Es wird immer deutlicher, dass Nachhaltigkeit unter Beibehaltung des industriellen Wirtschaftssystems nicht möglich sein wird. Wissenschaftler und Ingenieure versuchen fieberhaft Möglichkeiten dafür zu entwickeln, doch konservieren sie dabei nur das…

Es wird immer deutlicher, dass Nachhaltigkeit unter Beibehaltung des industriellen Wirtschaftssystems nicht möglich sein wird. Wissenschaftler und Ingenieure versuchen fieberhaft Möglichkeiten dafür zu entwickeln, doch konservieren sie dabei nur das bestehende Problem. Sie alle fühlen  die Wahrheit, doch fürchten sich, das zuzugeben.

 

In der scheinbaren Freiheit verlieren sich die positiven Kräfte

Den Menschen des 21. Jahrhunderts wird immer noch vorgegaukelt, das sie frei seien, Herr über sich selbst und ihr Lebensglück. Dabei sind sie mindestens so unfrei, wie die Sklaven im römischen Reich. Sie beuten sich allerdings nun selbst aus, und zwar grenzenlos und ruinieren dabei nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitwelt. Der überwiegende Teil der Bevölkerung in den Industriestaaten leidet unter Depressionen,  Burnout und Erschöpfung. Die kreativen Kräfte, die dabei verbrannt werden, führten in alle denkbaren Richtungen, ohne ein gemeinsames Ziel. Kluge Köpfe wühlen sich förmlich in die Lösung von Detailproblemen, ohne zuvor ein Konzept zu entwickeln, wie ihre neue Schöpfung in ein nachhaltiges Ganzes hineinpassen könnte.

Gleichzeitig scheint es so, dass alle Ansätze zu nachhaltigen Lösungen auf Spielwiesen entwickelt werden dürfen, zugewiesen von der Politik, die ihrerseits in totaler Abhängigkeit von den großen Konzernen und Banken nur deren Wohlergehen im Auge hat. Dabei ist allen Akteuren nur zu sehr bewusst, dass die unbedingt ab sofort erforderliche Umkehr zu einer nachhaltigen Entwicklung eine radikale Abkehr von der vorherrschenden Politik verlangt. Ein „weiter so“ mit ein wenig verbesserten Details verschlimmert das Problem aber nur und bringt keine Lösung. Der Philosoph Byung-Chul Han konstatiert, dass nur ein Desaster die Menschheit noch retten kann.

 

Rousseaus 300ter Geburtstag, 250 Jahre Traum von Nachhaltigkeit

Jean-Jacques Rousseau hatte bereits 1762 in seinem Gesellschaftsvertrag Bedingungen formuliert, die Grundlage für ein nachhaltiges Leben hätten sein können. Seit dem und der darauf folgenden französischen Revolution hat sich an dem feudalistischen System nicht viel geändert, lediglich die Protagonisten wurden ausgetauscht. Rousseau hatte angenommen, dass der Mensch sehr wohl ein zoon politikon, ein gemeinschaftsfähiges Wesen sei. Jedoch kann dieses sich in der bestehenden Gesellschaftsform nicht entfalten. Die Umstände, die das Leben in einer friedlichen Gemeinschaft ermöglichen könnten, behindern dieses immer mehr. Mit immer perfideren Methoden verstehen es die Lenker der Wirtschaft und damit der Politik, sowohl die Disziplinargesellschaften, wie sie noch in manchen östlichen Staaten – besonders China – anzutreffen sind, als auch die neoliberalen Leistungsgesellschaften in den westlichen Industriestaaten auszunutzen. In jedem Fall ist die Arbeits- und Schöpfungskraft der Menschen dem wirtschaftlichen System, heute dem global herrschenden Kamikazekapitalismus unterworfen. In den angeblich freien Gesellschaften in einer beispiellosen Selbstunterwerfung und in den unfreien Gesellschaften noch in offensichtlicher Sklaverei.

Diese bittere Wahrheit wird aktiv verdrängt, von der heutigen Generation mit einem Traum von einer beispiellosen Transparenz, die angeblich Einblick und Kontrolle des herrschenden Systems ermöglicht. Dabei hat sich die Generation Facebook bereits mit Leib und Seele an das globale Wochenblatt, die weltumspannende Werbepostille verkauft und im Gegenteil selbst transparent gemacht, nur für die nach ihren Gelüsten gierende Industrie. Ein bitterer Start für ein Leben im globalen Konsumtempel.

