Was wir aus einem Vulkanausbruch von vor zweihundert Jahren lernen können.

Vor rund zweihundert Jahren ist der indonesische Vulkan Tambora ausgebrochen. Dies war einer der größten Vulkanausbrüche in der Geschichte unseres Planeten. Durch die Eruption wurden riesige Massen an Gestein in die Atmosphäre geschleudert. Die durch den Vulkanausbruch entstandene Aschewolke, mit einer Größe von 150 km3, und das freigesetzte Schwefeldioxid wurde von starken Winden rasch weltweit verteilt. Teilweise wurde dadurch das Sonnenlicht verdunkelt, was zu einer Abkühlung der Erdatmosphäre führte. In seinem Buch beschreibt der Klimahistoriker Wolfgang Behringer, dass es 1816, im Jahr nach dem Ausbruch, im Juli durchschnittlich 8 Grad kälter war als gewöhnlich. Das Jahr 1816 ging als Das Jahr ohne Sommer in die Geschichte ein. Der Ausbruch Tamboras veränderte also das Klima und diese Klimaveränderung hatten noch viele weitere Auswirkungen.

In Europa kam es zu Missernten und Hunger. Die Menschen waren verzweifelt und die Kriminalitätsraten stiegen deutlich. In London beispielsweise vervierfachte sich die Zahl der Verurteilungen in nur zwei Jahren. Die Sterblichkeitsrate am europäischen Kontinent nahm einen deutlichen Anstieg, nämlich 50 Prozent. Auf Grund der entstehenden Unruhen wurde die Politik vieler Länder autoritärer. Die Angst vor einem landwirtschaftlichen Defizit veranlasste mehrere Regierungen zu protektionistischen Maßnahmen und der Einführung von Zöllen. Die sozialen Unruhen führten dazu, dass viele Europäer nach Nordamerika auszuwanderten, es kam zu einer der größten Migrationsbewegungen der Geschichte. Doch auch in Amerika fanden die Auswanderer keine bessere Situation vor, heftige Regenfälle hatten auch dort einen Großteil der Ernte zerstört. Sogar für die erste weltweite Cholera Pandemie kann der Vulkanausbruch verantwortlich gemacht werden. Der Sulfatstaub den der Vulkan ausspuckte, begünstigte den Ausbruch einer Cholera Epidemie in Bengali, diese verbreitete sich in Folge rasch über die ganze Welt.

Natürlich gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen dem heutigen Klimawandel und den durch den Tambora-Ausbruch herbeigeführten Veränderungen. Damals sanken die globalen Temperaturen, heute steigen sie. Der Vulkanausbruch und seine Folgen waren nicht vorhersehbar, heute haben wir verschiedenste Methoden und Werkzeuge um Klimaveränderungen voraussagen zu können. Die globale Wirtschaft ist heute auf eine ganz andere Weise vernetzt als damals.

Doch es gibt auch erschreckende Parallelen. Eine Hitzewelle in Russland und Kanada, zwei der größten Weizenproduzenten, war einer der Auslöser dafür, dass Getreide- und somit Brotpreise stark anstiegen. Zu spüren war dieser Anstieg vor allem in der arabischen Welt. In Syrien, Ägypten und Tunesien, wo die Regierungen nicht in der Lage waren, diese Situation zu bewältigen, kam es zu Aufständen, Instabilität und im Falle Syriens zu Krieg und folglich zu Massenflucht. Heute, wie vor zweihundert Jahren, hat eine Klimaveränderung also weitreichende, langwierige soziopolitische Konsequenzen. Die Effekte die der Tambora-Ausbruch hatte, verschwanden nach etwa zwei Jahren wieder, die heutige Klimaveränderung wird nicht einfach von selbst wieder verschwinden.

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