Ein Interview mit Nora S. über den bewussten Umgang mit Lebensmitteln.

Wie lebt man eigentlich wirklich nachhaltig? Jeder hat dazu einen anderen Zugang. Um diese verschiedenen Ansätze kennen zu lernen, bittet die grüne Lifestylebloggerin Mira unterschiedliche Menschen zum Interview. Deren persönliche Tipps und Zugänge zu dem Thema Nachhaltigkeit stehen dabei im Fokus.

Den Beginn dieser fünfteiligen Interview-Reihe macht Nora S. Ich kenne sie seit Beginn meines Studiums und obwohl wir immer wieder viel Zeit miteinander verbracht haben, habe ich erst kürzlich in Erfahrung gebracht, dass sie sich sehr viel mit dem Thema Lebensmittelverschwendung auseinandersetzt. Nach dem sie ihren Bachelor in Geschichte absolviert hat, studiert sie nun Geografie und befasst sich mit Themen wie Klimawandel und dem Einfluss den wir Menschen darauf haben. Was wir als Individuen gegen den Klimawandel beitragen können, erzählt sie mir im Interview. Ich treffe mich mit Nora im Prater. Es ist ein sonniger Frühlingstag und sie kommt natürlich wie immer mit dem Rad.

Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass man sich Dinge einfach ein bisschen bewusster macht. Dass man genauer drüber nachdenkt, wie man lebt, wie man konsumiert und wie man sich fortbewegt und so weiter. Also bewusst Gewohnheiten zu hinterfragen.

Wie wichtig ist es, dass sich Individuen wie du sich mit dem Thema auseinander setzen?

Sehr wichtig. Diese Debatte erinnert mich immer an Wahlen. Wenn Menschen behaupten, sie gehen nicht wählen, weil sie nur eine Stimme haben und damit können sie ohnehin nichts verändern. Aber im Endeffekt ist das Wahlergebnis die Summe aus lauter einzelnen Stimmen und genau so ist es auch, wenn jeder ein bisschen etwas zum Klimaschutz beiträgt, dann ist diese Summe ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung.

Gab es einen Moment für dich, nach dem du dich mehr mit dem Thema Lebensmittelverschwendung befasst hast?

Als ich einmal mit dem Rad am Heimweg war, habe ich gesehen wie Angestellte von einem Supermarkt mit einem Einkaufswagen voller Bananen und Pfirsiche auf dem Weg zu einem Müllplatz waren und anfingen, das alles in den Mistkübel zu leeren. Es ist sehr erschreckend wenn man das alles das erste Mal sieht und es bleibt immer erschreckend. Wenn man sich einfach mal überlegt: die Bananen werden irgendwo in Südamerika gezogen, nur damit sie hier im Mistkübel landen. Genauso wenn Fleisch weggeschmissen wird. Und so ist es natürlich mit allen Lebensmitteln. Da fällt einem das dann extrem auf, wie falsch das eigentlich läuft.

Was kann man als Konsument tun um solche Müllberge vom Supermarkt zu vermeiden?

Man kann zum Beispiel anfangen, Sachen zu kaufen die -50% markiert sind, weil sie bald ablaufen. Oder dass man die Bananen kauft, die schon braun sind. Die sind sowieso viel besser.

Wie kann man zuhause weniger Lebensmittelmüll produzieren?

Einfach mal weniger einkaufen. Man kann zum Beispiel auch Lebensmittel, die nicht mehr so frisch sind, in Smoothies verarbeiten oder in Bananenbrot. Man kann Brot einfrieren, damit es nicht so schnell hart wird, oder  Brot kurz in den Ofen tun, dann wird es auch wieder knusprig. Man sollte einfach bewusster einkaufen und sich fragen: Was brauche ich in den nächsten paar Tagen und ist es realistisch, dass ich es rechtzeitig aufbrauche? Und dann sollte man natürlich vorher die Lebensmittel verarbeiten, bevor man wieder Neue einkaufen geht.

Wie sollte man am besten mit Ablaufdaten bzw. Mindesthaltbarkeitsdaten umgehen?

Gerade Joghurt kann man recht lang essen, das weiß ich aus Erfahrung, da werden die Ablaufdaten immer viel zu früh gesetzt. Das ist ja überhaupt das Problem, dass das Ablaufdatum, das drauf steht nicht unbedingt sagt, dass das Essen nicht mehr genießbar ist.  Darum würde ich einfach mal, wenn ein Produkt „abgelaufen“ ist, es anschauen, daran riechen und es kosten. Dann merkt man ob es noch gut ist oder nicht.

Durch das Gespräch mit Nora wird mir wieder bewusst, in was für einem Überfluss wir eigentlich leben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der immer alles vorhanden sein muss, darum werden auch Berge an (Lebensmittel)Müll erzeugt. Zuhause gebe ich mein Gemüse und Obst, welches das Wochenende überlebt hat, in meinen Mixer und genieße schließlich einen gesunden Smoothie, mit Lebensmittel die kurz davor waren, weggeschmissen zu werden.

Über Mira

Auf dem Blog ROEDLUVAN berichtet Mira über ihre Versuche ein nachhaltiges Leben zu führen. Ihr Weg führt sie in fremde Länder, in die Welt der fair produzierten Mode, in die vegane Küche und in eine Plastikfreie Zone. Nebenher studiert die grüne Lifestylebloggerin Geschichte und arbeitet in einem Museum.

Bildrechte: Mira Nograsek




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