 

Der homo sapiens ist ein archaisches Wesen

In seiner „Conditio Humana“ beschrieb Professor Helmut Plessner bereits Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts das Dilemma, in dem das 21. Jahrhundert steckt. Wir haben eine Million Jahre gebraucht, um einigermaßen sicher aufrecht gehend den afrikanischen Dschungel zu verlassen. In den letzten 50000 Jahren begannen wir Afrika zu verlassen und immer den Fleischbergen hinterher auch in den Norden vorzudringen. Seit 5000 Jahren siedeln wir in Städten und betreiben Ackerbau. In dieser Zeit haben wir bereits mehrere Hochkulturen geschaffen und kollabieren lassen. Gemessen an der langen Vorgeschichte also noch in der Probezeit.

Seit gut 150 Jahren haben wir begonnen Technologien zu entwickeln, die allein durch die Fülle der Kombinations- und Variationsmöglichkeiten alles bisher da gewesene in den Schatten stellen. Allein die Erfindung des Rades war ein gewaltiger Entwicklungsschub, allerdings nicht des Menschen, sondern der technischen Möglichkeiten. Seitdem sind wahrscheinlich diesem Rad genau so viele Menschen zum Opfer gefallen, wie den Kriegen, allein in Deutschland sterben daran täglich mehr als 10 Menschen.

So rücksichtslos oder eben mit den Wirkmöglichkeiten überfordert, wie auf den Straßen agiert der Steinzeitmensch bei der Produktion seiner Nahrungsmittel, bis hin zur Herstellung von Konsumgütern, die niemand jemals brauchte oder zu einem erfüllten Leben brauchen wird. Dieser Teufel, den wir aus seiner Kiste gelassen haben, hat unseren Lebensraum und uns selbst restlos verwüstet. So steht der Mensch seiner Schöpfung gegenüber, wie Faust dem Homunkulus und ist ratlos, dem zerstörerischen Treiben hilflos ausgeliefert.

 

Die Büchse der Pandora gehört wieder geschlossen

Schon während der aberwitzigen Jagd nach der Atombombe in Los Alamos befielen viele der zwangsrekrutierten Wissenschaftler Skrupel, ob dieses nicht ein Schritt zu weit sei. Einstein hatte sodann auch seine Billigung der Bombe zurückgezogen und die Menschen aufgefordert ihr Denken grundlegend zu ändern. Die angeblich friedliche Nutzung geschah dann auch genauso skrupellos, die bekannten Risiken billigend in Kauf nehmend. Wer nun für all die Schäden haften soll, ist nicht geklärt, wird nicht einmal gefragt. Ein Wesen, das nicht einmal das Rad adäquat beherrscht, soll Herr über die Kraft in den Atomen sein. Das ist eine beispiellose Hybris.

So wird der arme Steinzeitmann immer wieder überfordert, von dem Monster Technik, das er selbst geschaffen hat.

Die Krise, das Desaster ist lange schon da. Die Menschen arbeiten jetzt und ihre Kinder und Kindeskinder in aller Zukunft nur noch um unsere Schulden zu bezahlen. Dabei fragt sich offenbar niemand: „warum?“ Die finanziellen Schulden sollten und können laut Professor Graeber („Schulden, die ersten 5000 Jahre“) sofort gestrichen werden, zinslos und radikal. Die Menschen, die Bürger haben sie nicht gemacht, werden sie nicht bezahlen, alle Banken sind sinnvollerweise zu verstaatlichen.

Die Schulden an der Mitwelt und unseren Nachkommen müssen wir sorgfältig abarbeiten, mit dem nun frei gewordenen Kapital verantwortlich beheben. Wenn wir es nun nicht mehr schaffen, müssen wenigstens unsere Kinder wieder eine Welt erschaffen, in die es sich für unsere Enkel lohnt hineingeboren zu werden. Für das angerichtete Desaster müssen wir uns derweil ehrlich entschuldigen. Das sind wir der Wahrheit schuldig.

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