Das klingt seltsam, ist aber dennoch möglich.

In der Südkoreanischen Hauptstadt Seoul wurde vor einem Jahrzehnt eine Stadtautobahn abgerissen, seitdem haben die Bewohner nicht nur eine neue Grünfläche bekommen, es fließt nun auch Wasser durch ein wieder freigelegtes Flussbett. Die Stadt hat dadurch an Lebensqualität gewonnen, denn nicht nur der Cheonggyecheon-Flusses fließt jetzt wieder durch die Stadt, auch der Verkehr fließt seit dem besser. Auf so manchen Strecken hat sich die Fahrzeit seit der Entfernung der Stadtautobahn sogar verkürzt. Wie das sein kann, erklärt das Braess-Paradox.

Das Braess-Paradoxon stammt vom Mathematiker Dietrich Braess, in einer Arbeit aus dem Jahre 1968 zeigt er, dass der Bau einer zusätzlichen Straße, was eigentlich die Kapazität des Straßennetzes erhöht, die Fahrtdauer für alle Autofahrer, trotz gleichbleibendem Verkehrsaufkommen, erhöht, sich die Kapazität des Netzes also faktisch verringert. Er geht dabei davon aus, dass jeder Fahrer die Strecke wählt, die für ihn zeitlich am kürzesten ist.

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Angenommen es führen zwei Straßen von X nach Y, jede dieser besteht aus zwei Teilabschnitten. Bei Straße A ist die Fahrtzeit auf dem ersten Teilabschnitt (A1) abhängig vom Verkehrsaufkommen, auf dem zweiten (A2) beträgt sie immer 45 Minuten. Bei Strecke B ist es genau umgekehrt. Die Fahrtdauer am verkehrsabhängigen Abschnitt berechnet man mit der Anzahl der Autos durch 100. Insgesamt wollen 4000 Fahrer von X nach Y kommen, sie verteilen sich automatisch gleichmäßig auf den beiden Straßen, denn so brauchen alle 65 Minuten. Sobald einer von Strecke A zu B wechselt, würde sich die Fahrtzeit auf Strecke B verlängern, was dazu führen würde, dass auch mindestens ein Fahrer von B nach A – weil man auf A ja jetzt schneller ist – wechselt.

Baut man jetzt eine Verbindung, sodass sich die Autofahrer je nach Verkehrsaufkommen entscheiden können zwischen den Abschnitten von A und B zu wechseln, würde sich die Fahrzeit für alle verlängern. Alle würden auf Abschnitt A1 ihre Fahrt beginnen, denn 4000 durch 100 ergibt eine Fahrzeit von 40 Minuten, somit fünf Minuten weniger als auf B1. Es würden sich dann auch alle entscheiden für den zweiten Teil der Strecke B2 zu nehmen, denn auch hier gilt 4000/100 ist 40 Minuten und somit kürzer als die 45 Minuten die A2 in Anspruch nehmen würde. Das Ergebnis ist allerdings, dass jetzt alle 80 Minuten brauchen, anstatt wie bisher 65.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Paradox in der Realität eintrifft, liegt Untersuchungen zufolge bei rund 50 Prozent. In New York zum Beispiel hat die Absperrung mancher Teile des Broadways, der Diagonal durch die ansonsten rechtwinkelig angeordneten Straßen der Stadt verläuft, auch einen positiven Einfluss auf den Verkehrsfluss. Daten, die bestätigen, dass es sich hierbei um ein Beispiel für das Braess-Paradox handelt gibt es zwar nicht, dennoch macht es deutlich, dass mehr Straßen nicht automatisch besseren Verkehrsfluss bedeuten müssen.

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Titelbild: IGEL, Wikimedia
Grafik: Reb42 at English Wikipedia