Der weltweite Fleischkonsum führt nicht nur zu einer weltweiten Erhöhung der Cholesterinproduktion, sondern auch zu einer erhöhten Lederproduktion. Das Überangebot an Tierhäuten zusammen mit der günstigen und schnellen Methode der…

Der weltweite Fleischkonsum führt nicht nur zu einer weltweiten Erhöhung der Cholesterinproduktion, sondern auch zu einer erhöhten Lederproduktion. Das Überangebot an Tierhäuten zusammen mit der günstigen und schnellen Methode der Chromgerbung haben zu einer Massenproduktion von Lederwaren beigetragen, die schon längst keine teuren Luxuswaren mehr sind (mit Ausnahme der riesigen Taschen, die in der zierlichen Armbeuge von Miss Hilton baumeln oder den Schuhen, die von den Damen aus „Sex and the City“ in die Kamera gehalten werden. Es dürfte klar sein, dass man hier weniger das Material an sich bezahlt.)

Hohes Umweltverschmutzungspotential bei der Lederproduktion

Nachdem Rind oder Wasserbüffel das Fell über die Ohren gezogen wurde, macht es einen sehr großen Unterschied, an welche Gerberei dieses weitergegeben wird und wie das Leder später gefärbt wird. Laut deutschem Umweltbundesamt fallen im Schnitt bei der Produktion von 500 Kilogramm Leder bis zu 250 Kilogramm Chemikalien an (1). Die europäischen Umweltauflagen sind relativ streng. Toxische Abwässer müssen vorgeklärt werden, bei der Chromgerbung soll das Schwermetall in einer Rückgewinnungsanlage wieder aufbereitet werden. Und doch leiten auch in Europa einige wenige Betriebe laut Umweltbundesamt die Abwässer direkt in Oberflächengewässer.

Probleme der Chromgerbung

Damit beispielsweise dem Bayern nicht irgendwann mal die Lederhosn in Fetzen ums Wadl hängt, muss die Tierhaut gegerbt werden. Gerbstoffe vernetzen Kollagenfasern in der Haut und machen sie so resistent gegen mikrobielle Zerstörung. Über die Hälfte des weltweiten Leders wird in Schwellen- und Entwicklungsländern wie China oder Indien gegerbt. Gerbereien, die sich um Umwelt- und Sicherheitsstandards bemühen gibt es hier, doch sind sie in der Minderheit. Von den 220 Gerbereien in Kanpur beispielsweise haben nur 80 Chromrückgewinnungsanlagen (2).

Die sogenannte „mineralischen Gerbung“ mit Chrom, die weltweit zu 90 Prozent eingesetzt wird, hinterlässt Spuren in der Umwelt und auf unserer Haut. Chromverseuchte Schlämme führen zu Ernteausfällen (1). Immer mehr Menschen Entwickeln eine Allergie gegen Chromat (Chrom VI), welches in Verbindung mit Wasser oder Schweiß aus dem zur Gerbung verwendeten Chrom III entstehen kann und krebserregend ist. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung reagieren allein in Deutschland eine halbe Millionen Menschen empfindlich auf diesen Stoff. (3)

Bei Arbeitern, die Chrom über die Haut oder die Atemwege aufnehmen, kommt es zu schweren gesundheitlichen Schäden teilweise mit tödlichem Verlauf (2). Zudem muss das Schwermetall erst unter hohem Energieaufwand gewonnen und aus Südafrika oder Simbabwe zu den Verarbeitungsstätten transportiert werden. Die Liste der schädlichen Stoffe in Lederwaren ist im Allgemeinen lang, vom Flammschutzmittel bis hin zur Oberflächenbeschichtung. (4)

Pflanzlich gegerbtes „Bioleder“

Der Begriff „Bioleder“ ist gesetzlich nicht definiert. Doch gibt es Hersteller, die den Schadstoffeintrag auf ein Minimum reduzieren und auf gesundheitsgefährdenden Stoffe verzichten. Gegerbt wird hier beispielsweise mit Backpulver und pflanzlichen Mitteln wie Tara, Valonea oder Rhabarber. Hinzu kommen schwermetallfreie Farben und der Verzicht auf Konservierungsstoffe und die schädliche Oberflächenbeschichtung.

