Social Entrepreneurs, fair trade und alternative Vermögensbildung sind  Antworten auf das reine Renditendenken. Es ist nicht leicht, sich im Becken der Haie zu behaupten, aber der Markt mit dem guten…

Social Entrepreneurs, fair trade und alternative Vermögensbildung sind  Antworten auf das reine Renditendenken. Es ist nicht leicht, sich im Becken der Haie zu behaupten, aber der Markt mit dem guten Gewissen scheint zu wachsen. Es ist aber auch nicht alles so sauber, wie es sich präsentiert.

Delphine im Haibecken

Die alles verschlingenden Finanzhaie scheinen sich gegenseitig aufzufressen, oder bereits kein Futter mehr zu finden. Es gibt jedenfalls bereits eine Fülle kluger Delphine, die gelernt haben, dass der bisherige Weg der Marktwirtschaft, der Produktion und des Handels keine wirkliche Zukunft haben. Die großen Konzerne und die großen Banken können oft nur noch überleben, weil die Staaten sie krampfhaft stützen. Zu groß um zu sterben? Es kommt auf den Versuch an.

Die oft noch jungen Unternehmer mit nachhaltigen Konzepten gehen mit großem Idealismus ans Werk und versuchen auf einem Markt, auf dem es bisher nur noch ganz wenige Stände der ganz Großen gab, einen Platz zu finden (http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-04/soziales-unternehmertum).

Es ist schon ein Anachronismus, dass in einer freien Welt, über 200 Jahre nach der französischen Revolution und der Aufklärung diese längst wieder zum Absolutismus übergegangen war, einer Zeit eines neuen Raubtierkapitalismus, des Kolonialismus und der Sklavenhaltung. Immer wieder müssen die Menschen sich gegen Raubritter und eine verschworen Schicht von Feudalherren zur Wehr setzen. Und immer wieder wird den treuen Untertanen erst sehr spät klar, wie sehr sie ihre Seelen verkauft hatten. Dieses Erwachen geschah bisher dann, wenn das jeweilige System, die „Kultur“ zusammenbrach. Dieses Mal ist der Schaden, den die „Kultur“ angerichtet hat größer, als je zuvor. Dieses Mal ist sie dabei, die ganze „Um“-Welt mit in den Untergang zu reißen. Auffällig, ja eigentlich entwicklungsgeschichtlich logisch ist, dass dieser Kollaps einer Kultur immer auf der Höhe eines hochspezialisierten Systems passiert. Diese Systeme sind aber auch immer durch eine extreme Machtkonzentration gekennzeichnet, gerade so, wie die unglaubliche Macht der Banken und Global Player Anfang des 21. Jahrhunderts.

Die kleinen Stände auf dem Markt verdrängen langsam die großen

Über 60 Jahre hat sich ein System etabliert, das zwei weltumspannende Kriege benötigte, um die Claims abzustecken und sich zu etablieren. Mit Hilfe der jeweiligen Staaten sicherten sich die großen Konzerne den Zugriff auf die wesentlichen Rohstoffe und den Weltmarkt. Geblendet von der Fülle der den Markt überschwemmenden Waren und Güter folgten die Bürger, wie der Hund der Wurst in die absolute Falle. Sie vertrauten all ihre Arbeitskraft, ihr Kapital den Regierungen an, die es an die großen Konzerne und die diese finanzierenden Banken weiterreichten. Jeder Mensch, der in irgendeine größere Stadt reist und dort im Zentrum „shoppen“ geht, trifft dort überall auf die gleichen Ladenketten, der lokale Einzelhandel ist, wenn überhaupt noch vorhanden, an die Ränder verdrängt. Gleichzeitig werden Scharen von mittelständischen Betrieben als Zulieferer der großen Konzerne versklavt. Strauchelt ein Großer, reißt er jedes Mal eine Vielzahl kleiner mit in den Untergang. „Zu groß, um zu sterben“ ist zu einem Begriff geworden, der die Staaten nötigt, mit allen Mitteln – aus der Steuerkasse – zu Hilfe zu eilen. Die Lenker dieser Megakonzerne werden an der Hilfsaktion nicht beteiligt. Den Schaden hat der Bürger, so oder so.

Diese Bürger jedoch spüren immer stärker eine Entfremdung gegenüber diesem System. Ihre einstmals heimischen, nationalen Firmen haben sich von ihnen entfernt. Die Arbeitsplätze befinden sich nicht mehr in unseren Staaten, die Firmenchefs sind unpersönlich zu stetig wechselnden Managern geworden und Steuern zahlt der Konzern nach Möglichkeit auch nicht mehr.

Die Antwort auf dieses verloren gegangene Gefühl der Zugehörigkeit zu den einstmals nationalen Namen, die Antwort auf den verloren gegangenen Kontakt zu den Unternehmen und ihren Produkten, die oft von weither reimportiert werden, ist das Aufleben lokaler, regionaler Produktion.

Gleichzeitig wächst die Entfremdung gegenüber der Politik, die diesen Absolutismus unterstützt.

Die Energiewende ist die Chance zum Wechsel

Auf den gefühlten Druck der Bürger, aus Entsetzen über den GAU im fernen Japan hat die Kanzlerin die Energiewende eingeleitet, die Rückkehr zu einer „rot-grünen Politik“. Damit hat sie auch die schleichende Entmachtung ihrer Partei, des gesamten politischen und wirtschaftlichen Systems begonnen, einen ungewollten, schleichenden Selbstmord. Natürlich zeigt sich sofort, dass diese Diener der Konzerne unfähig sind, einen freien Markt zu organisieren, die Wünsche der Menschen aufzunehmen. Die schon seit Jahrzehnten gewachsene grüne Welle haben sie milde lächelnd übersehen und werden nun von dieser hinweggeschwemmt.

Noch versuchen sie die Großen zu retten, wollen E.ON, RWE und Co. helfen und schnell auf Kosten der Bürger neue Stromautobahnen schaffen. Sie schaffen eilig Gesetze, die Mieter entrechten und Eingriffe in die Natur gestatten. Alles, damit sie ein Chaos, einen Wildwuchs in der Energieerzeugung verhindern. Doch der Aufstand der lokalen und regionalen Gesellschaften, der dezentralen Strom- und Wärmeerzeuger hatte schon längst begonnen. Inzwischen beschäftigen die vielen kleinen grünen Unternehmen – natürlich national betrachtet – mehr Menschen, als die international agierenden Monopolisten (http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-01/arbeitsmarkt-gruene-technologien).

Noch spricht man in den Absolutismus gewohnten Regierungskreisen nur mit Vertretern der bisherigen Marktmacht über die Wege in eine grüne Zukunft. Doch diese sind hier völlige Laien und zudem nicht interessiert. Die Kompetenz, nämlich der Kontakt zum Volk und zur Realität befindet sich nicht mehr in Reichweite dieser Regierungen. Die Arroganz gegenüber den „grünen Spinnern“, dem einfachen Volk, ja dem Plebs wird sich nun rächen. Der Wechsel ist längst da, das bürgerliche Zeitalter, das Zeitalter der Ausbeutung von Mensch und Natur ist – hoffentlich – endgültig vorbei. Da hilft es auch nicht, wenn eine trotzige Kanzlerin mitten im Strom verharrt. „It was the economy, stupid!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*