Jeans belasten die Umwelt besonders. Sie werden aus Baumwolle hergestellt, die vor allem wasserintensiv und mit Pestiziden, die pro Jeans eine Einkaufstasche füllen könnten, angebaut wird. Zudem werden zum Färben…

Jeans belasten die Umwelt besonders. Sie werden aus Baumwolle hergestellt, die vor allem wasserintensiv und mit Pestiziden, die pro Jeans eine Einkaufstasche füllen könnten, angebaut wird. Zudem werden zum Färben oft giftige Chemikalien eingesetzt, die die Jeans zum Kleidungsstück mit dem wohl größten ökologischen Fußabdruck macht. Nicht so bei den Gebrüder Stitch. Mike und Moriz werfen ihren Job über Bord, besuchen Nähkurse und Textilmessen und lernen zwischen China und Italien alles über perfekte Jeans. Im Hosenlabor im 12. Bezirk werden jetzt nach Maß und auf Kundenwunsch sozial wie ökologisch nachhaltige Jeans geschneidert. Wir haben Moriz zum neuen Lebensinhalt befragt.

Wie kommen zwei „Marketing Fuzzis“ auf die Idee, ökologisch wie sozial nachhaltige Jeans zu schneidern?
Wir hatten keinen Bock mehr auf Marketing-Blabla und wollten was Handfestes machen. Mike wollte mit den Händen arbeiten, ich vor allem für Menschen, also nicht mehr für Kunden, die den Zusatz GmbH im Namen tragen. In unseren alten Jobs ging’s um Kampagnen, Erfolgsmessung und Absatz; meistens entscheidet dennoch Klinkenputzen, Connections oder Politik darüber, ob du am Ende für deine Arbeit Lob oder Tadel kriegst. Hintern sind da ehrlicher. Wenn die Hose sitzt, dann haben wir gute Arbeit geleistet, ohne Wenn und Aber! Heute ist eine Kundin vor Freude gesprungen, als sie ihre Beine im neuen Hoserl gesehen hat. Marketingleiter hüpfen selten vor Freude.

Gibt es prinzipiell Bedarf an ökologischer Kleidung bzw. gibt es eine Erklärung für den aktuellen Trend zu nachhaltigen Lebensstilen?
Wir sind keine Konsumapostel, Oberökos oder Missionare, fliegen mit dem Flieger, fahren Moped. Wir glauben an die kleinen Schritte und daran, dass jeder seinen Beitrag leisten soll. Am Ende entscheiden wir Konsumenten mit jeder einzelnen Kaufentscheidung ein bisserl mit, was da draußen abgeht. Es findet ein langsames Umdenken statt. Je informierter die Menschen sind, desto bewusster kaufen sie ein. Natürlich ist nachhaltig einkaufen manchmal auch eine Art von Luxus, den man sich erstmal leisten können muss. Der erhobene Zeigefinger ist somit sicher fehl am Platz.

Wie setzt ihr denn speziell ökologische Nachhaltigkeit in euren Jeans oder auch in eurer Geschäftsidee um?
Am Anfang haben wir versucht, uns nach Zertifikaten, Tabellen, Fußabdrücken oder an Expertenwissen zu orientieren. Mittlerweile schauen wir uns alles lieber selber an und fällen unser eigenes Urteil. Wir haben als ahnungslose Quereinsteiger unser eigenes Ding gemacht und sind damit wohl deutlich radikaler und nachhaltiger unterwegs, als so manche etablierte Öko-Brand. Generell glauben wir, dass Nachhaltigkeit im Textilbereich zu stark auf den Rohstoff Baumwolle fokussiert. Klar, wir verwenden auch ausschließlich organic cotton – die Baumwolle ist aber nur der Anfang der Kette. Danach kommen viele weitere Schritte wie die washings zum Beispiel. Nach denen kräht kein Hahn, obwohl man gerade da viel falsch machen kann. Von 100% ökologisch sind aber auch wir noch ein gutes Stück entfernt.

Auch die Stitching Sessions passen ins nachhaltige Konzept. Reparieren und Wiederverwerten von Kleidung bzw. Stoffen scheint ja großen Anklang gefunden zu haben.
Walter Lunzers Stitching Sessions – Streetwear zum Selbernähen – haben super eingeschlagen. Zentrales Motiv ist hier allerdings nicht die Nachhaltigkeit sondern das kreative Ausleben. Wer aber einmal ein eigenes T-Shirt genäht hat merkt, dass mit dem System was nicht stimmen kann, wenn das Ding im Geschäft nur 7 Euro kostet und dass da irgendwo wer mächtig draufzahlt.

Der Beta-Store in der Gumpendorfer Straße war nur für drei Monate angelegt. Warum eigentlich und gibt es schon neue Ideen für einen offiziellen Shop?
Wir wollten anfangs ausprobieren, ob jemand unsere maßgeschneiderten Jeans überhaupt braucht und – ganz wichtig – ob’s uns auch Spaß macht. Zudem haben unsere finanziellen Möglichkeiten gerade einmal für den dreimonatigen Piloten ausgereicht. Danach sind wir zu unserer Überraschung ein wenig überrollt worden. Wir hatten und haben mehr Hände voll zu tun, als wir unser eigen nennen können und mussten uns sehr schnell nach Unterstützung umschauen. Zwei Wochen vor dem Ende des Beta-Stores haben Mike und ich zwischen Tür und Angel besprochen, dass wir eine neue Bude brauchen. Im Kunstquartier Wien am Gaudenzdorfer Gürtel 35 haben wir unser zu Hause für die nächsten Monate gefunden und arbeiten fleißig alle Bestellungen ab, die wir während der drei Monate Beta-Store nicht ausliefern konnten.

Danach wollen wir unser Konzept von Grund auf überarbeiten. Jeder Stein wird umgedreht und alles infrage gestellt. Wir haben tausend Ideen und nochmal mehr Verbesserungen. Fest steht nur, dass die Gebrüder Stitch weiterhin Hosen machen werden. Das braucht leider alles seine Zeit, weswegen wir momentan keine neuen Bestellungen aufnehmen können. Man kann sich allerdings gerne auf die Warteliste setzen lassen.

Mehr Infos gibt es auf der Website der Gebrüder Stitch, außerdem kann man sich auf ihrer Facebook-Site auf dem Laufenden halten.

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