Verschiedene Möglichkeiten um nachhaltig zu investieren – und worauf man achten muss

Die Zinsen sind sehr niedrig und der Bedarf an alternativen Investitionsmöglichkeiten groß! Davon gibt es viele, unter anderem auch verschiedenste Formen der Investition in Nachhaltigkeit. Doch worauf muss man dabei achten und lohnt es sich auch wirklich? Ich komme ursprünglich aus der Finanzbranche, habe Bank- und Finanzwirtschaft studiert und daher ist das heutige Thema für mich besonders interessant!

Möglichkeiten in Nachhaltigkeit zu investieren

Unter dem Überbegriff der Nachhaltigkeit versuchen Unternehmen in ihre ökonomisch basierten Entscheidungen ökologische und soziale Aspekte mit zu berücksichtigen. Die Finanzmärkte honorieren diese Bemühungen in zunehmendem Maße und belohnen nachhaltig wirtschaftende Unternehmen mit guten Unternehmensbewertungen. Nachhaltige Geldanlage liegt daher auch im Trend und im Grunde gibt es fast alle Bankprodukte auch in einer grünen bzw. nachhaltigen Ausrichtung. Am häufigsten vertreten und bei fast allen österreichischen Banken angeboten werden Nachhaltigkeits- bzw. Ökofonds.

Dabei gibt es verschiedene Ansätze, wie aus einem konventionellen Investmentfonds ein nachhaltiger wird: Oft werden Branchen, die als nicht-nachhaltig gelten (wie zum Beispiel Kernenergie, Gentechnik, Menschenrechtsverletzungen im Unternehmen, Rüstungsindustrie…) aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen. Das heißt der Fonds darf nicht in diese Branchen investieren. Andere Fonds investieren gezielt in Branchen oder Unternehmen, die eine gute Nachhaltigkeitsperformance aufweisen (zum Beispiel Unternehmen, die ökologischer oder energieeffizienter produzieren oder Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energie). Ein weiterer Ansatz ist das Best-in -Class Prinzip. Dabei werden die besten Unternehmen – aus Nachhaltigkeitssicht – einer Branche ausgewählt, um deren Vorreiterrolle zu belohnen. Dadurch kann auch schon einmal ein Unternehmen aus der Erdölbranche in nachhaltigen Fonds vertreten sein.

Eine weitere Alternative sind verschiedenste Bürgerbeteiligungsmodelle. Es geht dabei zumeist um Investitionen in Erneuerbare Energieträger (vor allem Wind, Kleinwasserkraft oder Photovoltaik) und diese Modelle können vertraglich sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Eines davon ist das Crowdfunding, bei dem ein Projekt gemeinsam von vielen – meist Kleininvestoren – finanziert wird. Diese findet man für Österreich auf Crowd4Climate, Crowd4Energy und Green Rocket

Daneben gibt es vereinzelt auch Umweltsparbücher. Dabei werden meist mit dem Geld der Sparer bestimmte Umwelt- oder Sozialprojekte finanziert.  

Am besten einfach in der Bank direkt fragen, welche „grünen“ Angebote es gibt. Aktiv angeboten werden nachhaltige Produkte leider noch in den seltensten Fällen. Eine weitere Hilfestellung ist auch die Webseite Grünes Geld vom Österreichischen Umweltministerium und der ÖGUT, die einen Überblick über nach nachhaltigen Kriterien ausgerichteten Investmentprodukten bietet. 

Worauf achten bei der Investition

Wie bei jedem Investment ist den Anlegern anzuraten, sich gut zu informieren und beraten zu lassen, bevor ein Investment getätigt wird. Es ist außerdem nicht einfach zu unterscheiden, ob bei einem Produkt nur „nachhaltig“ draufsteht um der Sache einen grünen Anstrich zu verleihen oder ob dem Anleger echtes nachhaltiges Investieren ermöglicht wird.

Eines der Kriterien auf das man schauen kann ist das  „Österreichische Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte“. Dieses Zeichen, das es auch für andere Produktgruppen gibt (zum Beispiel Wandfarben, Gastronomiebetriebe etc.), wird vom Österreichischen Umweltministerium vergeben und zeichnet Investmentfonds aus, die bestimmten nachhaltigen Kriterien entsprechen. Wenn ein Fonds das Österreichische Umweltzeichen führen möchte, wird er ganz genau unter die Lupe genommen und bei Bestehen der Kriterien erst-zertifiziert. Danach folgt ein jährlicher Portfolio Check, bei dem im Wesentlichen die Einhaltung der Ausschlusskriterien überprüft wird. Nach vier Jahren erfolgt eine umfangreiche Re-Zertifizierung.

Wichtig bei allen Investitionsmöglichkeiten ist es, neben der interessanten ökologischen Komponente nicht auf das Risiko jedes Investments zu vergessen. Denn „grün“ heißt nicht automatisch „sicher“. 

Fazit

Die private Geldanlage ist neben einer möglichst ökologischen Lebensweise ein weiterer Beitrag, den jeder zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten kann! Mittlerweile bekennen sich auch viele Großinvestoren wie Vorsorge- und Pensionskassen zu diesem Thema und es ist auch für Privatanleger mit etwas Recherche nicht so schwierig, ein geeignetes Produkt zu finden.

Quellen:
Oliv Magazin, Printausgabe 06/2017
http://www.nachhaltig-investieren.org
https://www.umweltzeichen.at/

Bilder/Fotograf: 
Photos von rawpixel bei Unsplash

Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. 2015 hat sie auch ein Kochbuch zum Thema „Clean Eating“ geschrieben.

 

1 Kommentar

  1. Was hier auch wichtig wäre zu erwähnen: Es gibt jetzt endlich auch in Österreich eine grüne Bank und zwar in Oberösterreich. Ich wechsle gerade. Die Konditionen sind wie bei einer „normalen Bank“, nur dass jeder Euro grünen und sozialen Projekten zugute kommt: Sonnenstrom, Projekte für Kinder, ökosoziale Gemeinschaftswohnprojekte, Biostoffe aus fairem Handel etc. Ich bin begeistert, dass es endlich auch bei uns so etwas gibt!

    Man muss dafür auch nicht nach OÖ übersiedeln, denn es läuft alles über den Postweg und übers Telefon. Die Mitarbeiter sind wahnsinnig freundlich, offen und man fühlt sich dort als Mensch, nicht als Kontonummer.

    Raiffeisenbank Gunskirchen, http://www.umweltcenter.at

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