Kaum ein Thema rund um Elektromobilität hält sich so hartnäckig wie die Frage, ob E‑Autos öfter brennen und ob Feuerwehren damit überfordert sind. Bilder von brennenden Fahrzeugen oder spektakulären Löschcontainern verbreiten sich schnell, während nüchterne Fakten oft untergehen. Ein Blick in aktuelle Untersuchungen, Feuerwehrpraxis und Expert:inneninterviews zeigt jedoch ein deutlich anderes Bild.
1. Brennen E‑Autos häufiger?
Kurz gesagt: Nein. Im Gegenteil.
Mehrere unabhängige Quellen kommen zum selben Ergebnis:
- Die Feuerwehr Freiburg stellt klar, dass E‑Autos nicht häufiger brennen als Verbrenner – eher seltener.
- Eine schwedische Auswertung zeigt: E‑Autos brennen 20‑mal seltener als Benziner oder Diesel.
- Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) findet keine Hinweise auf ein erhöhtes Brandrisiko.
- Auch der ADAC bestätigt: Es gibt keine erhöhte Brandhäufigkeit bei Elektrofahrzeugen.
Warum der Mythos trotzdem so präsent ist? Weil jeder einzelne E‑Auto‑Brand medial stärker auffällt als ein Verbrennerbrand, obwohl Letztere täglich vorkommen.
2. Warum brennen E‑Autos seltener?
Die Gründe liegen in der Konstruktion:
- Hochvoltbatterien sind massiv geschützt.
- Crashsensoren trennen das System sofort vom Strom.
- Hersteller müssen strenge Sicherheitstests bestehen, etwa den sogenannten „Nageltest“.
- Die Zahl der beweglichen, heißen Bauteile ist geringer als beim Verbrennungsmotor.
Das Ergebnis: Ein E‑Auto ist kein besonderes Brandrisiko. Eher das Gegenteil.
3. Wenn ein E‑Auto brennt: Ist das Löschen schwieriger?
Nicht schwieriger – aber anders.
Die Quellen betonen denselben Punkt:
- Ein Batteriebrand kann länger dauern, weil einzelne Zellen nacheinander reagieren können („Thermal Runaway“).
- Feuerwehren benötigen mehr Wasser, weil der Akku gekühlt werden muss.
- Das Vorgehen ist aber klar definiert und seit Jahren Teil der Ausbildung.
Die Feuerwehr Freiburg fasst es so zusammen:
„Nicht schlechter, nicht besser – einfach anders.“
4. Brauchen Feuerwehren Spezialgeräte wie Löschcontainer?
Nein. Das ist einer der größten Mythen.
- Feuerwehren raten explizit von Löschcontainern ab.
- Sie sind teuer, unpraktisch und ökologisch fragwürdig.
- In der Praxis wird fast immer mit Wasser gekühlt, nicht „getaucht“.
- Container spielen höchstens bei Abschleppunternehmen eine Rolle, wenn ein Fahrzeug zur Beobachtung isoliert werden soll.
Die Vorstellung, dass Feuerwehren E‑Autos in Container versenken müssen, ist ein Medienbild – keine Realität.
5. Sind Ersthelfer gefährdet?
Auch hier ist die Antwort klar: Nein.
- Das Hochvoltsystem wird bei einem Unfall automatisch getrennt.
- Einzelne Batteriezellen haben nur rund 5 V – ungefährlich für Menschen.
- Der ADAC betont, dass sich Ersthelfer nicht anders verhalten müssen als bei Verbrennern.
6. Sind Feuerwehren ausreichend vorbereitet?
Ja – und das seit Jahren.
- Seit 2018 gibt es umfassende Fachinformationen für Einsatzkräfte.
- Seit 2021 existiert eine eigene Fachempfehlung für E‑Auto‑Brände.
- Die Herausforderung liegt weniger in der Technik als in der Schulung von über einer Million Feuerwehrleuten im deutschsprachigen Raum.
Die gute Nachricht: Die Einsatzpraxis zeigt, dass Feuerwehren E‑Auto‑Brände routiniert beherrschen.
7. Warum hält sich der Mythos trotzdem?
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Medienlogik: Ein brennendes E‑Auto ist spektakulärer als ein brennender Verbrenner.
- Ungewohntheit: Neue Technologien wirken automatisch riskanter.
- Einzelfälle: Videos von Thermal‑Runaway‑Ereignissen verbreiten sich viral.
- Politischer Druck: Manche Kommunen fühlen sich gedrängt, Spezialgeräte anzuschaffen, obwohl sie nicht nötig sind.
Das Ergebnis: Ein verzerrtes Bild, das mit der Einsatzrealität wenig zu tun hat.
Fazit
E‑Autos brennen nicht häufiger als Verbrenner – im Gegenteil. Wenn sie brennen, ist das Löschen nicht schwieriger, sondern lediglich anders organisiert. Feuerwehren sind darauf vorbereitet, verfügen über klare Einsatzregeln und benötigen keine exotischen Spezialgeräte.
Die Faktenlage ist eindeutig:
Elektroautos sind sicher. Und Feuerwehren können mit ihnen umgehen.
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