Ökologische Landwirtschaft ist besser für das Klima – allerdings auch nicht die Endlösung!

Bauern erzeugen ja nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kohlendioxid, Lachgas und Methan. Alles Klimakiller. Bio-Landwirtschaft wird oft als Lösung angegeben, doch dann hört man wieder, wie viel Methan ökologisch gehaltene Kühe produzieren. Ich wollte das genauer wissen, und habe daher recherchiert, ob und warum Bio-Nahrungsmittel für den Klimawandel besser sind als konventionelle.

Die Klimabilanz der Landwirtschaft

Die EU will bis 2050 ihre Treibhausgas-Emissionen um mindestens 80 Prozent reduzieren. Das ist ambitioniert. Als Hauptverursacher gerät natürlich auch die Landwirtschaft in den Fokus und hat so das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu einer Studie animiert. In dieser werden konventionelle mit ökologischen Betrieben verglichen und gezeigt, wo Treibhausgase freigesetzt werden. Außerdem werden gleich Möglichkeiten zur Reduktion mit eingearbeitet. Die perfekte Studie also für meine Recherche! Und das ist dabei heraus gekommen:

Auf die Fläche gesehen hat der Bio-Anbau tatsächlich eine bessere Klimabilanz als die konventionelle Landwirtschaft. Pro Hektar werden nur halb so viele Treibhausgase freigesetzt, was durch den hohen Anteil an Grünland und dem Fokus auf Fruchtfolgen und Leguminosen (Hülsenfrüchten) bedingt ist. Erbsen, Klee und Lupinen benötigen zum Beispiel keinen Stickstoffdünger. Sie binden im Gegenteil sogar den Stickstoff aus der Luft und reichern damit den Boden an. Bio-Landwirte haben meist auch einen höheren Humusanteil in ihren Böden, wodurch diese 3 Mal mehr Kohlenstoff speichern können. In Kombination mit einer besseren Bodenstruktur sowie zahlreichen Begrünungs- und Bodenbedeckungsvarianten beugen biologisch bewirtschaftete Böden daher Erosionsgefahr vor. Ihre hohe Wasserspeicherrate führt außerdem zu einer Reduktion dramatischer Auswirkungen bei Hochwasserereignissen und einer besseren Abpufferung bei zunehmenden Hitze- und Trockenperioden.

Das Tabu von Kunstdüngern und Pestiziden ist natürlich auch eine große Stärke des Bio-Landbaus. Die Produktion dieser Chemikalien verbraucht enorme Mengen fossiler Ressourcen, was wieder CO2 in die Atmosphäre freisetzt. Stark mit Stickstoff gedüngten Böden entweicht außerdem Lachgas, dessen Klimawirkung fast 300 Mal stärker ist als jene von CO2.

Auch das Bestreben ihr Futter selbst herzustellen oder von Partnerbetrieben einzukaufen macht Biobauern zu Klimaschützern. Für herkömmliche Milch- und Fleischerzeuger wird oft Soja aus Übersee importiert, wofür Regenwald gerodet und damit Lebensraum zerstört wird.

Greenpeace hat verglichen: ein Kilogramm konventioneller Weizen verursacht so viel CO2 wie eine 3,4 Kilometer lange Autofahrt mit einem BMW 118d. Beim Bio-Weizen hingegen sind es nur 1,5 Kilometer. 10 Liter Milch, die für die Herstellung von einem Kilogramm Käse nötig wären, entsprechen 71 Kilometern (konventionell) oder 66 Kilometern (ökologisch).

Die Kehrseite der Medaille

Doch leider ist tatsächlich auch in der Öko-Landwirtschaft nicht alles “prima Klima”. Bei der produktbezogenen Berechnung, also der Bilanz pro Kilo erzeugtem Lebensmittel, schneidet sie oft nicht besser ab als die konventionelle Landwirtschaft.

Das klingt zuerst einmal paradox, liegt aber an den geringeren Erträgen pro Fläche und Tier. Außerdem fahren auch Bio-Bauern Traktoren, die Kraftstoff verbrennen. Zum Teil ist der Maschineneinsatz im Bio-Anbau sogar noch intensiver, denn während der konventionelle Landwirt mit Pestiziden arbeitet, muss sein Bio-Kollege den Acker pflügen, um dem Unkraut Herr zu werden – häufig sogar mehrmals. Das verbraucht Diesel und setzt auch dem Boden zu. Und was ohnehin schon öfter diskutiert wurde: Bio-Kühe fressen viel Futter mit hohem Gehalt an Rohfaser und stoßen daher mehr Methan aus. 

Es stimmt also leider: die Bio-Landwirtschaft alleine kann das Problem Klimawandel nicht lösen. Tierische Produkte bedeuten immer relativ viel Energie-Input bei wenig Output. Butter und Rindfleisch sind hier Spitzenreiter, das ist leider auch bei biologischen Produkten so. Ohne Verzicht (oder flächendeckender Reduktion) geht es also vermutlich nicht!

Quellen:
https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Klimawandel/_Texte/LandwirtschaftUndKlimaschutz.html
https://www.eve-magazin.de/sites/default/files/onlinemagazin/2017/6/index.html#1
https://www.oekonews.at/?mdoc_id=1094055
https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/klimaschutz/bio-gut-fuers-klima
http://www.bio-austria.at/bio-austria-rolle-der-landwirtschaft-in-der-klima-thematik-nicht-unterschaetzen-22-01-2016/

Bilder/Fotograf: 
Photo von Kyle Ellefson auf Unsplash
Photo von Thomas Pierre auf Unsplash

Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform und hat 2015 auch ein Kochbuch  zum Thema „Clean Eating“ geschrieben.

2 Kommentare

  1. Nun…. da sind wir bei dem Thema, das ICH seit JAHREN schon anspreche, wieder und immer wieder….. WIR VERBRAUCHER bestimmen mit UNSEREM KAUFVERHALTEN den Markt, ergo ist es AN UNS endlich mal zu erkennen, was wir TATSÄCHLICH ZUM LEBEN BRAUCHEN. Dann wäre auch das Thema ÜBERPRODUKTION in ALLEN BEREICHEN erledigt…. jedoch neigen wir zur MASSLOSIGKEIT, BEQUEMLICHKEIT und EGOISMUS, denn fragst den EINZELNEN, dann sieht DER seinen ANTEIL am Weltgeschehen, und das nicht nur rein den Klimawandel betreffend, NICHT EIN…..

  2. Liebe Frau Göbl! Der Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Österreich besteht aus Dauergrünland auf Standorten welche als Ackerbau nicht Nutzbar sind. Will man auf diesen Flächen Nahrungsmittel erzeugen, geht das nur mit Tierhaltung!

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