisches Bundesamt). Der Unterhalt braucht im Durchschnitt aller Haushalte 380 Euro je Monat, oder 14,1 Prozent des Budgets, also mehr, als der Durchschnittshaushalt für Lebensmittel ausgibt (rund 12 Prozent). Malayen können darüber nur staunen.

http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/in-malaysia-fahren-so-viele-uralt-land-rover-wie-nirgendwo-sonst-a-893790.html

 

Fortschritt oder Rückschritt?

 

Selbst Entwicklungsingenieure der deutschen Premiumhersteller geben zu, dass die meisten elektronischen Funktionen in ihren Wagen keine wirkliche Verbesserung, schon gar nicht zur Sicherheit sind. Das belegen auch die Zahlen der Unfälle und der Verkehrstoten, welche nach Einführung so einfacher Ergänzungen, wie Kopfstützen und Sicherheitsgurten zurückgegangen waren, aber inzwischen wieder steigen. Erfunden wird der blanke Unsinn nur, um den Bürgern stets einen Anreiz zu geben, nun doch wieder einen Neuwagen zu erwerben, der ja nun viel besser sei, als der Alte. Das ganze System hilft den Konzernen, aber keineswegs den Menschen. Seit den 90er Jahren lehnen die „gelben Engel“, die Nothelfer auf den Straßen in der Regel eine Pannenhilfe ab, weil sie keine Chance haben, den Fehler zu finden und schon gar nicht, ihn zu beheben. Die rollenden Computer werden nicht mehr von Automechanikern gewartet und repariert, sondern von Mechatronikern. Was die Neuwagen von den Vorgängern unterscheidet ist in der Regel die Motorleistung, die mit immer neuen Tricks aus den Maschinen gekitzelt wird. Das hat die Fahrzeuge nicht sicherer gemacht, sondern zu rollenden Zeitbomben, für die der Fahrer eigentlich auch einen Waffenschein bräuchte. Mit der Aufrüstung einher geht nämlich eine zunehmende Brutalität und Rücksichtslosigkeit auf den Straßen, jeder, der sich hier bewegen muss, stellt fest: er befindet sich im Krieg. Das ist ein psychisches Problem, mit einer gesellschaftlichen Ursache. Eine nachhaltige Entwicklung ist es in keinem Fall. Die Frustration der Menschen, die sich selbst versklaven in einem System, das sie mit seiner Komplexität längst überfordert, ist auf allen Straßen Europas spürbar. Ihre Autos gleichen immer mehr rollenden Festungen, kleinen Tanks, mit denen sie gegen den Rest der Bürger in den Krieg ziehen.

 

Schlechte Energiebilanz der alten Spritfresser?

 

Eines der Totschlagargumente der Industrie, die ihre immer neuen Produkte unbedingt absetzen muss, ist die angebliche Verbesserung gegenüber „dem Alten“. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung. Hätten die Bauern auf Malaysia nur alle 5 Jahre ihre Fahrzeuge durch Neuwagen ersetzt, hätte jeder 10 Fahrzeuge erwerben müssen. Die Produktion von jeweils 10 Neuwagen hätte aber die zehnfache Menge an Bauteilen aller Art erfordert, deren Herstellung weit mehr Energie verbraucht – und damit klimaschädigende Gase erzeugt – hätte, als der Betrieb der alten Modelle über diese 50 Jahre. Abgesehen davon können diese alten, einfachen Motoren sehr leicht mit Ethanol, Biogas oder Pflanzenöl betrieben werden, so wie es Henry Ford für sein T-Modell ursprünglich geplant hatte. Die Landwirte sollten ihren Treibstoff selbst herstellen können. In Afrika und Südamerika gibt es hier schon etliche Beispiele, aus der Not geborener Klimaschutz.

Die katastrophale Übermotorisierung und –Produktion der Industriestaaten, die nun – dem Zwang zum Wachstum geschuldet – die Welt überrollen soll, ist nun einmal keineswegs zwangsläufig eine qualitative Verbesserung, allein eine in der Masse. Wie untauglich die neuen Modelle sind, infolge ihrer komplexen Systeme, zeigen die ständigen Rückrufaktionen ganzer Produktionslinien der letzten Jahre. Die malayischen Bauern schmunzeln darüber: „Ein Fahrzeug, das ich nicht selbst jederzeit reparieren kann, hat keinen Nutzen. Es muss fahren, mehr nicht!“

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