Abwasser und Klärschlamm können helfen Wüsten und den Klimawandel aufzuhalten.

Die klassische Volkswirtschaftslehre (VWL) befasst sich mit der „kontaminierten“ Wirtschaftsweise der westlichen Industrienationen, also dem Kreislauf von Gütern und Geldmitteln zwischen Unternehmen und Haushalten, wobei dieses nur eine finanzielle Betrachtung ist. Die Güter befanden sich stets auf einer Einbahnstraße, vom Unternehmen zum Haushalt und von dort auf den Müll.

Eine etwas treffendere Definition bietet die Wirtschaftsethnologie: „Eine Wirtschaft umfasst alle diejenigen institutionalisierten Tätigkeiten, die Ressourcen, menschliche Arbeitskraft und Techniken miteinander verknüpft, damit materielle Güter und spezialisierte Dienstleistungen auf strukturierte, repetitive Weise erzeugt, erworben und verteilt werden können“ . Bliebe noch hinzuzufügen, dass über Jahrtausende ein Kreislauf derart bestand, dass Abfälle nutzbringend eingesetzt wurden – wie zum Beispiel zum Aufbau der extrem nährstoffreichen Humusschicht „Terra Preta“.

Das, was die westliche industrielle Wirtschaft in den letzten 150 Jahren, als den angeblichen Bedarf der Menschheit produziert hat, finden wir auf gewaltigen Mülldeponien, in Form von Plastikmüll in allen Ozeanen oder in Form einer gigantischen Mitweltzerstörung überall auf der Welt. All diese Dinge hat die Menschheit offensichtlich nicht benötigt, weil sie sie sonst nicht weggeworfen hätte.

Wir müssen bei einer Betrachtung sinnvoller Formen des Lebens auf dieser Erde wieder das „Buen Vivir“ als Maßstab nehmen. Nicht das ungebremste Wachsen einer Wirtschaft, die in der Tat in der Hauptsache Müll produziert, endliche Ressourcen achtlos ausbeutet und Mitwelt und die Menschen zerstört, kann die Grundlage einer Zukunft sein, sondern ein achtsamer und respektvoller Umgang mit „allen Beteiligten“. In einer nachhaltigen Wirtschaft müssen Kreisläufe entstehen, bzw. erhalten werden.

Dass vollständige Kreislaufsysteme auch in hochtechnisierten Gesellschaften möglich sind, zeigen überall Beispiele in Gesellschaften, die – bisher – nicht in der Lage waren, sich in das Überfluss- und Wegwerfsystem einzupassen oder den Irrsinn des Systems erkannt haben, wie z.B. in der Stadt Kamikatsu in Japan  (https://www.energieleben.at/cradle-to-cradle-in-japan-eine-stadt-komplett-ohne-muell/). Überall dort, wo Menschen es schaffen, sich aus der tödlichen Umklammerung der „freien Marktwirtschaft“ zu lösen, beweisen sie, dass das Bild eines „Homo Oeconomicus“ Unsinn ist. Sie finden, als überschaubare Gemeinschaft auf sich gestellt, sehr schnell die richtige Balance in ihrer Mitwelt. Karl Polanyi hat dies in seinen Untersuchungen beschrieben, als den ganz natürlichen Anpassungsprozess einer Gruppe an die Umwelt, also die Mitwelt, der die einzig dauerhafte Überlebensstrategie darstellt. Psychologen oder Philosophen bezeichnen dieses als moralisches Handeln, es ist jedoch der Vorgang des Energieflusses, der Herstellung einer Harmonie an dem jeweiligen Ort, ob in Grönland – die Inuit – oder der Wüste – die San oder die Aborigines – der weiten Tundra oder den Prärien Nordamerikas etc., etc.

Wie so eine Harmonie wieder „hergestellt“ werden kann, wo sich zum Beispiel die Wüste schon über Jahrhunderte ausgebreitet hat, zeigt das Projekt in Unterägypten, in der Nähe der Stadt Ismailia. Hier werden alle Abwässer genutzt, um aus Wüste wieder Wälder entstehen zu lassen. Langfristig können so mit Hilfe der ägyptischen Abwässer, die sonst ungenutzt versickern würden, 650.000 ha Wald  entstehen, wo jetzt noch Wüste ist. Ähnliche Projekte gibt es auch in anderen ariden Regionen in Panama, Peru oder auch Vietnam. Da hier die Abwässer „nur“ in einem einfachen Zweikammersystem gereinigt werden, enthalten sie so viele wertvolle Nährstoffe, dass überhaupt keine zusätzliche Düngung erforderlich ist. Derartige Wälder dämmen nicht nur die Wüstenbildung ein, sondern verbessern das Mikroklima, bieten wieder „Heimat“ für zahllose Tiere und Pflanzen und lösen auch Niederschläge aus, sorgen also langfristig für ihre eigene „Wasserversorgung“. Dass diese auch noch wirtschaftlich sein können, zeigt das ägyptische Beispiel, wo hauptsächlich Edelhölzer wachsen und das noch bis zu 5mal schneller, als in Europa – eben wegen der Nähstoffe in den Abwässern und der stärkeren Sonneneinstrahlung.

