Am 17.03.2011 überreichte Hans Joachim Schellnhuber, als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) Umweltminister Röttgen und Bildungsministerin Schavan das Hauptgutachten des Beirats: „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag…

Am 17.03.2011 überreichte Hans Joachim Schellnhuber, als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) Umweltminister Röttgen und Bildungsministerin Schavan das Hauptgutachten des Beirats: „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“. Nach zwei Jahren – und Abgang der beiden Minister – ist davon nicht viel zu hören oder zu sehen (http://www.wbgu.de/hauptgutachten/).

 

Die Grenzen des Wachstums 2.0

 

Im Detail erinnert das Hauptgutachten des WBGU, an dem über 100 Wissenschaftler zahlloser Fachrichtungen gearbeitet haben, an ein Plagiat des Berichts des Club of Rome aus dem Jahre 1973 mit dem Titel: „Grenzen des Wachstums“. Der Bericht wurde lediglich um Forschungsergebnisse ergänzt, die belegen, dass das, was in 1973 prognostiziert worden war, auch tatsächlich eingetreten ist. Den Fall des Eisernen Vorhangs, die feindliche Übernahme des „real existierenden Sozialismus“ hatten die Autoren Anfang der 70er Jahre nicht so schnell vorhergesehen. Dadurch wurde aber der Niedergang nur beschleunigt.

Der offenbar langsam von der Mehrheit als solcher akzeptierte Klimawandel ist nur ein weiteres Symptom dafür, dass die Grenzen des Wachstums bereits überschritten sind. Dass langsam auch Missstände, wie die immer noch Millionenfach praktizierte Sklaverei und die ebenso massenhafte Kinderarbeit abgeschafft werden müssen, wird wenigstens in den „Handlungsanweisungen für Entscheidungsträger“ erwähnt. Dass all dies bereits in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen für alle Menschen festgeschrieben wurde und bisher immer noch nicht global umgesetzt ist, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass zu viel geredet, aufgeschrieben aber nicht gehandelt wird, genauso, wie es uns über 20.000 Kinder weltweit vorhalten: „Stop talking, start planting“

(http://www.plant-for-the-planet.org/de/news/2013/04/30/1324).

 

Alternativen werden nicht gesucht

 

Ein neuer Gesellschaftsvertrag wird zwar empfohlen, aber nicht als einzige Lösung gefordert. Das herrschende Wirtschaftssystem kann und wird sich nicht aus sich heraus zu einem nachhaltigen System verändern, weil dann eben die „Herrschaft“ abgegeben werden müsste. Die Empfehlungen beschränken sich dann auch auf das vorherrschende Instrumentarium, großtechnische Lösungen, die die bestehenden Verhältnisse nicht verändern. Somit bleibt Nachhaltigkeit den ökonomischen Anforderungen unterworfen, wobei die Nutznießer nicht die Menschen sind, sondern die Konzerne. Die sehr zurückhaltend formulierten Forderungen der Gutachter nach einer „Kultur der Achtsamkeit (aus ökologischer Verantwortung)“ und einer „Kultur der Teilhabe (als demokratische Verantwortung)“ sowie zuletzt einer „Kultur der Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen (Zukunftsverantwortung)“ müssten verantwortlich handelnden Politikern eigentlich nicht erst auf über 400 Seiten erklärt werden. Allein das ist ein Armutszeugnis für jede demokratisch gewählte Regierung, denn, was haben sie denn in den letzten 50 Jahren gemacht?

Sowohl das wirtschaftliche, als auch das politische System der alten Industrieländer haben auf ganzer Linie versagt, die Zukunft ihrer Kinder, aller zukünftigen Generationen verraten, möglicherweise gar zerstört. Als Erkenntnis daraus abzudanken und wirklich einen ganz neuen Gesellschaftsvertrag zuzulassen können wir sicher nicht als Reaktion erwarten. Im Gegenteil werden nun die bekannten Verdächtigen, die Lobbyisten befragt, wie sie sich denn eine mögliche Veränderung vorstellen können.

 

Die Veränderung findet im Stillen längst statt

 

Langsam aber stetig wachsend verändert sich das Gesellschaftssystem und mit ihm das System des Wirtschaftens in vielen Initiativen, ohne, dass die breite Öffentlichkeit darüber informiert wird. Immer mehr Gemeinden koppeln sich ab von der allgemeinen Energieversorgung, steigen aus dem ganzen System aus. Berichte über diese heimliche Revolution, die stille Transformation kann man nur zu später Stunde oder auf den Nebenprogrammen der öffentlich rechtlichen Sender finden. Die Masse der Zuschauer wird weiterhin „dumm“ gehalten. Die vordringlichste Aufgabe ist aber gerade die Information aller Menschen, sowohl über die wirklichen Probleme, als auch über die sehr wohl sofort umsetzbaren Lösungen. Das Potenzial für eine nachhaltige Zukunft sind die Menschen selbst. Dazu müssen sie allerdings aus ihrer aufgezwungenen Unwissenheit befreit werden.