gemeinsam
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Kennst du das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein und von ihr aufgefangen zu werden?

Egal, ob man alleine, in einer Beziehung zu zweit oder als Familie lebt – viele Menschen merken, dass sie mehr wollen in ihrem Leben. Mehr Kontakt zu anderen, und auch intensiver. Einer wünscht sich jemanden zum gemeinsam Kochen, eine Andere um zusammen im Garten zu werkeln, ein Dritter sucht einfach nur Menschen um sich auszutauschen.

Aus diesen und vielen anderen Gründen schließen sich viele Menschen zu unterschiedlichsten Gemeinschaften zusammen. Früher ging das oft automatisch in der Großfamilie oder im Dorfverbund. Heute, vor allem in Städten, liegt es an jedem Einzelnen, sich eine Gemeinschaft zu suchen. Je nachdem was man möchte gibt es unterschiedliche Arten von Gemeinschaften, die auch eine sehr unterschiedliche Intensität an Verbindung mit sich bringen.

Die Übergänge der Definitionen sind oft fließend und können sich auch überschneiden. Die Beschreibungen in diesem Artikel sollen daher in keinster Weise abgegrenzt betrachtet werden, sondern lediglich als Darstellung dienen, welche unterschiedlichen Intensitäten von Gemeinschaften es gibt.

Intentionale Gemeinschaft

Eine intentionale Gemeinschaft ist meist eine Gruppe an Menschen mit gemeinsamer ideeller Ausrichtung. Hierbei kann man auch zusammen am gleichen Ort leben, muss es aber nicht. Man hat ein gemeinsames Interesse, gemeinsame Werte oder gemeinsame Vorstellungen wie man seine Zeit verbringen möchte. Beispiele hierfür reichen von Interessensgruppen über Vereine bis hin zu diversen Wohnprojekten, die in Folge näher erklärt werden.

Wohngemeinschaft

Unter Wohngemeinschaften versteht man meist eine kleinere Gruppe an Menschen, die in einer Wohnung oder einem Haus gemeinsam wohnen. Jeder hat meist nur ein eigenes Zimmer, der Rest der Wohnung – also Küche, Bad, Wohnzimmer, etc. – werden gemeinsam genutzt. Jede Gruppe entscheidet für sich, wie intensiv das Zusammenleben sein soll. Das kann z.B. eine Zweckgemeinschaft sein, wo die Beteiligten meist aus finanziellen oder logistischen Gründen zusammenleben, aber nur die minimalst notwendige Interaktion miteinander pflegen, also Klärung der Miete, Putzen, etc.

Das andere Ende des Spektrums hierbei kann das wirkliche Zusammenleben, ähnlich oder vielleicht noch intensiver als in einer Familie, sein. Man kocht gemeinsam, unternimmt auch sonst vieles gemeinsam, hat eventuell auch eine gemeinsame Haushaltskasse womit alles gezahlt wird.

Wohngemeinschaften gibt es viele, meist sind sie aber zeitlich beschränkt auf einige Jahre, und die einzelnen Bewohner wechseln zwischendurch unterschiedlich oft.

Co-Housing

Bei dieser Form der Gemeinschaft ist das Wohnen an einem Ort ein wesentlicher Aspekt. Meist gibt es beim Co-Housing für die Beteiligten separate Wohneinheiten, die tendenziell etwas kleiner sind als typische Wohnungen, jedoch ähnlich vollständig ausgestattet. Diese sind jedoch alle miteinander verbunden, und der gesamte Hauskomplex bietet außerdem diverse Gemeinschaftsflächen um ein aktives Miteinander (z.B. gemeinsames Kochen und Essen, Kinderbetreuung, etc.) zu ermöglichen und zu fördern. Oft ist es sogar so, dass ein gewisses Zeitkontingent an Mitarbeit festgelegt ist, zu dem sich alle Beteiligten bereiterklären.

Co-Housing Pomali

Weiters werden oft diverse Ressourcen wie Autos, elektrische Geräte, Kinderspielplatz etc. gemeinsam genutzt. Das kann auch so weit gehen, dass es gemeinsame Lebensmittelbestellungen gibt, die dann zum Beispiel in Form einer eigenen kleinen Food Coop verteilt werden.

Einige Beispiele für Co-Housing Siedlungen in Österreich sind der Lebensraum, Pomali, oder das gerade neu entstehende Projekt Hasendorf, um hier nur einige wenige zu nennen. In Wien gibt es unter anderem das Wohnprojekt Wien, die Frauenwohnprojekte ro*sa, und ein Haus vom Verband Gemeinschaft B.R.O.T.

Kommune

Auch wenn Kommunen in den 70er und 80er Jahren aufgrund von einzelnen Beispielen etwas in Verruf gekommen sind, haben sie viel Potential für gelebte Gemeinschaft. Sie sind meist in einer ähnlichen Größe wie Co-Housing Siedlungen, was die Anzahl der dort wohnenden Menschen betrifft. Der wesentliche Unterschied ist jedoch die Intensität des Zusammenlebens. Meist gibt es bei Kommunen keine unabhängigen Wohneinheiten sondern nur eigene Zimmer, und oft auch ein gemeinsames Haushaltsbudget – ähnlich der Wohngemeinschaft.

