Jakob Augstein hat natürlich Recht. Gilt: der Westen, das sind die Guten, kämpft gegen den Welt-Terrorismus, das sind die Bösen? Nein, der Westen ist der Übeltäter, der schlimmste Terrorist der…

Jakob Augstein hat natürlich Recht. Gilt: der Westen, das sind die Guten, kämpft gegen den Welt-Terrorismus, das sind die Bösen? Nein, der Westen ist der Übeltäter, der schlimmste Terrorist der letzten 500 Jahre. Man regt sich über von der IS oder sonstigen Aufständischen getötete Kinder, Frauen und Männer auf, aber die Industrienationen töten alle 10 Sekunden ein Kind und das nicht erst im Jahre 2014 sondern seit dem besagtem halben Jahrtausend. Wie unter diesen Umständen eine nachhaltige, also auch friedliche Zukunft zustande kommen soll, ist die entscheidende Frage der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Alle freundlich gemeinten Bemühungen um ökologische Reformen werden hinweggefegt, von dem immer heftiger werdenden Sturm der Wut, ja dem Hass auf den Westen, wie es Jean Ziegler stetig predigt.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-kolumne-hunger-gehoert-bekaempft-a-997476.html

Hunger, Klimawandel, Terrorismus, alles gehört zusammen

Die meisten Menschen in den alten Industrienationen wissen, dass ihr Wohlstand die Ursache für alle akuten und aktuellen Probleme ist. Die Schriftstellerin Karen Duve zum Beispiel musste sich diese Zusammenhänge bewusst machen, während sie ihren neuen Roman schreiben wollte, der im Jahre 2030 spielen sollte. Daraufhin brach sie diese Arbeit ab und schrieb stattdessen voller Wut ein Sachbuch mit dem Titel: „Warum die Sache schiefgeht: Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen“( http://taz.de/Buch-ueber-den-globalen-Kollaps/!147901/). Ähnliche Bücher, wie jenes der Amerikanerin Rebecca Costa (Kollaps oder Evolution), des Inders Pankaj Mishra (Aus den Ruinen des Empires), und natürlich von Peter Scholl-Latour (Der Fluch der bösen Tat) hatte ich bereits vorgestellt
Aktuell sind mehr Menschen auf der Flucht, als jemals zuvor auf diesem Planeten, über 50 Millionen Menschen. Nimmt man die fast eine Milliarde der akut vom Hungertod bedrohten hinzu, könnte eine Welle von entwurzelten und wütenden Menschen den Westen überschwemmen, schlimmstenfalls zu einer unerschöpflichen Quelle für alle terroristischen Gruppen werden. Ein globaler Guerillakrieg, vielleicht auch unter radikalen religiösen Vorwänden, wie aktuell in Afrika und dem Nahen Osten droht, die Welt zu zerreißen. Unter diesen Umständen ist es völlig egal, ob in den Wohlstandsstaaten nun der Strom aus Wind und Sonne kommt, alle mit Elektroautos unterwegs sind und sich alle vegetarisch ernähren. Im schlimmsten Fall werden sie Haus und Hof und vielleicht auch ihr Leben verlieren. Die Zeichen stehen jedenfalls auf Sturm.

Wollen die Menschen nichts ändern, oder können sie es nicht?

Alle psychologischen und soziologischen Untersuchungen kommen stets zu dem Schluss, dass die Menschen in den industriellen, also kapitalistischen Gesellschaften kaum in der Lage sind, trotz des Wissens um die globalen Probleme etwas Grundlegendes zu verändern. Die meisten – Menschen – sind derartig mit den eigenen Alltagsproblemen beschäftigt, dass kaum Zeit – und die Muße – bleibt, eine Strategie für eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln. Der weitaus größte Teil des menschlichen Gehirns ist erst einmal damit beschäftigt, den jeweiligen Organismus zu organisieren und „zu steuern“. Der „freie“ Bereich muss sich sodann damit beschäftigen, in dem jeweiligen unmittelbaren Umfeld eine ausgewogene Balance zu erreichen, aus purem Eigeninteresse, damit es dem jeweiligen Menschen „gut geht“. Erst hierbei kommen aber auch die Personen des Umfelds in den Fokus, weil das Gehirn gelernt hat, dass es der Einzelperson in einer Gruppe nur dann gut geht, wenn das für die anderen Mitglieder auch zutrifft. Letztlich also ein im Laufe der Evolution erlerntes altruistisches Sozialverhalten.
Dieses Streben nach der Harmonie in der Gruppe wird allerdings massiv durch das kapitalistische Wirtschaftssystem gestört. Dieses verlangt quasi ein Denken und Handeln „jeder gegen jeden“, fördert also ein absolut egoistisches und damit asoziales Verhalten. Diese „Dissonanz“ zwischen dem erfahrenen alten Wissen – Altruismus ist gut für alle Beteiligten – und der Anforderung in der Gesellschaft belastet die Menschen, bis hin zu gesellschaftlichem Absturz, Depressionen oder völlig irrationalem Verhalten, seelischen Störungen, dem beschriebenen Agieren der Psychopathen. Jeder Wunsch, ja jedes Eintreten für eine Veränderung wird sofort mit aller Macht und notfalls mit Gewalt bekämpft.

Müssen wir also sehenden Auges in die Katastrophe laufen?

Kluge Menschen, wie aktuell der französische Professor für Politikwissenschaften, Bruno Latour, beschäftigen sich in gewaltigen Wortgebirgen, einem Buch mit dem Titel „Existenzweisen“, mit Möglichkeiten, den Zwängen des Systems zu entkommen und einen Weg in eine nachhaltige Zukunft zu finden. Da er sich jedoch, wie fast alle „Wissenschaftler“ innerhalb des Systems bewegt und hier auch verharrt, findet er am Ende keine wirkliche Lösung, sondern nur Wege zu einem Prozess, der schrittweise „weiter gedacht“ werden muss. Inzwischen jedoch wird die Gegenwart diesen Prozess zerstört haben, Klimawandel, Massenflucht und Immigration und schließlich globale Kriege gegen und unter terroristischen Gruppen machen jeden Versuch, das System zu befrieden, zu einer harmonischen Balance zu gelangen, zunichte.
Wir stehen also nun, im 21. Jahrhundert und gerade 16 Jahre vor 2030, an dem Punkt, den die Cree-Indianer vorhergesagt haben sollen, wir erkennen, dass wir Geld nicht essen können. Die Lösung des Problems kann offensichtlich nur in der Befreiung von den Zwängen des kapitalistischen Systems liegen. Das ist dann die tatsächliche Freiheit, von der immer gesprochen wird, die Karl Marx völlig zutreffend als „Einsicht in die Notwendigkeit“ beschrieben hatte.
Wenn endlich alle Menschen sich an welchem Ort auch immer, achtsam und respektvoll um das Wohlergehen ihrer Gemeinschaft, einschließlich der gesamten Mitwelt kümmern, muss es an keinem Ort der Erde weiterhin Hunger geben, niemand vor irgendetwas fliehen und das Raubtier Kapitalismus in sich zusammenfallen, weil ihm jede „Energie“ entzogen wurde. Allein der völlige Verzicht auf die Nutzung von Erdöl, Erdgas, Kohle und Kernenergie, wird sofort jede „Wut“, jede zerstörende Energie aus dem gesamten Nahen Osten ziehen. Selbst eine Gruppe, wie der „IS“ muss dann kapitulieren und seine „Kämpfer“ können nach Hause gehen, zu ihrer Gruppe, ihrer Heimat, in der sie ein wichtiger Bestandteil der dortigen „Mitwelt“ sind.

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