Schilf / Reet
Schilf / Reet
Als nachwachsender Rohstoff ist Schilf als Baumaterial sehr interessant. Speziell wenn man nachhaltig bauen möchte.

Aber wozu kann man Schilf denn verwenden? Und gibt es überhaupt so viel Schilf, dass man es sinnvoll einsetzen kann? – Das sind einige der Fragen, die zu Beginn oft auftauchen, wenn man überlegt, den nachwachsenden Rohstoff Schilf beim Bau mit einzubinden. Ich möchte hier versuchen, ein paar dieser Fragen zu beantworten.

Was ist das besondere an Schilf?

Das Schilf gehört der Familie der Süßgräser an und ist eine Sumpfpflanze. Das bedeutet, dass es in Gebieten wächst, die feucht und sumpfig sind, wie zum Beispiel die Ufergebiete des Neusiedlersees, aber auch in einigen Gebieten Norddeutschlands. Durch seinen Ursprung als Sumpfpflanze hat das Schilf die besondere Eigenschaft mit Wasser und Feuchtigkeit sehr gut umgehen zu können. Das bedeutet, dass es wesentlich später beginnt zu schimmeln als z.B. Stroh.

Des weiteren sind die Schilfhalme innen hohl und haben somit auch interessante Dämmeigenschaften. All diese Eigenschaften machen Schilf zu einem äußerst spannenden Baustoff, der – wenn gezielt eingesetzt – in bestimmten Konstruktionen Wunder wirken kann.

Dächer aus Schilf / Reet

Der sichtbarste und dadurch wahrscheinlich bekannteste Einsatz von Schilf – in dem Zusammenhang auch oft als Reet bezeichnet – ist als Dach. Dabei kommt die wasserabweisende Eigenschaft des Schilf besonders gut zur Geltung. Hierzu ist es vor allem wesentlich, dass das Schilf sehr dicht und in vielen Schichten angebracht wird. Die Ausrichtung der Schilfrohre ist ebenfalls sehr essentiell und hat Einfluss darüber, wie das Wasser abläuft.

Reetdächer halten im Durchschnitt – je nach Witterung – ca. 30 bis 50 Jahre, bevor sie erneuert werden müssen. Bei der Haltbarkeit der Dächer spielen jedoch viele unterschiedliche Faktoren eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel Dachneigung, Halmneigung, Lüftungsgewohnheiten der Bewohner, Lage in der Region, sowie regelmäßige Pflege und Reparaturen.

Reetdach

Schilfmatten als Putzträger

Schilfmatten sind mit Draht parallel verbundene Schilfhalme, die eine unterschiedliche Dichte haben können. Wird Schilf als Putzträger verwendet, wird meist nur eine Schicht benötigt, die an der jeweiligen Wand befestigt wird. Als Putz auf die Schilfmatte kann im Innenbereich zum Beispiel Lehm verwendet werden, im Außenbereich nimmt man meist unterschiedliche Mischungen aus Kalkputz, um die Wand wasserbeständiger zu machen. Geeignet ist Schilf jedoch für jeglichen Putz als Träger.

Schilf wirkt außerdem durch den hohen Luftgehalt in den Halmen speziell wärme- und feuchtigkeitausgleichend, weshalb es auch sehr gerne bei der Sanierung von Altbauten verwendet wird, die oft Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel haben.

Schilf als Dämmung

Schilfrohrmatten können in dickerer Ausführung (ca. 2-15 cm) auch als Dämmung verwendet werden. Sie sind der einzige pflanzliche Naturdämmstoff, der nicht chemisch behandelt werden muss, um verarbeitet zu werden. Die Dämmwirkung ist jedoch etwas schlechter als z.B. von Zellulose oder Schafwolle, weshalb dickere Schichten notwendig werden für eine gleiche Dämmwirkung. Außerdem ist es ein relativ schwereres Dämmmaterial, was jedoch für den sommerlichen Wärmeschutz von Vorteil ist.

Fazit

Wie bei jedem anderen Baustoff ist es auch bei Schilf wichtig, die jeweiligen Vor- und Nachteile zu berücksichtigen, und es dort einzusetzen, wo es den meisten Nutzen bringt. Außerdem sollte auch hier bedacht werden, in welcher Gegend man baut und ob es gute regionale Quellen gibt, von denen man das Material beziehen kann, ohne es hunderte Kilometer zu transportieren. Ist ein Import aus entfernten Ländern notwendig, sollte die Verwendung gut überlegt sein.

weiteführende Quellen

https://www.proklima-hannover.de/downloads/Daemmung/broschuer_altbausanierung_2014_web.pdf

Bildquellen

Beitragsbild: pixabay.com / jan_nijman
pixabay.com / estrella73

 

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