Es ist der Wunsch des gemeinsamen Wirtschaftens groß, weshalb oft auch dafür gesorgt wird, entsprechende Möglichkeiten zu schaffen. Das kann über das gemeinsame Anbauen von Lebensmitteln über eine gemeinsam genutzte Werkstatt, Kinderbetreuung oder ähnliches umgesetzt sein. Diese Aspekte sieht man auch sehr oft beim Co-Housing, weshalb man Kommunen als eine Art Mischung aus Wohngemeinschaften und Co-Housing Siedlungen sehen kann.

Ökodorf

Ökodörfer sind die derzeit größte Ausprägung an bewussten, intentionalen Lebensgemeinschaften, die alle oben genannten Arten von Gemeinschaften einschließen können. Sie haben normalerweise den Anspruch an größtmögliche Selbstversorgung auf unterschiedlichsten Ebenen, sowie das Schließen von Energie- und Materialkreisläufen. Dadurch ergibt sich, dass Landwirtschaft, diverse Werkstätten, aber auch Kinderbetreuung, Schulen, etc. im Rahmen des Dorfes größtmöglich abgedeckt werden.

Aufgrund der zusätzlichen Größe im Vergleich zu Co-Housing oder Kommunen ist hier die Abhängigkeit von einzelnen Mitgliedern nicht so groß, da sie meist durch andere abgefedert werden können. Brechen also einzelne Mitglieder aufgrund von Krankheit, Abwesenheit oder Ähnlichem weg, ist das Bestehen der Geimeinschaft nicht gefährdet.

In Deutschland gibt es bereits einige Ökodörfer, wie z.B. Sieben Linden. Österreich hat hier jedoch noch nicht ganz mitgezogen.

Was haben sie alle gemeinsam?

Alle Arten von Gemeinschaften verbindet, dass es den Menschen darum geht, dass sie sich nicht vollständig zurückziehen, sondern mit anderen in Verbindung treten möchten. Es geht auch darum, sich mit anderen auseinander zu setzen, gemeinsam Entscheidungen und Lösungen zu finden und Konflikten nicht dauerhaft aus dem Weg zu gehen. Dies sind Fähigkeiten, die uns in der westlichen Welt in den letzten Jahrzehnten immer mehr abhanden gekommen sind, und nun Schritt für Schritt wieder gelernt und erarbeitet werden müssen.

Warum leben nicht viel mehr Menschen in Gemeinschaften?

Ich kenne viele Menschen, die sich wünschen, in einer Gemeinschaft zu leben. Was sie davon abhält sind großteils finanzielle Limits oder der großer Andrang bei den Projekten (oft gibt es Wartelisten). Es gibt zwar schon überraschend viele Gemeinschaftswohnprojekte, die Nachfrage scheint aber damit noch lange nicht gedeckt zu sein.

Manchmal liegt es aber auch am Wunsch, die ideale Gemeinschaft finden zu wollen, kombiniert mit der Angst davor, einen falschen Schritt zu machen, was dann doch beim Wohnort-Wechsel mit nicht unerheblichem Zusatzaufwand verbunden ist. Das lässt viele vor diesem Schritt zurückschrecken.

Persönliche Erfahrungen mit Gemeinschaften

Ich habe schon mehrmals kürzere oder längere Zeit in unterschiedlich intensiven Wohngemeinschaften gelebt, bisher aber weder in einem Co-Housing, noch in einer Kommune oder einem Ökodorf. Ich hoffe jedoch, dass sich das in Zukunft noch ändern wird.

Aus meiner bisherigen Erfahrung sind die wichtigsten Eigenschaften für ein gutes Zusammenleben die Offenheit gegenüber anderen Einstellungen und Lebensweisen, und die Bereitschaft, Konflikte anzusprechen und lösen zu wollen.

Auch wenn mir öfter die Gedanken kommen, dass ich den Schritt, in eine Gemeinschaft einzuziehen wirklich gut überlegen muss, ob es auch wirklich passt, kommt mir immer wieder eine Aussage in den Sinn, der mir einmal nahegelegt wurde:

Du kannst es nicht logisch mit dem Kopf herausfinden, ob das Leben in Gemeinschaft das richtige für dich ist und welche Gemeinschaft die richtige ist. Die einzige Möglichkeit ist es, in Gemeinschaft zu leben und es selbst zu erleben.

 

Weiterführende Quellen:

http://www.derlebensraum.com/
http://pomali.at/
https://wohnprojekt-hasendorf.at/
http://www.wohnprojekt-wien.at/
http://www.frauenwohnprojekt.info/
http://brot-verband.at/
https://foodcoops.at/
http://www.siebenlinden.de/

Bildquellen:

Beitragsbild: pixabay.com / vait_mcright

 

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