Mit dem Abzeichen „Standard Naturleder“ setzt der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) strengste Kriterien bei Lederprodukte an. Dabei wird die gesamte Produktionskette überprüft. Alle Verarbeitungsstufen müssen über eine zweistufige Kläranlage verfügen, Gentechnik und chemische Konservierungsstoffe sind genauso ausgeschlossen wie lösungsmittelhaltige Beschichtungen. Die Chromgerbung ist konsequenterweise verboten.
 Das Siegel „garantiert schadstoffarm“ des Herstellers Ecopell garantiert noch strengere Kriterien.

Händlerlisten kann man jeweils sowohl vom IVN (www.naturtextil.com) als auch von Ecopell (www.ecopell.de) erhalten.
 Doch sind diese „Bioleder“ leider noch Nischenprodukte. Aber wie sehe ich als Verbraucher beispielsweise einem Schuh an, dass er wenigstens kein giftiges Chromat freisetzt?

Leder-Siegel – Chromgerbung, aber kein giftiges Chromat

Es gibt noch andere Siegel für Leder, die den geringen Schadstoffanteil anzeigen. Sie erlauben die Chromgerbung. Allerdings dürfen bestimmte Grenzwerte an Chrom III im Endprodukt nicht überschritten werden und Chromat darf überhaupt nicht nachweisbar sein. So ist es beispielsweise bei der EU-Blume geregelt. (5). Darüber hinaus enthält Leder mit diesem Label keine allergenen, krebserregenden, erbgutverändernden oder umweltgefährdenden Farbstoffe. Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen und bestimmte Weichmacher sind jedoch bis zu einem gewissen Grenzwert erlaubt.

Chromat darf außerdem nicht nachweisbar sein beim Siegel „SG schadstoffgeprüft“ (vom TÜV Rheinland, dem Institut Fresenius und dem Prüf- und Forschungsinstitut für die Schuhhersteller Pirmasens (PFI)), RAL-Abzeichen „Der Blaue Engel“ und beim „Öko Tex Standard“. Das Siegel „Echtes Leder“ bedeutet lediglich, dass der Lederanteil im Produkt mindestens 80 Prozent beträgt. Jedoch sagt es nichts über Schadstoffe oder Herstellungsweise aus.

Quellen:

Bildnachweis: © Dietmar Götte/pixelio.de

1 Kommentar

  1. Da wahrscheinlich nicht wikicrlh viele Leser wissen was Impertinenz bedeutet habe ich mal zusammen gestellt: abBedenkenlosigkeit, Dreistigkeit, Kaltschne4uzigkeit, Unverfrorenheit, Unversche4mtheit, Arroganz, Bosheit, Frechheit, Unartigkeit, Ungezogenheit, Vorwitz, Keckheit, Schamlosigkeit, UnartbbEigentlich ist das nicht der hier fcbliche Ton, aber jeder und jede pre4sentiert sich ja selbst. Niemand hat bisher das Vorhaben der eGK absicherbb genannt, jedenfalls nicht in dieser Diskussion. Aber vielleicht darf hier jeder seine eigene Meinung vertreten ohne beleidigt zu werden?Wenn nicht die Selbstverwaltung der c4rzteschaft, also gerade die, die jede Transparenz im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten verhindern um mit schlechten Leistungen nicht erkannt zu werden, das Projekt wo es nur ging behindert he4tte, dann he4tten wir schon le4ngst von den Vorteilen profitieren kf6nnen. Aber so werden weiter einerseits Milliarden verschwendet und andererseits nf6tige Leistungen gerade ffcr Tre4ger seltener Erkrankungen nicht bezahlt. Ob die Selbstverwaltung etwas anderes kann als systemplfcndernd eigene Pfrfcnde zu sichern wird sich erst noch zeigen mfcssen.Und mit den Argumenten ffcr die Karte hat sich hier bisher niemand auseinander gesetzt. Daffcr lese ich die altbekannten Unterstellungen fcber Unsicherheit und Kosten ohne jeden Beleg. Mich fcberzeugen bis jetzt die Gegner noch weniger als die Beffcrworter.

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