Ein anderes Beispiel für eine sinnvolle Abfallnutzung ist das Konzept der hydrothermalen Karbonisierung, mit dem die Klärschlämme der Kläranlagen zu Kohlenbriketts gepresst werden. Das Konzept ist zwar 100 Jahre alt (Friedrich Bergius erhielt 1913 dafür einen Nobelpreis), aber bisher „nicht interessant“ gewesen, im Karbonzeitalter werden lieber fossile Kohle, Gas und Öl verbrannt. Das Verfahren ist hoch rentabel, weil Entsorgungskosten eingespart werden und wird von dem Entwickler Marc Buttmann in Deutschland wie „Sauerbier“ angeboten, obwohl er dafür schon zum „Düsseldorfer des Jahres 2015“ geehrt wurde. Erfolg hatte er in China, wo in Jining nun die erste Anlage gebaut wird. Dort will man aus der Nutzung fossiler Kohle aussteigen, denn Klärschlamm von einmal einer Milliarde Menschen ist eine gewaltige, nachwachsende Ressource.

Ob und wie z.B. Plastikmüll aus den Meeren je geborgen werden kann, ist eine zentrale Frage für die Zukunft. Solange noch Plastikmüll greifbar, also noch nicht im Meer gelandet ist, lässt dieser sich vielfach sinnvoll verarbeiten, als Baustoff für Häuser oder gar als Straßenbelag. Anfallen sollte er trotzdem in Zukunft nicht mehr, ist er bisher doch schon nicht mehr nur in Fischen und Vögeln zu finden, sondern längst auch in Zellen und Organen der Menschen angekommen.

Die westlichen Gesellschaften können das „alte Wissen“ nicht leugnen und nicht „abtrainieren“. Sie kämpfen einerseits mit den Prägungen aus Millionen Jahren – Jäger und Sammlerdasein – und dem Versuch diese in ein Konsumentendasein zu pressen, mit einer absurd entfremdeten künstlichen Umgebung und ebenso absurden, völlig gegen diese Prägung gestellten Lebensbedingungen. Das westliche „Sein“ wird „erforscht“ und bearbeitet in über 18.000 Fachwissenschaften. Der entscheidende Fehler bei all diesen Betrachtungen ist bisher, dass die Menschen in westlichen Gesellschaften im Rahmen ihrer „Erziehung“ geprägt, Psychologen sagen „determiniert“, werden. Ihre „Software“ wird so programmiert, dass sie in diesem Gesellschaftssystem passend funktionieren und dort ihre Erfolgserlebnisse erkämpfen müssen. Alle Schäden, die ihr Verhalten anrichtet, von den Mitweltschäden über die Kinder- und Sklavenarbeit bis zu allen Kriegen werden „ausgeblendet“. Sie sollen natürlich nur ihre uralten emotionalen Belohnungsgefühle erhalten, jedoch eben nicht unter Einbeziehung der gesamten Mitwelt, sondern in den künstlichen Kategorien des jeweiligen künstlichen Systems. Erst, wenn diese „Fehlprogrammierung“ abgestellt ist, werden wir alle wieder fähig sein, unsere Mitwelt als gleichberechtigten Partner zu erkennen und gemeinsam das „gute Leben“ zu gestalten.

Ergänzende Links:

https://www.brandeins.de/archiv/2016/einfach-machen/abwasserverwertung-aegypten-waelder-in-der-wueste-zu-schade-zum-wegkippen/

https://www.brandeins.de/archiv/2016/einfach-machen/klaerschlamm-hydrothermale-karbonisierung-terranova-energy/

http://www.natur.de/de/10/Mikroplastik-jetzt-auch-in-Speisefischen,1,0,1832.html

http://www.feelgreen.de/bauen-mit-muell-haeuser-aus-plastikflaschen-ueberstehen-sogar-erdbebentests/id_51156818/index

http://www.cleanenergy-project.de/klimawandel/umweltschutz/6812-unternehmen-plant-strassenbelag-aus-plastikmuell

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-01/plastik-umweltverschmutzung-meer-studie-weltwirtschaftsforum

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