Nachwachsende Rohstoffe sollen in allen Bereichen fossile, endliche Rohstoffe, insbesondere Erdöl  ersetzen. Die Sorge vieler Menschen ist, dass dadurch der Hunger in der Welt nicht mehr gestillt werden kann, weil…

Nachwachsende Rohstoffe sollen in allen Bereichen fossile, endliche Rohstoffe, insbesondere Erdöl  ersetzen. Die Sorge vieler Menschen ist, dass dadurch der Hunger in der Welt nicht mehr gestillt werden kann, weil plötzlich zu viele Ackerflächen dem Anbau von Nahrungsmitteln entzogen werden. Gleichzeitig werden die Böden global systematisch unbrauchbar gemacht.

Der Umstieg auf ein nachhaltiges Wirtschaften braucht ein radikales Umdenken

Alle Debatten zu der Energiewende greifen zu kurz. Es wird ausgegangen von der aktuellen Situation, der Stromerzeugung ohne effiziente Nutzung der gesamten, eingesetzten Energie und von Großanlagen, die dann weite Hochspannungstrassen brauchen um ihre Power zu verteilen. Bei der Biomassenutzung wird vermutet, dass jeder Hektar Mais auf deutschen Äckern, der nicht zu Nahrungszwecken angebaut wird, den Welthunger steigert.
Um die Wende wirklich möglich zu machen, reicht es nicht, Großkraftwerke durch Mega-Windparks oder riesige Solar-Paneel-Flächen zu ersetzen. Das gesamte System, einschließlich der Land- und Forstwirtschaft, ja der industriellen Wirtschaft und des Verkehrs muss betrachtet werden. Dabei hilft es, dass die industrielle Landwirtschaft, die Lebensmittelindustrie ohnehin seit Jahren in der Kritik ist. Es geht grundsätzlich nicht so weiter.

Es gibt viel mehr nutzbare Anbauflächen für nachwachsende Rohstoffe als vermutet

Untersuchungen der Justus Liebig Universität Gießen haben erschreckende Schwermetallkonzentrationen auf genutzten Anbauflächen ergeben. Diese werden zwar nur für Viehfutter genutzt, doch kommt auch so das hoch giftige Cadmium auch in unsere Nahrungskette. Die gemessenen Werte, auch in den Feldfrüchten lagen mindestens zehnfach über den zulässigen Grenzwerten für Nahrungsmittel. Dies betrifft – hochgerechnet – allein fast 20 Prozent der deutschen Ackerfläche.
Aus allen derart kontaminierten Flächen können problemlos Rohstoffe für die Energiegewinnung, aber auch für die weiterverarbeitende Industrie angebaut werden. Schlimmstenfalls bleiben die Schadstoffe in einem geschlossenen Kreislauf, wenn zum Beispiel Reststoffe zur Düngung wieder auf den Acker verbracht werden. Zusammen mit den bereits degradierten Flächen ergeben sich so Millionen Hektar für eine nachhaltige Nutzung zum Ersatz fossiler – ohnehin endlicher – Rohstoffe, in der Regel Erdöl.
Da der Anbau von Energiepflanzen ohne Einsatz chemischer Düngung und Schädlingsbekämpfung erfolgen kann und vernünftigerweise grundsätzlich mit Direktsaat gearbeitet wird, werden auch die fortschreitende Erosion und natürlich die Verseuchung des Grundwassers gestoppt. In Europa sind inzwischen 40 Prozent der Ackerflächen betroffen.
Auf Spülfeldern von Kläranlagen, belasteten Flächen in der Nähe von Chemiebetrieben und auf den Schlickfeldern der Industriehäfen kann in Zukunft Energie geerntet werden. Dies zeigt auch die Studie von Dr. Sauer an der Universität Göttingen: http://www.bioenergie.uni-goettingen.de/fileadmin/user_upload/admin/Konferenz/Vortraege_24-01-12/Sauer_BiS-Tagung_Goe_24-01-12.pdf

