Geschäftsführer Rainer Rohregger im Interview.

Das Skigebiet Hochkar ist das höchstgelegene Skigebiet Niederösterreichs. Für seine Schneesicherheit ist es dank seiner hohen und nördlich ausgerichteten Lage bekannt – und nicht nur bei den Wienerinnen und Wienern beliebt. Nur 150 Kilometer liegt es von der Bundeshauptstadt entfernt. Doch wie sieht es mit der Energieversorgung im Skigebiet aus? Das haben wir Geschäftsführer Rainer Hochegger gefragt.

 

Wie sieht das Energiekonzept im Skigebiet Hochkar aus?

Gesamtheitlich gesehen macht der Energieaufwand etwa 6 bis 8 Prozent der Kosten aus, die in einem Skigebiet anfallen. Das ist auch am Hochkar so. Der größte Aufwand sind unter anderem Bereiche wie Personal, Marketing, Pachtaufwand, die Instandhaltung der Pisten. Seit Bestehen des Skigebietes, also seit über 50 Jahren, beziehen wir den Strom von Wien Energie. Das hängt mit der Nähe zum Wasserkraftwerk Opponitz zusammen. Dieses Stromnetz ist historisch für Niederösterreich sehr bedeutend.

Oft wird die Beschneiung für die Liftpreise verantwortlich gemacht. Doch wie hoch ist der Anteil der Kosten für die Beschneiung tatsächlich?

Etwa 2 bis 3 Prozent des Energieaufwands macht die Beschneiung aus. Die Kosten für die Beschneiungsanlage und für deren ständige Weiterentwicklung sind da allerdings nicht eingerechnet. Das ist natürlich ein höherer Kostenfaktor. Der Energieaufwand zur Beschneiung liegt in Wahrheit bei zwei bis drei Prozent des Gesamtaufwands. Die Leistungsfähigkeit einer modernen Beschneiungsanlage ist zwischenzeitlich so groß, dass bei entsprechenden Temperaturen in sieben Tagen die Grundbeschneiung durchgeführt werden kann und damit eine gesamte Tourismusregion und deren Infrastruktur für eine Wintersaison mit 130 Betriebstagen abgesichert ist.

Käme ein Skigebiet heutzutage überhaupt noch ohne Beschneiung aus?

Grundsätzlich gibt es bei der Beschneiung zwei Aspekte. Der eine ist, dass vor 20, 25 Jahren der Anspruch der Gäste ein ganz anderer war. Da gab es im Dezember, Jänner auf 1400 Metern auch mal grüne Wiesen im Winter. Aber die Kunden waren nicht so anspruchsvoll. Wenn man einmal nicht skifahren konnte, dann nahm man das eben in Kauf. Heute ist es Standard, dass von der Früh bis zum Abend eine Top-Pistenqualität gewährleistet ist. Das wäre ohne technische Beschneiung nicht möglich. Der zweite Aspekt, der sehr wichtig und in der Diskussion oftmals unterschätzt wird, ist, dass man mit der Beschneiung nicht nur das Skigebiet absichert, sondern diese Absicherung gleich einen ganzen Rattenschwanz an Wertschöpfung nach sich zieht: die Hotellerie, Baufirmen, Busunternehmen, …

Spielt das Thema Nachhaltigkeit in einem Skigebiet eine Rolle?

Wir sind am Hochkar Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Wir decken unseren Energiebedarf fast ausschließlich mit Strom, der aus Wasserkraft in Opponitz erzeugt wird. In Sachen Nachhaltigkeit sind wir also gut unterwegs.

Wie versuchen Sie, Ihre Energiekosten zu optimieren?

Es ist uns sehr wichtig, sensibel mit den Energiekosten umzugehen. Es ist uns in den letzten Jahren doch gelungen, Energie einzusparen. Das beginnt damit, die Beschneiungssysteme passend zu dimensionieren und Leistungsspitzen zu verhindern, und geht bis zu treibstoffsparendem Verhalten der Fahrer der Pistengeräte.

Was ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Beschneiung? 

Die Temperatur muss zumindest für rund fünf Tage unter null sein, damit wir einen guten und kalten Untergrund für die Beschneiung haben. Ist das gelungen, kann bei durchschnittlichen Wintertemperaturen kaum mehr etwas passieren.

Gibt es Pläne für einen Ausbau?

Wir sind ein gutes, feines, familiäres Skigebiet. Auch in 20, 25 Jahren wird es hier noch schneesicher sein. Wir haben am Hochkar ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und wir sind gut aufgestellt. Erweiterungen planen wir deshalb derzeit keine.

 

Fakten zum Skigebit Hochkar

Derzeit sind am Hochkar rund 80 Prozent der Pistenflächen beschneibar. Der überwiegende Teil des Energieaufwands entfällt auf Wassertransport, der natürlich stark von Geographie und Topographie abhängig ist. Viele Speicherbecken machen es möglich, Wasser aus Fließgewässern nicht mehr im Winter sondern in der Abflussstarken Sommerzeit zu entnehmen. So wird vorwiegend Schmelz- und Niederschlagswasser des eigenen Skigebiets zurückgeführt.

Ein Hektar Piste braucht ca. 15.000 kWh/Jahr – das entspricht einem Büro mit 300 Quadratmetern. Ein mittleres Hotel mit 50 Betten braucht rund 650.000 kWh/Jahr – das entspricht 43 Hektar Piste. 100 Hektar Piste haben einen Energiebedarf von 1.500.000 kWh im Jahr. Das entspricht einem Karibikflug (tour-retour) mit 200 Personen.

16 000 Besucher können im Skigebiet Hochkar stündlich an den neun Liftanlagen befördert werden. Die Liftkarten gelten dank einer engen Kooperation verschränkt auch für das benachbarte Skigebiet Lackenhof am Ötscher – und umgekehrt. Die beiden Gebiete bilden gemeinsam das größte Skiressort Niederösterreichs. Die Saison 2018 läuft noch bis zum Ostermontag.

 

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Quelle: Energieleben Redaktion

Foto: Mandl/Hinterstoder

1 Kommentar

  1. Schade dass es keinen Ausbau gibt. Zumindest der 2er-Sessellift vom Draxlerloch rauf sollte modernisiert werden. Es muss ja kein beheizter 10-Bubble sein. Sobald man ein halbwegs sportlicher Skiläufer ist, wird einem das Hochkar schnell zu klein. Ich könnte mir vorstellen, dass es ohne Ausbau / Modernisierung wird es irgendwann still um das Hochkar werden wird, denn die vielen tschechischen Gäste werden über kurz oder lang in den eigenen Gebieten kompetitive Orte haben. Und meiner Meinung nach sind es mittlerweile auch diese Skifahrer, die das Hochkar am Leben halten.

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