Solarstrom für Mieter: Erste Anlage in Bau.

Solarstrom vom eigenen Dach zu nutzen wird für die ersten Wienerinnen und Wiener in der Lavaterstraße dank der Zusammenarbeit von Wien Energie und der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte (WBV-GPA) schon sehr bald möglich. Thomas Beckel, Leiter der Produktentwicklung bei Wien Energie, erzählt im Interview worauf es bei der Umsetzung von Gemeinschafts-Photovoltaikanlagen ankommt.

Die PV-Anlage in der Lavaterstraße ist Wien-weit die erste Gemeinschafts-Photovoltaikanlage, wie kam es zu diesem Projekt?

Die Überlegung zu Photovoltaik in Mehrfamilienhäusern, beziehungsweise von gemeinschaftlich genutzten Photovoltaik-Anlagen, entstand schon vor Jahren. Noch bevor der Gesetzesbeschluss zu Gunsten von PV-Anlagen für Mehrfamilienhäuser ausfiel, hatten wir Kontakt mit der WBV-GPA, da hier von beiden Seiten Interesse an der Umsetzung von Gemeinschafts-Photovoltaikanlagen bei Wohnprojekten bestand. Bisher durfte der Sonnenstrom in Wohnhäusern mit mehreren Parteien nur für Gemeinschaftsflächen wie das Stiegenhaus oder den Lift verwendet werden, nicht aber in den Wohnungen selbst. Das wurde mit der Ökostromnovelle geändert.

Wieso eignete sich dieses Objekt in der Lavaterstraße besonders gut für die erst Umsetzung eines PV Mehrfamilienhauses?

Die Lavaterstraße eignet sich einerseits technisch, aufgrund der flachen und großen Dächer. Andererseits gibt es eine große Zahl interessierter Bewohner. Je mehr Wohneinheiten und Geschäfte vorhanden sind, desto größer und – gerechnet auf die erzeugte kWh – günstiger kann eine Anlage errichtet und betrieben werden. Viele interessierte Bewohner garantieren auch, dass der erzeugte Strom auch direkt vor Ort verbraucht, und nicht ins Netz eingespeist wird.

Warum setzt sich Wien Energie für die Umsetzung ein?

Photovoltaik ist eine Zukunftstechnologie, die es uns ermöglicht, mitten in der Stadt dort den Strom zu erzeugen, wo er gebraucht wird. Wir nutzen hier das Potential und treiben den Ausbau der Erneuerbaren Energien voran. Erneuerbare Energie und lokal erzeugter Strom ist zudem oft der dezidierte Wunsch vieler unserer Kunden.

Was sind die Vorteile für die Kunden?

Wien Energie kümmert sich um die komplette PV-Anlage. Die Errichtung, die Wartung, alle Einreichungen und alle Verträge. Der Kunde vor Ort muss praktisch nur noch den Strom verbrauchen. Für Strom vom eigenen Dach entfällt zudem ein Großteil der Netzgebühren sowie Steuern und Ausgaben. Kunden haben dadurch den Vorteil, lokal erzeugten PV-Strom günstiger zu beziehen als Strom aus dem öffentlichen Netz. Im Modell von Wien Energie fallen für den Bezug von Solarstrom keine Grundgebühren oder sonstige laufende Fixkosten an. Das heißt, es lohnt sich für alle Bewohner, auch für die, welche untertags nur wenig Verbrauch haben.

Wie kommen Bewohner eines Mehrparteienhauses zu einer PV-Anlage?

Dies kann auf zwei unterschiedliche Arten passieren. Entweder wendet sich Wien Energie an die Eigentümer passender Wohnhäuser oder sie wenden sich an uns. Mit den Hauseigentümern wird in weiterer Folge ein Pachtvertrag für die Dachflächen der geeigneten Wohnobjekte abgeschlossen. Danach treten wir mit attraktiven Angeboten für die Nutzung des Solarstroms an die Bewohner heran. PV-Module werden jährlich günstiger, was uns entsprechend optimistisch in die Zukunft schauen lässt.

Was sind die Schritte von der Anfrage bis zur eigenen PV-Anlage am Dach?

Im ersten Schritt wird mit dem Hauseigentümer das Potential der Wohnhausanlage geprüft und ein Pachtvertrag abgeschlossen. Danach sind unterschiedliche Einreichungen bezüglich der Umsetzung zu tätigen. Sind diese Schritte abgeschlossen, treten wir an die Bewohner des Wohnobjektsheran. Wenn genügend Interesse besteht, errichten wir die Gemeinschafts-Photovoltaikanlage.

Wie wird das Ganze verrechnet?

Kunden mit PV-Strom erhalten eine zusätzliche Rechnung für den bezogenen PV-Strom. Der Netzbetreiber – in Wien sind das die Wiener Netze – berechnet den individuellen PV-Bezug und übermittelt diesen an Wien Energie für die Erstellung dieser Rechnung. Der Verbrauch von PV-Strom verringert entsprechend den Bezug über das zentrale Stromnetz und damit die Höhe dieser Stromrechnung.

Wie viel Strom bekommen die einzelnen Haushalte von der PV-Anlage? 

Je nach verfügbarer Dachfläche, Anzahl der beteiligten Bewohner sowie dem individuellen Verbrauchsverhalten der Bewohner können künftig im Schnitt ca. 30% des jährlichen Strombedarfs aus der Gemeinschafts-Photovoltaikanlage gedeckt werden.

Wie sieht es künftig mit der weiteren Umsetzung aus? Wie viele Projekte sind diesbezüglich noch geplant?

Derzeit befinden wir uns in Gesprächen mit unterschiedlichen Wohnbauträgern. Dieses Jahr sind noch einige Projekte geplant. Bis Jahresende wollen wir rund 1.000 Wiener mit Solarstrom vom eigenen Dach versorgen.

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1 Kommentar

  1. Schönen Nachmittag,

    das ist ein sehr interessantes Projekt. Können die umliegenden Häuser sich hier auch anschließen, bzw. ist dies auch für Lavaterstraße 11 vorgesehen?

    Mfg
    Brigitte Franz

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