Und welche Auswirkungen haben Berührungen auf uns und unseren Körper?

Jeder Mensch benötigt neben Nahrung, Wasser und Schutz unter anderem auch körperliche und emotionale Nähe, damit seine Grundbedürfnisse befriedigt sind. Durch Berührung wird die Bildung von Oxytocin – dem sogenannten Beziehungs- oder Kuschel-“Hormon“ – im Körper angestoßen. Die Wirkung von Oxytocin trägt auf vielen Ebenen zu mehr Balance bei, wobei erst in den letzten Jahren stärker erforscht wird, welche – durchwegs heilsame – Auswirkungen Berührungen und Nähe tatsächlich auf Körper, Geist und Seele haben.

Das Leben beginnt mit Berührung

Die ersten Erfahrungen die die meisten von uns als Baby machen ist die der Berührung durch unsere Eltern. Durch die körperliche Nähe wird Oxytocin ausgestoßen und die Verbindung zwischen dem neuen Menschen und deren Eltern aufgebaut und gestärkt. Wie oft passiert es, dass ein Baby schreit, weil es gehalten oder getragen werden möchte? Daran erkennt man schon sehr früh dieses starke Bedürfnis nach Nähe.

Auch als Erwachsene

Auch wenn es in unserer Gesellschaft ab einem gewissen Alter stark abnimmt „normal“ zu sein, dass wir uns berühren, verschwindet dieses Bedürfnis auch für Erwachse nicht. Es wird uns jedoch sehr oft beigebracht, dass es sich nicht gehört, anderen so nahe zu kommen, dass wir nicht so anhänglich sein sollen, oder noch abwehrendere Einstellungen zu dem Thema.

Berühren darf man nur den Partner oder die Partnerin und vielleicht auch die Eltern. Oder bei Frauen vielleicht sogar noch die beste Freundin. Aber auch hier sind nur bestimmte Berührungen wie Umarmungen oder in manchen Fällen Händehalten.

Berührungen auch mit FreundInnen kann sehr schön sein - Photocredit: freepik.com/freepik
Berührungen auch unter FreundInnen kann sehr schön sein – Photocredit: freepik.com/freepik

Im Paartanz findet man ebenfalls eine der wenigen gesellschaftlich anerkannten Formen der Berührungen, die potentiell auch mit anderen Menschen als dem eigenen Partner akzeptiert ist.

Nähe und Berührung nicht nur in der Partnerschaft

Seit einigen Jahren werden jedoch immer mehr Stimmen laut, die sich auch für gefühlvolle Berührung und Nähe außerhalb der Partnerschaft stark machen. Aus diesem Trend wurden diverse Situationen erschaffen, die speziell die nicht-sexuelle Berührung zwischen Menschen ermöglichen und sogar in den Vordergrund stellen. Wobei zur Klärung vorweg genommen werden muss, dass bei jedem dieser Angebote die Kleidung zu jedem Zeitpunkt anbehalten wird.

Das kann zum Beispiel in größeren Gruppen durch sogenannte organisierte Kuschel-Partys oder auch „Spaß-Raufen“ (Play-fights) ausprobiert werden, oder auch alleine mit einem beauftraten Kuschel-Partner in Form von Einzelsitzungen. Inzwischen gibt es sogar seit mehr als einem Jahr auch einen Verein im deutschsprachigen Raum, der die Vermittlung sowohl von Informationen über das Thema, als auch die Vermittlung von Kuschel-Partnern anbietet. Vor vier Jahren ist außerdem ein Buch mit dem Titel Kuschel dich glücklich am Markt erschienen, das sich dem Thema annimmt.

Auch Füße brauchen Berührung - Photocredit: cuddlers.net/Iza Hegedüs
Auch Füße brauchen Berührung – Photocredit: cuddlers.net/Iza Hegedüs

Aber warum sollte man das tatsächlich machen?

Viele Menschen haben so ein starkes Nähe-Defizit, dass ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie hier ein Bedürfnis haben, und dass man das auch ohne Intimität mit dem Partner bzw. der Partnerin befriedigen kann. Andere haben aufgrund diverser Lebensumstände keine oder wenige Menschen in ihrem Leben, die dieses Bedürfnis erfüllen können. Für all diese Menschen sind diese Angebote gedacht.

Positive Auswirkungen von Berührung

Einige Untersuchungen zeigen, dass Berührung und körperliche Nähe unterschiedliche positive Auswirkungen haben kann. Sie steigert unter Anderem das physische Wohlgefühl, was sich zum Beispiel durch einen gesenkten Blutdruck oder niedrigeren Stresslevel bemerkbar macht.

Ein weiterer spannender Aspekt ist, dass regelmäßige Berührung den Zusammenhalt einer Gruppe oder eines Teams stärken kann, und sowohl Vertrauen als auch das Gefühl von Sicherheit verstärkt. Daraus ergibt sich in weiterer Folge, dass Menschen mit viel Nähe und Berührung seltener zu Gewalt neigen, weniger aggressiv und daher meist emotional stabiler sind.

Das Kuscheln in der Partnerschaft ist sehr wichtig. - Photocredit: freepik.com/freepik
Das Kuscheln in der Partnerschaft ist sehr wichtig. – Photocredit: freepik.com/freepik

Fazit

Während der letzten Jahre durfte ich vermehrt in den Genuss kommen, mit unterschiedlichen Menschen platonisch in enge Nähe und Berührung zu kommen. Durch diese Erfahrung kann ich auf jeden Fall sagen, dass mich dieses Kuscheln sehr oft beruhigt und tatsächlich eine stärkere Verbindung zu diesen Menschen aufgebaut hat, als dies jemals durch Worte alleine möglich gewesen wäre. Mein Leben hat dadurch an Tiefe und Qualität gewonnen, die nur schwer zu messen ist.

Weiterführende Quellen:

http://iheartintelligence.com/2017/03/07/human-touch
http://cuddlers.net/
http://www.kuschel-buch.de/
http://www.rauf-buch.de/

 

Bildquellen:

Beitragsbild: Familie / Designed by Freepik
Bild 1: Freundinnen / Designed by Freepik
Bild 2: Kuschel-Beine  / cuddlers.net (Iza Hegedüs)
Bild 3: Pärchen / Designed by Freepik

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