Weizen muss nicht in den Tank, aber Cadmium auch nicht ins Steak

Kritiker einer landwirtschaftlichen Rohstofferzeugung müssen neben dem Anbau von Lebensmitteln erst einmal die Landwirtschaft wieder dazu bringen, auch wirklich nachhaltig Lebensmittel zu erzeugen. Sodann müssen diese vom Acker auch in den Verzehr gelangen und nicht auf die Müllhalde. Wenn die – bisher noch industrielle – Landwirtschaft wieder wirklich vernünftig gesunde Nahrungsmittel erzeugt, für den regionalen Markt, stehen auch in Europa plötzlich riesige Flächen, nach vorsichtigen Schätzungen mehr als die Hälfte der Anbauflächen zur Disposition. Der Landwirtwirt wird in Zukunft nicht nur zum Energiewirt, sondern auch zum Rohstofflieferanten für die Textil-, Chemie- ja Pharmaindustrie.
Das nebenbei auch die Produkte, die Lebensmittel – ohne den Einsatz petrochemischer Zusätze – wieder genießbar, gesünder werden, das Grundwasser und die Böden regenerieren, ist ein längst fälliger Nebeneffekt. Die Direkteinsaat hat sich nicht nur beim Anbau von Energiepflanzen, sondern auch bei den anderen Nutzpflanzen bewährt und wird besonders in den USA schon lange im großen Stil angewandt, nachdem gerade auf den gewaltigen Monokulturflächen der Wind den wertvollen Humus stetig abgetragen hatte. Ohne zu pflügen bleibt der Humus liegen und die starke Durchwurzelung und die Fülle an Bodenfauna machen diese Flächen ertragreicher, als die inzwischen chemieverseuchte, regelmäßig umgeworfene Scholle. Die Energiewende braucht also auch gleichzeitig eine Wende in der industriellen Landwirtschaft.

Die Entkoppelung von globalen Märkten hilft auch dem europäischen Landwirt

Weizenhandel an Warenterminbörsen, Spekulation mit Nahrungsmitteln sollten der Vergangenheit angehören. Selbst Griechenland kann geholfen werden, wenn die lokale Landwirtschaft wieder effizient, authentisch und lokale Lebensmittel für den regionalen und europäischen Markt produziert. Die europäischen Landwirte, die noch am Tropf der Industrie und der Banken hängen, können sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren, das zu Land bewirtschaften. Dabei werden sie wieder das Land wirklich pflegen können, bewahren, nachhaltig nutzen.
Ganz besonders gilt dies aber für alle Schwellenländer, ja die so genannte Dritte Welt. Riesige Flächen sind hier versteppt, durch exzessiven Rohstoffabbau vergiftet, der Lebensmittelproduktion für immer entzogen. Die Erde bietet nun aber mehr Anbauflächen, als wir auch in Zukunft benötigen werden, sowohl für Nahrungsmittel, als auch für alle anderen Produkte.
Zusätzlich sorgt ein regelmäßiger und flächendeckender Bewuchs für eine Reduzierung des Klimagases CO2, weil Pflanzen im Wachstum dieses aus der Atmosphäre entnehmen. Der positive Einfluss der Umwandlung versteppter Landschaften in „blühende Landschaften“ auf das regionale Klima ist ein weiterer wichtiger Nebeneffekt.
Der anhaltende Boom der Biolandwirtschaft sollte da auch die letzten Zweifler überzeugen können. Es lohnt sich für den Bauern mehr, nachhaltig zu produzieren, als sich von Konzernen und Spekulanten versklaven zu lassen. „it´s the economy, stupid“.

1 Kommentar

  1. Keine Rendite auf Kosten der Ärmsten
    Jeder kann auf Geldanlagen verzichten, die Mensch und Umwelt schaden! Keiner braucht Finanzprodukte, die auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren! Dafür setzt sich die Initiative handle-fair.de ein!

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